Wal-Mart zieht sich aus Deutschland zurück
Die Metro AG und Wal-Mart Stores haben sich in der Nacht zum Freitag geeinigt, dass Metro alle Aktivitäten des US-Handelsriesen in Deutschland übernimmt.
Der weltgrößte Einzelhandelskonzern, Wal-Mart, beendet seine Aktivitäten in Deutschland. Wie das Unternehmen gemeinsam mit der Metro AG mitteilt, habe man sich in der Nacht auf den 28. Juli auf eine Übernahme der Aktivitäten durch den Düsseldorfer Handelskonzern geeignet. Metro übernimmt - eine kartellrechtliche Genehmigung vorausgesetzt - 85 SB-Warenhäuser. Bei 19 Standorten erwirbt der Konzern zudem das Immobilien-Eigentum. Die Wal-Mart-Märkte erzielten 2005 nach Unternehmensangaben einen Umsatz von rund zwei Mrd. Euro. Der Kauf sei noch nicht in der Umsatz- und Ergebnisprognose des aktuellen Geschäftsjahres von Metro enthalten. Laut Metro stelle der Kauf eine "ideale Ergänzung des bestehenden Standortnetzes der Metro Group Vertriebslinie Real" dar. Man erhoffe sich Synergieeffekte durch die Integration der Wal-Mart-Standorte in die Infrastruktur der Metro in den Bereichen Einkauf, Logistik und Verwaltung.
Wal-Mart stieg Anfang 1998 in den deutschen Markt ein und sorgte dabei für große Unruhe unter den deutschen Einzelhandelskonzernen, die einen massiven Preiskampf fürchteten. Im Jahr 2000 kursierten gar Spekulationen, Wal-Mart werde die Metro übernehmen. Allerdings konnte sich das System von Wal-Mart in Deutschland nie richtig durchsetzen, sodass im Jahr 2001 die Expansionsvorhaben deutlich zurückgefahren wurden. Trotz einer erneuten Expansionsoffensive schaffte es Wal-Mart wohl nie in Deutschland in die schwarzen Zahlen. Zumindest ging dies aus immer neuen Medienberichten hervor, die sich auf gut informierte Kreise beriefen. Wal-Mart selbst legte Geschäftsberichte nur unter Androhung von Ordnungsgeldern und mit jahrelanger Verspätung offen. Zuletzt geschah dies im April 2006, als der Geschäftsbericht 2003 publik wurde. Dort zeigte sich ein Verlust aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit in Höhe von 487 Mio. Euro. Ohne finanzielle Zuschüsse seitens der US-Mutter, so Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young, hätte Wal-Mart Deutschland bereits Insolvenz anmelden müssen.