VUD legt Marktanalyse 2002 vor
Die vom Verband der Unterhaltungssoftware Deutschland (VUD) vorgelegten Marktdaten 2002 weisen ein generelles Umsatzminus aus - vor allem im Bereich PC-Software. Der Umbruch hin zu Konsolensoftware und die steigende Zahl von Kopien machen dem Markt zu schaffen.
Die Bilanz, die der VUD für das letzte Jahr vorgelegt hat, sieht alles andere als rosig aus. Der Umsatz mit Unterhaltungssoftware ist in Deutschland um 7,4 Prozent auf 1,414 Milliarden Euro gesunken. Damit droht die deutsche Gamesbranche im Ranking der Entertainmentbranchen nun hinter den Videomarkt zurückzufallen: Hier erzielten 2002 der Kauf- und Verleihmarkt ein neues Rekordergebnis von rund 1,4 Mrd. Euro. Wären die Durchschnittspreise für Software nicht gestiegen, dann wäre die Gamesbranche bereits an dritter Stelle hinter Musik und Video zu finden. Zu erkennen am Rückgang der Absatzzahlen, der mit 13,4 Prozent wesentlich deutlicher ausfiel als der Umsatzrückgang. In Prozenten ausgedrückt, hat es im vergangenen Jahr am schlimmsten den Bereich PC-Info-/Edutainment getroffen.
Softwarepreise als Rettungsanker
Dort fiel der Umsatz um 20 Prozent auf 218,68 Millionen Euro. "Nach wie vor ist Edutainmentsoftware bei uns nur unzureichend als Lehr- bzw. Lernmittel akzeptiert", begründet Ronald Schäfer, Geschäftsführer des VUD, die Besorgnis erregende Entwicklung in diesem Marktsegment. "Länder, die bei der Pisa-Studie wesentlich besser als Deutschland abschnitten, setzen schon seit vielen Jahren auf digitale Lehrmittel und nutzen deren Vorteile." Einen ebenfalls sehr starken Dämpfer erhielt im vergangenen Jahr auch das zweite PC-basierte Segment, die PC-Spiele. Dort fielen die Absatzzahlen um ganze 19 Prozent und der Umsatz noch um 13,8 Prozent. Insgesamt wurden nur 597,6 Mio. Euro mit PC-Spielen generiert. Das sind fast 100 Mio. Euro weniger als im Vorjahr. Als einziges Marktsegment positiv abgeschnitten hat die Konsolensoftware. Zwar war auch dort ein mengenmäßiger Rückgang zu verzeichnen, der lag jedoch nur bei etwa einem Prozent.
Da mit den neuen Systemen jedoch auch das Hochpreissegment wieder an Bedeutung gewann, kam es zu einem Anstieg der Durchschnittspreise, dem wiederum das Umsatzplus von 7,2 Prozent zu verdanken war. Unter dem Strich wurde 2002 mit Konsolensoftware ein Umsatz von 595,72 Mio. Euro erwirtschaftet. Zwischen Konsolen- und PC-Spielen herrschte im vergangenen Jahr zumindest nach Umsatz eine Pattsituation. Dies ist gerade für hiesige Verhältnisse mehr als nur ungewöhnlich, war Deutschland doch bislang immer ein deutlich PC-dominierter Markt. Es sieht also sehr danach aus, als habe der Wandel, der in anderen Ländern längst vollzogen wurde, nun auch den deutschen Gamesmarkt erfasst. "Traditionell besteht zum Beispiel in England und Frankreich eine weitaus höhere gesellschaftliche Akzeptanz für Konsolenspiele, was sich unter anderem dadurch äußert, dass in diesen Ländern im Gegensatz zu Deutschland Arcade-Halls für Kinder und Jugendliche offen zugänglich sind", benennt Hermann Achilles, ebenfalls Geschäftsführer des VUD, den Grund, warum dieser Wandel in Deutschland erst so spät einsetzt.
Konsolensoftware holt deutlich auf
Zu ergründen, was nach den allgemein eher enttäuschenden Zahlen nun zu tun ist, bleibt Aufgabe der Ursachenforschung. Ein Grund, warum der Gesamtmarkt, vor allem aber der Konsolensoftwarebereich 2002 nicht besser abschnitten, dürfte in den teuren Hardwareinvestitionen des vergangenen Jahres liegen. Die Anschaffung von Konsolen, aber auch von DVD-Playern dürfte wohl einen nicht unerheblichen Teil der Kaufkraft abgeschöpft haben, zumal sich die Medienbudgets der Haushalte im Vergleich zum Vorjahr nicht stark verändert haben dürften. Daneben gibt es jedoch einen weiteren wichtigen, wenn nicht sogar den wichtigsten Grund für die Umsatzeinbußen: Piraterie. Laut VUD war zu beobachten, dass selbst Toptitel selten Verkaufszahlen von mehr als 200.000 Units erreichten. "Wenn gleichzeitig die Anzahl der privaten, in aller Regel illegalen Spielekopien um über 23 Prozent auf 54 Mio. Stück angestiegen ist, bleibt für einen Zuwachs im legalen Bereich kaum noch Raum", sagt Schäfer. Doch nicht nur der durch die GfK ermittelte Anstieg der Spielekopien ist ein Indiz für die Bedrohung durch Softwarepiraten, die Problematik hat mancherorts inzwischen Ausmaße erreicht, die sogar in der regionalen Umsatzverteilung sichtbar werden.
So ist beispielsweise der Anteil, den Nordrhein-Westfalen und die gesamte Region Mitte am Spieleumsatz haben, weiter gefallen, zum Teil sogar sehr deutlich. Der Anteil liegt meist weit unter jenem, den diese Regionen gemessen an der Bevölkerungszahl haben müssten. Da aber zur gleichen Zeit in diesen Regionen die Absatzzahlen bei Leermedien überdurchschnittlich hoch sind, kann kaum davon ausgegangen werden, dass die Menschen in NRW oder Mitte allgemein weniger spielen als der Rest der Bevölkerung. "Die stockende wirtschaftliche Gesamtentwicklung, die ständig wachsende Anzahl von illegalen Kopien, die mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz des Mediums und ein brancheninterner Prozess des Umbruchs vom PC- hin zum Konsolenmarkt - alles dies sind die Parameter, die einem gesunden Wachstum des Markts insgesamt im Wege gestanden haben", lautet dann auch das Fazit, das Hermann Achilles für das vergangene Jahr zieht.