Auf klarem Erfolgskurs - Nintendo auf der Spielwarenmesse
Im Rahmen der 52. Internationalen Spielwarenmesse standen David Gosen und Axel Herr von Nintendo of Europe Rede und Antwort zur derzeitigen und künftigen Geschäftsentwicklung des Majors.
Gosen nutzte die Gelegenheit, um das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. Viele Skeptiker hätten im Vorfeld zum Geschäftsjahr 2000 von einem schwierigen Jahr gesprochen, so Gosen. "Nun ja, sie hatten Recht - wenn man Nintendo außen vor lässt." Viele Hard- und Softwarepublisher fänden sich derzeit in einer "Transitionsphase" wieder, einem Vakuum zwischen derzeitigen und künftigen Technologien. Nintendo habe solche Phase bereits mehrfach hinter sich und verstehe mittlerweile, das Beste aus solchen Situationen zu machen. "Die Lösung ist ganz einfach: unterstütze die installierte Basis mit großem Entertainment. Viele Hersteller verlieren das Interesse an einer Plattform schneller, als dies die Spieler tun. Wir haben nie und wir werden nie diesen Fehler machen."
1,5 Mrd. Spieletitel verkauft
Insgesamt seien nun über 100 Mio. Game Boys verkauft, mehr als irgendein anderes System. "Aber eins ist klar: es waren die Spiele, die dieses System verkauft haben, nicht andersherum." Zu Ende des Fiskaljahres habe Nintendo in seiner 15-jährigen Unternehmensgeschichte 1,5 Mrd. Spieletitel verkauft. "Im Durchschnitt 100 Mio. Units pro Jahr oder 200 Units pro Minute", führte Gosen die beeindruckenden Softwarezahlen vor Augen. "Das ist aber noch gar nichts!" Am 6. April starten die Spieletitel "Pokémon Gold" und "Pokémon Silber". "Wir erwarten uns Abverkaufszahlen von 10 Mio. Units für diese beiden Titel". Zudem kämen mit dem Game Boy Advance und dem GameCube neue Hardwaresysteme. "Der GameCube ist, im Gegensatz zu anderen Konsolen, rein auf Spiele fokussiert. Andere mögen über ihre Zentren für Home Entertainment reden oder ihre schnellen CPUs anführen oder wie viele Polygone auf dem Schirm dargestellt werden können. Das ist schön für sie. Wir wissen, was Spieler wirklich wollen. Spieler kaufen großartige Spiele und nicht Technologie. Unsere Position ist klar: Wir verschreiben uns dem Spielen."
Keine Odyssee im Weltraum
Axel Herr teilte Gosens Ansicht der europäischen Marktsituation und bestätigte diese Entwicklung auch für Deutschland: "Während das Jahr 2000 für die übrige Branche eher eine Zeit des Übergangs und des Abwartens war, haben wir bei Nintendo richtig durchgestartet und einen klaren Erfolgskurs gesteuert." Als Ansatz für die Entwicklung Nintendos in 2001 nahm Herr die Filmtitel von Stanley Kubrick zu Hilfe: "Dank seiner klaren Orientierung wird 2001 für Nintendo keine 'Odyssee im Weltraum', sondern 'Das Jahr in dem wir Kontakt aufnehmen' - mit neuen Videospielfans, neuer Software, neuer Hardware, neuen Formen des mobilen Videospiels und - wie ich denke - auch mit neuen Umsatzrekorden für uns und unsere Handelspartner."
Um dies zu untermauern, legte Axel Herr die Abverkaufszahlen in Deutschland vor. Demnach haben sich im vergangenen Jahr mehr als 1,2 Mio. Video-Spieler einen Game Boy zugelegt. Dies entspreche einer Steigerung von fast 46 Prozent gegenüber 1999. Dazu kamen 165.000 Nintendo 64-Konsolen sowie an Software fast 3,2 Mio. Game Boy- und mehr als 1,2 Mio. N64-Spiele.
"All das hat dafür gesorgt, dass der deutsche Spielwarenhandel mit Nintendo-Produkten im Jahr 2000 Umsätze weit über einer Mrd. Mark verbuchen konnte", resümierte Herr. Nintendo selbst habe schon Mitte Oktober den doppelten Umsatz des Geschäftsjahres 1999 verzeichnen können. Im Gesamtjahr 2000 habe Nintendo eine enorme Umsatzsteigerung von 52 Prozent erreicht.
Im folgenden ging Axel Herr auf die grundlegende Veränderung des Marktes Richtung Portable-Systeme ein: "Weltweit standen die Zahlen der verkauften Handhelds und Konsolen im Jahr 1998 noch in einem Verhältnis von drei zu sieben. 1999 hatten die tragbaren Spielesysteme bereits gleichgezogen. Und im Jahr 2000 wurden bereits mehr Game Boys verkauft als von allen TV-gebundenen Konsolen zusammen." All das sei wiederum Ausdruck eines noch größeren, übergreifenden Trends - des Trends zur Mobilität. Um für dieses Wachstum optimal gerüstet zu sein, hat Nintendo im Jahr 2000 zwei wichtige organisatorische Weichenstellungen vorgenommen: Zum einen wurde die geschäftlichen Beziehungen zur Vertriebsagentur Bienengraeber beendet und eine eigene Vertriebsagentur gegründet. Zum anderen hat man die Bereiche Merchandising und Sales Promotion ausgelagert.
"Der Erfolg in einem Markt, in dem eine Neuheit die nächste jagt, hängt vor allem von der Fähigkeit ab, schneller zu sein als die Marktteilnehmer. Deshalb wollen wir unsere über 4500 deutschen Handelspartner künftig innerhalb weniger Tage mit allen verkaufsfördernden Materialien versorgen."
Mit Pokémon eine neue Spielewelt geschaffen
Ein Thema durfte natürlich nicht fehlen: Pokémon. "Der bisherige Pokémon-Hype war erst der Anfang", konstatierte Herr. Das enorme Umsatzwachstum in den beiden letzten Jahren gehe wesentlich auf Pokémon zurück. Dies lasse sich mit "eindrucksvollen" Zahlen beweisen: "Wir haben von den Pokémon-Spielen für Game Boy in Deutschland mittlerweile mehr als 3,4 Mio. Kassetten verkauft, davon über 2,5 Mio. allein im Jahr 2000. Die beiden ursprünglichen Versionen, die Rote und die Blaue Edition, haben jeweils weit über eine Million Käufer in Deutschland gefunden. Die Gelbe Edition ging hierzulande fast eine Million Mal über die Ladentische." Auch bei N64 langte die Pokémon-Manie richtig zu: "Pokémon Stadium" wurde 350.000 Mal verkauft, "Pokémon Snap" bis dato 140.000 Mal. "Nimmt man alle in Deutschland verkauften Pokémon-Spiele zusammen, dürfte die Vier-Mio.-Grenze inzwischen überschritten sein", zeigte sich Herr zufrieden.
Von den Softwarezahlen profitierte natürlich auch die Hardware. Die Verkaufszahlen der Game Boys in Deutschland lag 1998 bei 756.000 Units, 1999 bei 824.000 Units und 2000 bei über 1,2 Mio. Units.
"Die kritische Masse, die man benötigt, um ein Produkt langfristig am Markt zu etablieren, ist längst überschritten. Die Pokémon-Spiele sind keine kurzfristige Modeerscheinung mehr." Von den neuen Pokémons "Gold" und "Silber" erwartet sich Herr Abverkaufszahlen von weit über zwei Mio. Units.
Nintendo sei aber nicht nur Pokémon. Auch andere Titel hätten sich in 2000 hervorragend gemacht. In diesem Jahr soll es Schlag auf Schlag weiter gehen: "Alice in Wonderland", "Disneys Little Mermaid II" und "Mario Tennis" für den Game Boy seien nur einige Beispiele. Den Höhepunkt des Jahres werde aber natürlich der Marktstart des Game Boy Advance und später die Einführung des GameCube darstellen.