In den 13 Jahren seit Erscheinen von "Die Siedler" sind über fünf Mio. Einheiten der Spieleserie über die Ladentische gegangen. Kein Wunder, dass Blue Byte gemeinsam mit Publisher Ubisoft seit geraumer Zeit am sechsten Teil der PC-Serie werkelt. Dieser soll alte Tugenden fortführen und neue Elemente in die Erfolgsreihe bringen.

Bereits seit anderthalb Jahren arbeitet die deutsche Spieleschmiede Blue Byte in den Ubisoft-Büros am neuen Teil der erfolgreichen "Siedler"-Serie. Bis heute wurde das Projekt von den Düsseldorfern unter Verschluss gehalten, doch nun gewährte der Publisher einen ersten Einblick in die Welt der umtriebigen Siedler.

Im Augenblick arbeitet ein Team von 30 Grafikern, Programmierern und Spieldesignern an dem sechsten Teil. Die meisten von ihnen haben an den vorangegangenen Ausgaben mitgewirkt. Für die letzte Phase der Produktion will man das Team noch mal deutlich aufstocken.

Schaffe, schaffe, Häusle baue!

"Die Siedler VI (Arbeitstitel)" versteht sich wie bereits die Vorgänger als Aufbaustrategiespiel. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der Titel ein familientaugliches Spiel werden soll, steht der Kampf nicht im Vordergrund. Das Ziel liegt vielmehr darin, eine möglichst große und von der Infrastruktur her funktionierende Stadt aufzubauen. Die Belagerung anderer Städte und die Verteidigung der eigenen ergibt sich daraus, soll aber nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Zu Beginn findet sich der Spieler in einer Welt von großen Inseln, Wüsten, dichten Wäldern und Fjorden wieder. Um die eigene Stadt zum Erblühen zu bringen, müssen Rohstoffe abgebaut und Bäume gefällt werden. Jeder der wuseligen Siedler hat seine spezielle Aufgabe. Der Bäcker backt das Brot knusprig braun, der Gaukler hält die Bürger bei Laune, und der Wirt schenkt den beliebten Gerstensaft aus. Jeder Bewohner hat nicht nur Aufgaben, sondern auch Bedürfnisse. Werden diese nicht befriedigt, sinkt die Zufriedenheit der Einwohner und damit ihre Produktivität.

Selbst ist die Frau

Erstmals besteht die Welt der Siedler auch aus Frauen, die sich bei Dorffesten aus dem Haus trauen. Es werden zarte Bande mit dem starken Geschlecht geknüpft und Hochzeitspläne geschmiedet. In der Folge bringt der Storch Nachwuchssiedler. Hat die Stadt eine signifikante Größe erreicht, muss sie gegen Angriffe von außen geschützt werden. Der Bau einer Stadtmauer steht an.

Das nötige Kleingeld dafür holt sich der Spieler mithilfe der unnachgiebigen Steuereintreiber. Die resoluten Herrschaften müssen auf ihren Touren jedoch stark bewacht werden: Überfälle und Hinterhalte sind jederzeit zu befürchten. Deren Häufigkeit hängt auch von den Beziehungen zu den anderen Völkern ab.

Kein Platz für Schnick-Schnack

Diplomatie wird laut Blue Byte ebenfalls eine Rolle spielen. In welcher Form der Spieler allerdings mit anderen Städten kommunizieren kann, darüber schwieg sich der Entwickler aus. Grundsätzlich achtet Blue Byte darauf, den Spieler nicht mit Statistiken und Zahlenwüsten zu verwirren. Jede Aktion der Siedler, jeder Arbeitsvorgang ist direkt in der Spielszenerie sicht- und beeinflussbar. Per Zoom kontrolliert der Spieler jeden einzelnen Bewohner bei seinem Tagwerk.

Die Animationen der Figuren machten bereits in dieser frühen Entwicklungsphase einen guten Eindruck. Die Grafiker bekommen den schmalen Grat zwischen realistischer Darstellung und Comic-haftem Look gut auf den Bildschirm. Die mittelalterlichen Fachwerkhäuser gefallen in der farbenfrohen Landschaft.

Blue Byte hat auch an einen Multiplayermodus gedacht - dazu sollen neben Deathmatch auch teamorientierte Spielmodi gehören. Der Handel untereinander oder die Unterstützung bei Belagerungen stehen im Vordergrund. Bis zur geplanten PC-Veröffentlichung im Sommer 2007 sollen weitere Details bekannt gegeben werden.

Nachgefragt bei Benedikt Grindel, Producer von "Die Siedler VI" bei Blue Byte

» Wie ist der aktuelle Entwicklungsstand von "Siedler VI"?

Die gezeigte Version ist eine Pre-Alpha, es sind also im Moment noch nicht alle Features im Spiel. Darüber hinaus ist die Benutzeroberfläche nicht final, Sprachausgabe gibt es noch gar nicht, Sounds nur in geringem Umfang. Das Balancing ist ebenfalls in einem sehr frühen Stadium. Die Version ist allerdings schon sehr stabil und über Internet spielbar.

» Welche Zielgruppe wollen Sie ansprechen?

Von der Mutter bis zum Core Gamer wollen wir alle mit ins Boot holen. Das Spiel ist leicht zugänglich, auch für unerfahrene Gamer. Im Hinblick auf einen internationalen Erfolg ist es entscheidend, nicht nur den alteingesessenen PC-Strategen anzusprechen. Die dynamische Struktur des Gameplays erlaubt es jedem, schnell einzusteigen und das Spielerlebnis nach dem eigenen Geschmack zu gestalten.

So können Core Gamer ein strategisch in die Tiefe gehendes Spiel genießen, Einsteiger und Gelegenheitssiedler freuen sich über die leicht zu erlernenden Regeln und bestimmen die Komplexität des Spiels selbst.

» Wird auf der Grafiktechnologie von "Die Siedler: Das Erbe der Könige" aufgebaut?

"Die Siedler VI" soll die beste Grafik aller Strategiespiele haben. Dazu haben wir die Engine von "Die Siedler - Das Erbe der Könige" als Basis genommen und diese enorm erweitert und verbessert. In unserer detailreichen Welt können wir mehr als zehnmal so viele Objekte darstellen wie zuvor.

Wir nutzen die aktuellsten Features der neuesten Grafikkarten. Wir verwenden spezielle Texturierungssysteme, die uns extrem hohe Auflösungen ermöglichen - da kann man auch mal ganz nahe vor einem Gebäude stehen, ohne dass es in den Augen wehtut. Aber auch auf älteren Rechnern wird das Spiel sehr gut laufen. Das sind wir unseren vielen Fans, die nicht jedes Jahr einen neuen Spiele-PC kaufen, schuldig.

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