BMG-Chef Stein rüttelt die Film- und Videobranche wach
BMG-Chef Thomas M. Stein richtete im Rahmen der Podiumsdiskussion "Internet und DVD - Friedliche Koexistenz oder Kannibalisierung?" beim Seminar "DVD Entertainment 2000" einen deutlichen Appell an die Kollegen der Film- und Videoindustrie: Bei der Verwertung von Filmen dürften nicht dieselben Fehler gemacht werden, die der Musikbranche Millionenverluste bescherten.
Bei der Podiumsdiskussion "Internet und DVD - Friedliche Koexistenz oder Kannibalisierung?" im Rahmen des Seminars DVD Entertainment 2000 richtete Thomas M. Stein, Geschäftsführer/Vorsitzender BMG Entertainment GSA/EE, einen deutlichen Appell an die Film- und Videoindustrie. Die Millionenverluste, die die Musikbranche aufgrund von Versäumnissen in den Bereichen Rechteschutz im Internet und digitale Distribution erleidet, stünden auch der Filmbranche bevor, falls nicht schnell und konsequent die nötigen Maßnahmen ergriffen würden, sagte Stein.
Dr. Michael Kölmel, Vorstand Kinowelt Medien AG, und Bodo Schwartz, Geschäftsführer Twentieth Century Fox Home Entertainment, vertraten in dem Gespräch die Ansicht, nicht-physischer Vertrieb und Produktpiraterie im Internet seien für die Filmbranche derzeit nicht dieselbe Gefahr wie für die Musikindustrie. Als Gründe nannten sie zu große Datenmengen bei zu geringen Bandbreiten und das unterschiedliche Nutzungsverhalten der Konsumenten. Dem widersprach Stein vehement: "Wenn Sie glauben, mit dieser Einstellung bestehen zu können, werden Sie Schiffbruch erleiden." 15 Millionen, überwiegend illegaler Musik-Downloads täglich sprächen eine deutliche Sprache, so der BMG-Chef. Online-Angebote wie Napster lägen mit technologischen Weiterentwicklungen auch für die Filmbranche nicht mehr in weiter Ferne. Stein räumte zwar ein, dass die DVD im Gegensatz zur Musik-CD besser vor illegalen Kopien zu schützen sei, verwies jedoch darauf, dass jeder Kopierschutz dereinst zu knacken sei. Stein ermahnte die Kollegen vom Film, die Rechte- und Kopierschutzfragen schnellstmöglich zu klären: "Sie sind in der glücklichen Lage, dass Ihnen der jetzige Stand der Technologie noch hilft. Aber glauben Sie mir: Sie werden schlaflose Nächte bekommen."
Auch Dr. Erbil Kurt, Vorstand Deutsche Telekom AG, untermauerte Steins Schreckensvision: Bis zum Jahresende hätten in Deutschland eine Million Haushalte einen breitbandigen T-DSL-Anschluss, auf dem demnächst mit einer Übertragungsrate von 1,5 MegaBit pro Sekunde auch Filme in Echtzeit überspielt werden könnten.