Alles nur, weil er sie liebt
Das neue Actionrollenspiel von Codemasters verabschiedet sich vom traditionellen Kampfsystem des Genres und bietet spektakuläre Nahkämpfe, ohne auf wichtige Rollenspielelemente zu verzichten.
Große Taten hat Jason, Held der griechischen Mythologie, vollbracht: Über 50 Berühmtheiten der Antike versammelte er auf seinem Schiff, der Argo, er entkam den schrecklichen Amazonen auf Lemnos und eroberte schließlich das Goldene Vlies. "Eigentlich war Jason ein ziemlich fieser Kerl", gibt Ed Del Castillo, Studiochef von Liquid Entertainment und Entwickler des Actionrollenspiels "Rise of The Argonauts", zu. "Um seine Ziele zu erreichen, hat er seine Freunde verraten und Intrigen gesponnen. So ein Typ taugt nicht als Held eines Games."
Dementsprechend frei ist "Rise of the Argonauts" an die klassische Argonautensage angelehnt. In Castillos Version der Geschichte ist Jason der strahlende Herrscher der friedlichen Insel Iolkos, der alles hat, wovon ein Mann nur träumen kann: ein wohlhabendes Königreich, den Respekt seiner Anhänger und eine wunderschöne Verlobte, die bezaubernde Prinzessin Alceme. Doch ausgerechnet am Tag der Hochzeit wird das Glück zerstört: Ein Attentäter ermordet Alceme auf dem Weg zur Trauung.
Das Abenteuer beginnt
Jason will sich mit dem Schicksal jedoch nicht abfinden und macht sich mit seinem Schiff Argo auf den Weg, um das Goldene Vlies zu finden, mit dessen Hilfe er seine Angebetete wieder zum Leben erwecken kann. Seine Reise dorthin führt ihn auf mehrere Inseln, in welcher Reihenfolge er diese aufsucht, bleibt dem Spieler überlassen. Lediglich die erste und die letzte Station sind vorgegeben. Auf Mykene etwa sind ihm die Einwohner nicht wohlgesonnen, denn Alceme war die Tochter des örtlichen Königs, weshalb dieser kurzerhand Jason einsperren und in die Gladiatorenarena verfrachten lässt.
Hier kommt nun das Echtzeitkampfsystem zum Einsatz, das wenig mit klassischen Rollenspielen zu tun hat und stattdessen in der virtuosen Inszenierung stark an "God of War" erinnert. Mit Schwert, Speer und Schild bewaffnet, nimmt es der Spieler mit seinen Gegnern auf. Langsam kreist Jason um seine Widersacher, blockt Angriffe ab und setzt im richtigen Moment zu einem tödlichen Schlag an.
Gottes Wille geschehe
Welche Angriffe sich im Arsenal des Spielers befinden, hängt von dem innovativen Talentsystem ab: Jason hat auf seiner Reise den Beistand von vier Göttern - Apollo, Ares, Athene und Hermes. Jeder dieser vier Schutzpatrone besitzt einen eigenen Fähigkeitenbaum mit unterschiedlichen Spezialmanövern. Um eine Stufe aufzusteigen, muss Jason die Gunst eines Gottes gewinnen. Das geschieht, indem er in Dialogen mit NPCs eine Antwort auswählt, die den jeweiligen Gott zufriedenstellt. Erwidert Jason auf eine Beleidigung etwa mit einem Schlag ins Gesicht, steigt er in der Gunst des Kriegsgottes Ares auf.
Natürlich kann der Spieler die Götter nicht nur durch Reden erfreuen, sondern auch durch das Lösen von Quests. Zurück zu den Kämpfen: "Rise of The Argonauts" verzichtet auf viele genretypiche Elemente, wie ein Interface oder die Anzeige von Hitpoints. Stattdessen wird der Schaden, den Jason den Gegnern zufügt, visuell dargestellt, etwa durch beschädigte Schilde oder blutende Wunden.
Zu zweit läuft's besser
Inzwischen hat der Held es in der Arena mit dem fast unverwundbarem Achilles zu tun. Zu seinem Glück eilt ihm Herakles zu Hilfe. Bis zu zwei der Argonauten ziehen mit ihrem Anführer Jason in die Schlacht. Eine modifizierte Version der Unreal Engine 3 zaubert beeindruckende Feuer- und Blitzeffekte auf den Bildschirm.
Die Charaktere sind flüssig animiert, die Soundeffekte können sich hören lassen. Wenn Ed Del Castillo seinen Zeitplan einhält, verschafft uns "Rise of The Argonauts" Ende des Jahres einen neuen Einblick in die Welt der griechischen Mythologie und eine spannende Mischung aus Action- und Rollenspiel.
Nachgefragt bei Ed Del Castillo
» Ein Actionrollenspiel in der griechischen Sagenwelt: Viele Spieler denken sicher gleich an "Titan Quest", das die wirtschaftlichen Erwartungen nicht ganz erfüllt hat. Wie wollen Sie dieses Schicksal vermeiden?
Es gibt viele Missverständnisse, was die griechische Mythologie betrifft. Im heutigen Griechenland gibt es überall Ruinen aus weißen Steinen und weißen Säulen. Genau so sehen viele Bauwerke heute auf der ganzen Welt aus, etwa Regierungsgebäude, Theater oder Opernhäuser. Das ist optisch nichts Neues für die Menschen. Das damalige Griechenland sah aber anders aus: Die Gebäude waren rot, blau oder golden angemalt, und an den Wänden gab es Graffiti. Wir wollen eine antike Welt erschaffen, wie es sie damals wirklich gab.
» "Rise of The Argonauts" wagt eine Mischung aus Action- und Rollenspiel. Befürchten Sie nicht, dass Sie sich damit zwischen zwei Stühle setzen?
Ich hoffe es nicht. Die Branche sollte aus dem bisher vorherrschenden Genredenken herauswachsen und die Story eines Spiels in den Mittelpunkt stellen. Es kommt darauf an, eine glaubwürdige Welt zu erschaffen, nicht riesige Waffen oder Hunderte Levels in das Spiel zu implementieren. Das Wichtigste ist die Geschichte! Bei "Rise of The Argonauts" haben wir zuerst die Eckpunkte der Geschichte abgesteckt, bevor wir uns dazu entschlossen, ein Actionrollenspiel daraus zu machen oder die Argonautensage als Handlungsrahmen zu verwenden.
» Warum haben Sie gerade die Argonautensage als Vorlage genommen?
Der Vorschlag kam von Codemasters. Sie wollten schon länger ein Spiel über die Argonauten machen und haben uns gefragt, was wir davon hielten. Ich habe mir eine Woche freigenommen und mich in die Materie eingearbeitet. Der Discovery Channel war dabei eine große Hilfe. Was mich am meisten faszinierte, waren die philosophischen Aspekte: Moral ohne Religion. Oder die Weiterentwicklung des Menschen auf eine höhere Ebene. All das sind Themen, die sich auch im Spiel finden.