Activision Blizzard: Ergebnisse eigener Untersuchung der Belästigungsvorwürfe
Activision Blizzard hat die Ergebnisse einer eigenen, internen Untersuchung der Unternehmenskultur vorgelegt. Demnach hätten die Führungskräfte weder Belästigung noch Fehlverhalten am Arbeitsplatz wissentlich toleriert. Es gebe "keine weit verbreitete Belästigung" bei Activision, so der Publisher.
Nach zwei Klagen und vielen Anschuldigungen bezüglich geschlechtsspezifischer sowie sexueller Belästigung und einer generell problematischen Atmosphäre am Arbeitsplatz hat Activision Blizzard eine eigene, interne Untersuchung eingeleitet. Mittlerweile liegen diese Ergebnisse vor, die besagen, dass es keine "systemischen Probleme" in dem Unternehmen geben soll - und die Führungsetage nichts von den Vorgängen gewusst haben soll.
In dem SEC-Bericht, der von PCGamesN entdeckt wurde, heißt es: "Obwohl es einige begründete Fälle von geschlechtsspezifischer Belästigung gibt, lassen diese unglücklichen Umstände nicht den Schluss zu, dass die Führungsspitze von Activision oder der Vorstand von geschlechtsspezifischer Belästigung wussten und dies tolerierten oder dass es jemals ein systematisches Problem mit Belästigung, Diskriminierung oder Nötigung gab. (...) Im Gegensatz zu vielen der Anschuldigungen haben der Vorstand und seine externen Berater festgestellt, dass es keine Beweise dafür gibt, dass die Führungskräfte von Activision Blizzard jemals absichtlich die Fälle von geschlechtsspezifischer Belästigung, die aufgetreten sind und gemeldet wurden, ignoriert oder versucht haben, sie herunterzuspielen."
Activision hat ebenfalls Gilbert Casellas, ehemaliger Vorsitzender der Equal Employment Opportunity Commission (EEOC), zur Mitarbeit an der internen Untersuchung verpflichtet. Er konnte keine "weit verbreitete Belästigung, kein Muster oder keine Praxis der Belästigung und keine systematische Belästigung bei Activision Blizzard oder in einer seiner Geschäftseinheiten" feststellen. "Casellas kam außerdem zu dem Schluss, dass das Ausmaß des Fehlverhaltens, basierend auf dem Umfang der Berichte, für ein Unternehmen der Größe von Activision Blizzard vergleichsweise gering ist", heißt es weiter. Mit Verweis auf über 25.000 Angestellte in den letzten zehn Jahren.
In dem Bericht wird ebenfalls erwähnt, dass in der "unerbittlichen Flut von Kritik" in den Medien gewisse Verbesserungen vernachlässigt wurden, zum Beispiel der Verzicht auf ein Schiedsverfahren bei einzelnen Fällen von sexueller Belästigung und die Veröffentlichung des U.S. Pay Equity Review aus dem Jahr 2020.
Die erste große Klage gegen Activision Blizzard wurde von der DFEH (Department of Fair Employment and Housing) eingereicht. GamesMarkt hatte mehrfach darüber berichtet. Als Folge verließen mehrere, teils führende Mitarbeiter:innen das Unternehmen oder wurden entlassen, darunter J. Allen Brack, der damalige Präsident von Blizzard Entertainment. Brack wurde namentlich in der ursprünglichen Klageschrift genannt. Er soll von den Belästigungsvorwürfen gewusst und nichts unternommen haben. Der DFEH-Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Die zweite Klage von der Equal Employment Opportunity Commission wurde im März 2022 mit einem Vergleich in Höhe von 18 Millionen Dollar beigelegt. Das Unternehmen gestattet es der EEOC zudem, unangekündigte Überprüfungen der Mitarbeiter:innen durchführen zu können.
Die Arbeitnehmerinitiative A Better ABK bezeichnete diesen Bericht als "eine unglaubliche Respektlosigkeit gegenüber den Opfern von Belästigung" und kommentierte zahlreiche Passagen kritisch. "Entweder wussten sie, was vor sich geht und haben nichts getan oder sie geben aktiv zu, dass sie ihr eigenes Unternehmen nicht im Griff haben", heißt es auf Twitter.
Marcel Kleffmann