"3dfx ist quicklebendig"
Vor etwas mehr als einem halben Jahr gründete 3dfx ein Office in Deutschland. Im Gespräch mit Entertainment Markt erläutern Regional Sales Manager Holger Jahnke und Marketing Managerin Lola Claesson die Ambitionen des 3D-Grafikkartenherstellers.
Entertainment Markt: Anfang März gründete 3dfx das erste deutsche Office in Hallbergmoos bei München. Wie lautet Ihre erste Bilanz?
Holger Jahnke: Erste Ziele waren natürlich, das Büro aufzubauen und ein schlagkräftiges Team zu formieren. Mittlerweile haben wir eine Mannschaft von sechs Leuten. Man muss berücksichtigen, dass wir unter sehr schwierigen Marktbedingungen an den Start gegangen sind. Unsere Zielmärkte liegen nicht nur in Deutschland, sondern verteilt im ganzen europäischen Raum. In diesen Märkten stehen uns mit Anbietern wie Nvidia, Elsa oder ATI etablierten Marken gegenüber. 3dfx wird von vielen Endkunden und Filialleitern zudem als ein auf Spielegrafikkarten gesehen. Das schwächt das Standing. Die schlechte Presse aus den USA hat in den letzten Wochen ein Übriges getan.
EM: Sie meinen damit das Quartalsergebnis und die gerichtliche Auseinandersetzung mit Nvidia.
Jahnke: Zugegeben, das Quartalsergebnis ist nicht gut ausgefallen. Man muss aber auch die Hintergründe sehen. Immerhin fiel mit Giga Pixel eine Firmenübernahme ins Gewicht. Giga Pixel hat jetzt die Entwicklungsarbeit für uns übernommen, und im nächsten Jahr ist bereits mit einem neuen Produkt zu rechnen. Zudem hat 3dfx die Produktion nach Taiwan ausgelagert. Das bedeutet wiederum Kostenersparnisse. Auch das geplante OEM-Geschäft wird uns einen Finanzschub geben. Dennoch werden wir in Deutschland zerredet. Das liegt natürlich auch an der Klage von Nvidia. Die ist allerdings Unsinn. 3dfx hat bereits vor zwei Jahren gerichtliche Schritte gegen Nvidia angestrengt. Allerdings hat Nvidia durch ihre gute Positionierung - nicht zuletzt durch die X-Box - die Stimmen in der Öffentlichkeit. Wir haben es der Konkurrenz auch zu leicht gemacht. Man muss aber klar sagen, 3dfx ist nicht tot, sondern quicklebendig.
EM: Welche Pläne haben Sie jetzt in Deutschland?
Jahnke: Im End-User-Segment generieren wir 65 bis 80 Prozent unseres Umsatzes über die Retailketten, wie beispielsweise über Vobis, Conrad oder MediaMarkt. Hier lag am Anfang auch der Fokus von 3dfx. Nach dem kleinen Tal mit der Voodoo 3 sind wir mit der Voodoo 4 und 5 wieder gut im Geschäft und haben ein gutes Standing erreicht. Zusammen mit den Voodoo-TV-Karten bieten wir erstmals eine komplette Produktfamilie an. Auch das einheitliche Branding unserer Produktverpackungen sicherte uns Anteile am PoS. Im zweiten Schritt wollen wir den Fachhandel angehen. Ein Drittel des Umsatzes setzen wir uns als Ziel. Wir wollen aber nicht mit einem pompösen Auftritt die Händler verschrecken. Den Händler kann man einmal vor den Kopf stoßen, für ein zweites Mal hat man dann aber keine Gelegenheit mehr dazu. Wir wollen uns Step by Step als Alternative zu den derzeit in Deutschland tonangebenden Produkten von Nvidia, ATI oder ELSA positionieren.
Lola Claesson: Wir wollen den Handel mit einer klaren Aussage von uns überzeugen. Für Weihnachten planen wir deshalb eine Promotionaktion für den Handel. Darüber hinaus planen wir Bundling-Angebote u. a. mit Logitech und anderen Firmen. Vorstellbar sind dabei Bundlings von Grafikkarte und Controllern. Auch für die neuen Voodoo-TV-Karten können wir uns Kooperationen vorstellen.