Ab 1. Januar 2002 gibt es ihn nicht nur auf dem Papier, sondern dann klingelt er auch in Geldbörsen und Kassen: der Euro. Games Markt.de erklärt, welche Punkte Händler bei der Umstellung beachten sollten.

Ein mögliches Szenario am Jahresanfang 2002: Schlangen vor den Kassen, das Wechselgeld ist ausgegangen, auf Kassenbons sind DM-Preise ausgedruckt, und der Verkäufer ist völlig überfordert, hat er doch erst kurz nach Weihnachten damit begonnen, sein Geschäft auf die neue Währung Euro umzustellen.

Solche Bilder scheinen nicht ganz abwegig, befasst man sich mit aktuellen Studien zum Thema. Dort werden der mittelständischen Wirtschaft, speziell dem Einzelhandel, in puncto Euro-Vorbereitung oft schlechte Zeugnisse ausgestellt.

Höchstens die Hälfte aller kleinen und mittelgroßen Unternehmen sei nach derzeitigem Stand in der Lage, am 1. Januar 2001 den Gesamtgeschäftsverkehr in Euro abzuwickeln. Dies ergab zum Beispiel eine Studie von Cap Gemini Ernst & Young und der Association for the Monetary Union of Europe (AMUE).

Nur 18,8 Prozent der Einzelhändler gaben demnach an, ihre Euro-Umstellungsprojekte bereits abgeschlossen zu haben. Im Unterschied hierzu haben die meisten Einzelhändler ihre Umstellungsprojekte gerade erst in die Wege geleitet. Ungefähr ein Drittel befand sich in einer sehr frühen Phase, etwas mehr als 15 Prozent haben bisher keinerlei Maßnahmen in Vorbereitung auf die neue Währung eingeleitet.

Mehr Einsatz erforderlich

Bernd Mogalle, Leiter des euroTransoformation Service beim Münchner Unternehmen Cap Gemini Ernst & Young, sieht aufgrund der Ergebnisse der Studie zwei Besorgnis erregende Trends: "Zum einen scheinen die Unternehmen die Auswirkungen auf die Geschäftsprozesse und auch die Komplexität der Euro-Umstellung zu übersehen. Wir glauben, dass hier mehr Einsatz erforderlich ist. Zum anderen haben nur wenige Unternehmen erkannt, dass die Euro-Umstellung und die E-Business-Programme sich auf die gleichen Bereiche auswirken. Sie übersehen die Vorteile, die bei der Verknüpfung dieser beiden großen Projekte entstehen."

Betrachtet man die Ergebnisse der Studie in den einzelnen Euro-Staaten, steht Deutschland jedoch nicht so schlecht da, wie behauptet wird. Mehr als zwei Drittel der Befragten arbeiten derzeit an der Umstellung, ein Drittel hat diesbezüglich noch nichts getan. Schleppender laufen die Vorbereitungen zum Beispiel in den Niederlanden, wo beinahe 50 Prozent bisher nichts getan haben, um ihr Unternehmen für den Euro fit zu machen.

Auswirkungen vor allem im Kerngeschäft spürbar

Die Erhebung der Münchner Unternehmensberatung zeigt: Noch immer ist der Irrglaube weit verbreitet, es genüge, eine neue Software zu installieren und einen Umrechnungsfaktor in das Kassensystem einzugeben, der die Beträge in Euro ausdruckt. Gerade bei Einzelhändlern ist es jedoch wichtig, sich konsequent und gezielt auf die Umstellung vorzubereiten, weil die Auswirkungen des Währungswechsels vor allem im Kerngeschäft spürbar werden.

Nicht nur die Preisauszeichnung und das Kassieren sind betroffen, auch bei der Bilanzierung, der Preisgestaltung und beim Verkaufsgespräch ist Know-how gefragt. Zudem tangiert die Umstellung nicht nur das direkte Geschäft im Laden, sondern auch Teile von Logistik, Einkauf, Technik oder Marketing und Vertrieb.

Hohe Anforderungen an die technische Ausrüstung

In diesem Zusammenhang erklärte der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE), Händler sollten sich dessen bewusst sein, dass die Umstellung auf den Euro nicht nur hohe Anforderungen an die Organisation und Planung, sondern auch an die technische Ausrüstung und an das strategische Management stelle.

Doch auch für den Händler, der bisher noch nichts in die Wege geleitet hat, besteht nach Aussage des Hauptverbands kein Grund zur Panik. Wenn alle wichtigen strategischen Entscheidungen in der ersten Jahreshälfte getroffen würden, stehe einer sorgenfreien Neujahrsfeier nichts im Wege.

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