Bedeutung von Webseiten zu einzelnen PC-Spielen
Viele Publisher entwickeln zu ihren Spielehits eigene Webseiten. Darauf können sie für das jeweilige Produkt Werbung machen, Patches veröffentlichen und durch Tipps, Wettbewerbe oder Wallpaper den Langzeitspaß erhöhen. Der direkte Kundenkontakt kann den Firmen auch bei der Entwicklung neuer Spiele helfen.
Um die Kundenbindung zu verstärken, entwickelte Blue Byte zum Topseller "Die Siedler III" eine erste Website, die sich mit einem einzigen Spiel befasste. Michael Dreher, Web-Designer bei den Mülheimern, erklärt die Werbefunktion der Aktion: "Wir wollen, dass die Kunden auch nach dem Kauf noch zufrieden sind. Dann sehen auch potenzielle Neukunden, dass wir uns weiter um sie bemühen." Daneben sind Fans willkommene Tester. Vor dem Release bot Blue Byte eine Betaversion zum Download an. Zwar war die Entwicklung des dritten "Siedler"-Titels schon weit fortgeschritten, aber einige Verbesserungsvorschläge konnten noch aufgenommen werden.
Vom Erfolg der Seite animiert, hat sich Blue Byte bereits die Domainnamen für zukünftig geplante Titel gesichert. Dann soll für alle Spiele drei bis sechs Monate vor Release eine eigene Seite geschaltet werden. Dreher ist eine Ausnahme in der Branche, da er sich ausschließlich um den Netzauftritt einer Firma kümmert. "Damit habe ich auch genug zu tun", findet er. Die anderen Publisher lassen ihre Spieleseiten in der Regel von Agenturen erarbeiten. "Je nach Budget können die richtig was zaubern", lobt Heiko Kaspers, Marketing Manager bei Virgin Interactive. Um Abwechslung zu garantieren, lässt Virgin unterschiedliche Agenturen die Seiten entwickeln. Im Normalfall werden die Websites etwa drei Monate vor der geplanten Veröffentlichung geschaltet, die Seite für "Baldur's Gate" (Release voraussichtlich August) soll schon im Februar starten. Auch hier soll eine Demoversion abrufbar sein, um rechtzeitig Feedback von der Fangemeinde zu erhalten und in die Spielentwicklung aufzunehmen. Beim geplanten Actiontitel "Messiah" hat sich die Methode bereits ausgezahlt, zahlreiche Bugs wurden rechtzeitig ausgemerzt. Folge: Die Überarbeitung ließ den geplanten Release im Dezember platzen. Je früher also eine Seite geschaltet wird, desto intensiver kann auf Kundenwünsche eingegangen werden. Als US-Entwickler Legend für Take 2 mit einer Adaption der SF-Romanreihe "Wheel Of Time" begann, stellte er schon zwei Jahre vor der Veröffentlichung eine eigene Seite ins Internet.
Bob Bates, Studio Head von Legend: "Durch den Erfolg der Bücher hatten wir enorm viele Hits von deren Lesern. Darunter waren auch Freaks mit Kommentaren wie:,Die Rüstungen der Wächter auf den Screenshots sind dunkelblau. Auf Seite sowieso des Buchs sind sie aber als himmelblau beschrieben.'" Die Homepage half, die Vorstellungen der Zielgruppe genau zu studieren. Deutsche Tochterfirmen internationaler Publisher übersetzen in der Regel einfach die Seiten ihrer Mutterkonzerne. Die können von den Entwicklern selbst oder von Agenturen kommen. "Es gibt kein allgemeingültiges Konzept", so Marc Trennheuser, PR-Manager bei Electronics Arts in Deutschland. So kann er auch nicht sagen, wo Anfragen per E-Mail eigentlich landen. Abhilfe soll ein einheitlicher Auftritt schaffen. "Wir arbeiten daran", verspricht Trennheuser, "aber noch ist nichts spruchreif."
Auch Hasbro Interactive lässt für jeden Toptitel eine eigene Homepage von einer Agentur entwickeln und stellt sie in der Regel sechs Monate vor der geplanten Veröffentlichung ins Netz. Dabei werden jeweils eine englisch- und eine deutschsprachige Seite veröffentlicht. Eine Aktualisierung der Seite zum Achterbahn-Hit "RollerCoaster Tycoon" hatte man auf deutscher Seite allerdings verschlafen: Während die amerikanischen Kollegen im November bereits fleißig für das Add-On warben, forderte die deutsche Seite noch zum Einschicken von Beiträgen zum Achterbahn-Designwettbewerb auf, Einsendeschluss: Ende August. Über 80 000 Entwürfe waren weltweit eingegangen, doch die deutschen Teilnehmer guckten in die Röhre. "Wir haben im Eifer des Gefechts schlicht vergessen, die Seite upzudaten", entschuldigt sich Thomas Sewing, Senior Product Manager von Hasbro. Bis Weihnachten sollte sich auf der Homepage allerdings "noch was tun". Aber noch Ende Januar: Fehlanzeige! In diesem Fall bleiben Fans nur die Seiten privater Entwickler. Wer mit einer eigenen nichtkommerziellen Homepage die Sogwirkung eines Spiels verstärkt, trifft bei den Firmen in der Regel auf freudige Unterstützung.
Blue Byte schaltet Links zu den Fanseiten und engagiert deren Betreiber auch mal als Chatmoderatoren. Virgin stellt teilweise Artwork zur Verfügung. "Das sind halt Freaks, die machen einen hervorragenden Job", findet Thomas Sewing. Prompt engagierte Hasbro Fans in Holland für die Entwicklung einer Seite für "B 17". Bei unerlaubter Verwendung von Grafiken hört der Spaß allerdings auf. Eidos Interactive hat "quasi täglich" Ärger mit privaten WebDesignern, berichtet PR-Managerin Sascha Green-Kaiser. Zwar dürfen Betreiber nichtkommerzieller Seiten das gewöhnliche Promotionmaterial verwenden, aber Green-Kaiser warnt vor Übereifer: "Wenn unser Copyright verletzt wird, gehen wir dagegen sofort gerichtlich vor.'