Im deutschen Spielemarkt ist gute PR entscheidend, nicht nur bei Software, sondern auch für den Erfolg der Hardware. Boris Schneider-Johne, PR Manager Xbox bei Microsoft, gibt Auskunft über die PR-Aktionen im Vorfeld des Launch sowie die PR-Strategien der kommenden Monate.

GM: Sind Sie mit der bisherigen Xbox-Berichterstattung zufrieden?

Boris Schneider-Johne: Ein guter PR-Mann ist natürlich nie zufrieden, aber wir können uns wirklich nicht beklagen. Die Berichte über unsere Spiele, gerade von der Fachpresse, sind durch die Bank gut und auch die Hardware wird positiv dargestellt. Im General Interest-Bereich herrscht großes Interesse, allein schon weil Microsoft in den Markt eintritt.

GM: Wie wollen Sie zum Start eine möglichst breite PR erreichen?

Musterversand an über 300 Medien

Schneider-Johne: Mit Offenheit und aggressivem Produktsampling. Den Februar hindurch sind wir speziell für die Presse auf der Xbox-Wohnzimmer-Tour. Mitte Februar haben wir zudem mit dem Musterversand an über 300 Medien begonnen; die meisten Medien erhielten zunächst ein Gerät auf Leihbasis von zwei Wochen. Knapp hundert Redaktionen erhalten auch schon Dauerleihgaben. Mir wurde mehrfach widergespiegelt, dass bisher noch kein Videospielanbieter ein derart umfangreiches Sampling in Deutschland durchgeführt hat. Natürlich haben wir rund um den Launch noch ein, zwei Aktionen vor, die durch ihren Überraschungseffekt für breite PR sorgen werden - aber die verraten wir jetzt noch nicht.

GM: Welche Rolle spielen die einzelnen Medien Print, TV, Funk und Internet in Ihrer PR-Strategie?

Schneider-Johne: Die Gewichtung ergibt sich fast automatisch: Im TV sind Videospiele immer noch selten vertreten, jedoch gehen wir benachbarte Formate erfolgreich an: Beispielsweise "Project Gotham Racing" in "Auto Motor Sport TV" oder "Amped" im Powderhausen TV. Ein derart visuelles Erlebnis wie Xbox ist im Radio natürlich schlecht darzustellen, und PR durch möglichst viele Verlosungen "einzukaufen", würde nur die Wertigkeit der Xbox reduzieren. Print ist die Hauptinformationsquelle der Zielgruppe, hier bündeln wir unsere Aktivitäten. Im Internet herrschen andere Regeln - es gibt unzählige Sites, die über Xbox berichten. Wir arbeiten mit den größeren Xbox-Fan-Sites zusammen, beliefern diese auch mit Informationen, aber die Presse hat sicher Vorrang.

GM: Wie sieht Ihre Promotionstrategie für die Hardware nach dem Launch aus?

Schneider-Johne: Der Launch ist immer ein besonderes Ereignis, weil hier auch die Hardware als solche PR-Charakter hat. Nach dem Launch geht es im wesentlichen um Spiele. Unsere Herbst-PR wird sich also um die vielen neuen Spiele drehen, die Weihnachten in die Regale kommen. Ein weiteres großes PR-Thema wird natürlich der Launch des Xbox-Onlinedienstes sein, aber da steht ja noch kein Termin fest.

GM: Ist bei der Fülle von Spielen überhaupt eine konstant intensive PR-Arbeit möglich?

Schneider-Johne: Natürlich setzen wir Schwerpunkte. "Halo" war für PC-Magazine interessant, mit "Gotham" sowie "Rallisport" gehen wir auch in die Autopresse, und "Oddworld" ist wegen seines Spielprinzips auch für General Interest sehr ergiebig. "Dead or Alive" ist im Wesentlichen ein SI-Titel. Um so viele Produkte gleichzeitig zu stemmen, habe ich mit worx communications eine hervorragende PR-Agentur.

GM: Kooperiert Microsoft bei der Öffentlichkeitsarbeit auch mit den Third Parties ?

Schneider-Johne: Natürlich gibt es hier den berühmten Janus-Kopf: Einerseits will ich die besten Reviews für "meine" Spiele, andererseits sind die Partner für den Erfolg des Systems lebensnotwendig. Ich stehe in direktem Kontakt mit den PR-Managern der Thirs-Parties und informiere sie bspw. über unsere Presseevents und über die Bemusterung von Medien, damit sie effektiver arbeiten können. Verwundert hat mich, dass diese, an sich selbstverständliche, Dienstleistung von anderen Anbietern wohl nicht so ernst genommen wurde - zumindest haben mir das mehrere betroffene Firmen gesagt.

GM: Was ist aus dem Offiziellen Xbox-Magazin geworden?

Schneider-Johne: Die weltweite Lizenz mit Ausnahme Japans liegt weiter bei der Future/Imagine-Gruppe. Nach ihrem Rückzug aus Deutschland wurde bis jetzt erfolgslos nach einem Partner für eine Sublizenz gesucht. Das Offizielle Xbox-Magazin wäre natürlich ein wichtiger Bestandteil der PR-Strategie, besonders weil es die Spieler Monat für Monat mit neuen, spielbaren Demos versorgt.

GM: Wir danken für das Gespräch

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