Vilnius als Gaming-Standort in Europa
Die litauische Hauptstadt Vilnius sieht sich als neuer Gaming-Hub in Europa. Die lokale Gamesbranche hat in den vergangenen Jahren einen Umsatz von 200 Millionen Euro erwirtschaftet, was vor allem auf Unternehmen wie Nordcurrent, Wargaming, Belka Games, Melsoft und Unity zurückgeführt wird.
Vilnius, die Hauptstadt von Litauen, hat sich zu einem zentralen Knotenpunkt für Devs und Publisher entwickelt. Laut Invest Lithuania, einer staatlichen Einrichtung, die ebenfalls internationale Unternehmen unterstützt, hat die Branche in den letzten Jahren einen Umsatz von über 200 Millionen Euro erwirtschaftet. Sie umfasst rund 115 Unternehmen und beschäftigt mehr als 2.500 Personen, von denen 91 Prozent aktiv an der Gamesproduktion beteiligt sind. Etwa 800 Entwickler:innen sind aus dem Ausland zugewandert. Rund 42 Prozent der Unternehmen sind Mitglieder des litauischen Verbands der Spieleentwickler:innen (Lithuanian Game Developers Association), der die Interessen auf nationaler Ebene vertritt. Auf welchem Zeitraum sich der Bericht bezieht, ist leider unklar. Triebkräfte für das Wachstum sind "ein günstiges Geschäftsklima, eine florierende Technologie- und IT-Industrie und hoch qualifizierte Arbeitskräfte, die in Bezug auf die Zahl der weiblichen Beschäftigten sogar Polen und Frankreich übertreffen", so die Business-Development-Agentur Go Vilnius. 27 Prozent der Beschäftigen in der Branche sind weiblich. 47 Prozent der Führungspositionen in Game-Dev-Studios sind mit Frauen besetzt.
Etwa 90 Prozent der Unternehmen der litauischen Spieleindustrie sind in Vilnius angesiedelt. Größtes Unternehmen ist Nordcurrent, ein Casual-Games-Studio und Publisher von Titeln wie "Cooking Fever", "Happy Clinic" und "Pocket Styler". World-of-Tanks-Publisher Wargaming möchte derweil die Zahl der Mitarbeiter:innen in Geschäftsbereichen auf mehrere hundert erhöhen. Darüber hinaus wählte Unity die litauische Stadt als ersten Standort außerhalb Dänemarks. Auch Belka Games, deren Spiele monatlich über 100 Millionen Spieler:innen anzieht, und No Brakes Games, verantwortlich für "Human: Fall Flat", sitzen am Baltikum.
"Wir haben unser Unternehmen 2002 in Vilnius gegründet, als Videospiele hier noch ein Nischensektor waren. Seitdem ist das Interesse an der Spieleindustrie jedes Jahr und besonders in letzter Zeit gewachsen. Der Hauptgrund dafür ist die Zugänglichkeit von Games für ein viel breiteres Publikum als in den frühen 2000er Jahren, bevor sich 4G, mobile App-Stores und Free-to-Play-Modelle durchsetzten. Mobile Games entwickeln sich schnell zu einem Medienkanal, der die Fernseh- und Kinoproduktion übertrifft", so Victoria Trofimova, CEO von Nordcurrent. "Der litauische Verband der Spieleentwickler:innen spielt eine wichtige Rolle bei der Stärkung der Beziehungen zwischen Devs, Publishern und Kreativen. Sie organisieren auch Veranstaltungen und soziale Treffen wie das Gamedev BBQ, professionelle Meetings und arbeiten mit internationalen Veranstaltungen wie der DevGamm-Konferenz zusammen, die in ihrem ersten Jahr über 900 Fachleute aus der Branche anzog."
Der Spiele-Sektor soll auch in Zukunft weiter wachsen. Um dies und den allgemeinen Wissensaustausch zu fördern, wird die GameDev-Branche ein Teil des TechFusion-Ökosystems, was die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen erleichtern soll.
Marcel Kleffmann