Wird Hirai Nachfolger von Stringer bei Sony?
Mit dem Umbau und der Verschlankung der Strukturen im Elektronik-Bereich hat Sony die Weichen für die Konzernzukunft gestellt. Eine Vorentscheidung könnte aber auch im Hinblick auf die Nachfolge des fast 70-jährigen Konzernchefs Sir Howard Stringer gefallen sein. Wirklich fix ist aber noch lange nichts, wie die Vergangenheit zeigt.
"Aus zwei mach eins" lautet das Motto der jüngste beim japanischen Sony-Konzern. Was die mögliche Nachfolge des aktuellen Konzernchefs, Sir Howard Stringer, betrifft, gilt dies allerdings nur zum Teil. Doch der Reihe nach:
Der Sony-Konzern hat für den 1. April erneut eine Umstrukturierung seines Kerngeschäfts, der Elektroniksparte, angekündigt. Dabei kommt es zu einer weiteren Verschlankung. Die beiden umsatzstärksten Abteilungen, die Consumer Products Division (CPD) und die Abteilung Networked Products & Services (NPS), werden unter dem Namen Consumer Products & Services Group zusammengelegt. Daneben werden das wachsende Businesskundengeschäft sowie die Bereiche Komponenten und Halbleiter in einer separaten Abteilung namens Professional & Device Solutions Group aufgehen.
Durch die Zusammenlegung der beiden ehemaligen Abteilungen CPD und NPS entsteht eine Art Super-Division. Gemessen am Konzernergebnis 2009/2010 steht diese Abteilung für rund zwei Drittel des gesamten Konzernumsatzes. In Zahlen ausgedrückt: Nach dem Stand heutiger Wechselkurse erwirtschafteten die Bereiche, die jetzt zusammengelegt werden, von April 2009 bis einschließlich März 2010 mehr als 40 Mrd. Euro Umsatz. Zum Vergleich: Der Umsatz der künftigen Professional & Device Solutions Group hätte bei etwas über vier Mrd. Euro gelegen.
Und genau hier liegt die zweite Botschaft des Umbaus. Es scheint, als sei in Tokio eine Vorentscheidung gefallen, was die Nachfolge von Konzernchef Sir Howard Stringer betrifft. Zwar denkt Stringer offiziell noch lange nicht ans Aufhören, der erste Nicht-Japaner an der Spitze des Sony-Konzerns feiert 2012 jedoch seinen 70. Geburtstag und absolviert ein Mammutprogramm, da er im Alltag zwischen der Konzernzentrale in Tokio, seinem Familiensitz an der US-Ost-Küste und Sony-Standorten an der US-Westküste hin und her pendelt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Stringer aufhört oder zumindest deutlich kürzer tritt.
Kein Wunder, dass immer mal wieder Spekulationen aufkommen. Zuletzt geschah dies im . Damals mutmaßte der Wirtschaftsdienst "Bloomberg", dass schon bald der vakante Posten des President neu besetzt werde, hierarchisch gesehen der Posten für die Nummer zwei im Konzern. Bloomberg spekulierte über die Chancen der "vier Musketiere", von denen aber nur zwei in erster Instanz in Frage kommen: Zum einen der Chef der bisherige CPD-Sparte Hirosho Yoshioka, zum anderen der Chef der bisherige NPS-Sparte Kazuo Hirai. Bei den zwei weiteren Musketieren handelt es sich jeweils um Mitarbeiter Yoshiokas und Hirais, namentlich um Yoshihisa Ishida, Chef der TV-Sparte, und Kunimasa Suzuki, Chef der VAIO-Linie.
Die Vorentscheidung scheint gefallen, weil mit der Umstrukturierung nun "Kaz" Hirai die Leitung der neuen Super-Division übernimmt, während der zweite Musketier, Hirosho Yoshioka, die Leitung der wesentlich kleineren Professional & Device Solutions Group übertragen bekommt. Hirai gilt zudem als geeigneter Kandidat für die Konzernspitze. Er ist Japaner, seit über 25 Jahren im Konzern erfolgreich und auch bestens mit dem Geschäft außerhalb Japans vertraut. Hirai leitete viele Jahre das PlayStation-Geschäft in den USA.
Doch trotz aller "Pros" ist noch lange nicht sicher, dass Hirai bei einem Rückzug Stringers den Waliser auch wirklich beerben wird. Zum einen hängt seine Ernennung von der wirtschaftlichen Entwicklung des Konzerns in den nächsten Jahren und damit vom Erfolg der Restrukturierung Stringers ab. Zum anderen gab es in der jüngeren Konzerngeschichte Beispiele, die zeigen, dass Sony bei Personalien immer auch für Überraschungen gut ist. Das beste Beispiel hierfür ist Stringer selbst.
Denn als der langjährige Sony-Chef Nobuyuki Idei überraschend zurücktrat, übernahm eben nicht der viele Jahre als Nachfolger gehandelte Sony-President Kunitake Ando das Ruder. Ando trat ebenfalls zurück, wodurch letztlich der Weg frei wurde für ein neues Führungs-Duo bestehend aus Stringer und Ryoji Chubachi, der selbst im als Sony-Präsident zurücktrat und um dessen Nachfolge es bei der Bloomberg-Spekulation ging.
Wie schnell der Stern eines lang gedienten Managers untergehen kann, zeigt auch das Beispiel Ken Kutaragi. Der "Vater" der PlayStation galt bis wenige Wochen vor den Rücktritten von Idei und Ando als heißer Kandidat für den Konzern-Chefsessel. Kurz vor deren Ausscheiden musste Kutaragi wichtige Aufgabengebiete abgeben, was ebenfalls den Weg frei machte für das Duo Stringer/Chubachi. Zwei Jahre später trat Kutaragi schließlich von seinen Ämtern und blieb dem Konzern - wie in solchen Fällen üblich - als Berater erhalten. Kutaragis-Nachfolger wurde indes der zweite Starke Mann im PlayStation-Geschäft, Kazuo Hirai.