Countdown für die PlayStation-Ära
Am 26. Oktober startete der PlayStation-2-Verkauf in den USA. Die Erwartungen waren so hoch wie die Spannung vor Verkaufsstart. Als es endlich soweit war, wiederholte sich die Geschichte vom 4. März in Japan.
In San Francisco, versprach Sony Computer Entertainment America, werde man am 26. Oktober den hauseigenen Verkaufsstore im Meteron Center pünktlich eine Minute nach Mitternacht öffnen. "Die Kaufwilligen dürfen sich am Mittwoch ab acht Uhr morgens vor dem Geschäft in einer geordneten Linie anstellen", teilte die Verkaufsleitung des Meteron vorab mit. Die ersten kamen dann aber bereits am Dienstag um halb neun Uhr abends, ausgerüstet mit Klappstühlen, Schlafsäcken und riesigen Fresspaketen. Am Donnerstag morgen begannen die Angestellten, Armbänder an die Wartenden auszuteilen: Diejenigen, die am längsten gewartet hatten, sollten um Mitternacht im ganzen Durcheinander nicht benachteiligt werden.
Angesichts einer Menge von mehr als 1000 Menschen wurde diese Taktik aber bald wieder aufgegeben. Am frühen Abend ließ der Geschäftsführer die Türen öffnen, damit wenigstens ein Teil der Menge nicht im mittlerweile einsetzenden Regen ausharren musste. Ab Punkt Mitternacht - das Geschäft läutete mit einem Countdown die PlayStation 2-Ära in den USA ein - durften je fünf Kunden gleichzeitig das Geschäft betreten. "Als ich das nächste Mal auf meine Uhr blickte, war es vier Uhr morgens", sagte eine erschöpfte Mariana Grajales, Verkäuferin im Meteron Mall. Wie viele PlayStation 2 in dieser Zeit verkauft wurden, wollte der Geschäftsführer nicht sagen. Schätzungsweise zwischen 400 bis 500 Stück sollen es aber gewesen sein. In anderen Teilen der USA gab es weitaus weniger Glückliche: Vor einem Wal Mart in Connecticut standen ab vier Uhr morgens über 180 Kaufwillige Schlange, der Geschäftsführer hatte aber nur 26 PlayStation 2 auf Lager.
Manche Kunden warteten umsonst
"Einziger Negativpunkt für uns war", sagte ein Angestellter des Sony-Shops im Meteron Center gegenüber der San Francisco Post, "dass wir zu wenige Controller und Memory Cards hatten". Gegen halb zwei waren alle verkauft. Bei den Spieletiteln lagen EAs "SSX Snowboard Supercross" und "NFL 2001" ungefähr gleichauf. Insgesamt machte die Meteron Mall ein gutes Geschäft - wie alle Geschäfte in den USA, die die PlayStation 2 am 26. Oktober im Angebot hatten. "Die 500.000 Konsolen waren bereits um neun Uhr morgens nahezu restlos ausverkauft", sagte Matt Gravett, Analyst vom US-Marktforscher PC Data. Manche wollten die "Notlage" gleich dem eigenen Geldbeutel zugute kommen lassen: Über die Web-Seiten des virtuellen Aktionshauses eBay gelangten noch am selben Tag Angebote von PlayStation-2-Konsolen zu Preisen von bis zu 3000 Dollar ins Netz. Viele Händler sorgen sich jetzt um ihre Nachbestellungen. 100.000 Units sollen pro Woche in den US-Retailchannel gehen, bis zum Ende der Weihnachtsferien insgesamt 1,3 Mio. Stück. Bei 20.000 Geschäften entspricht das wöchentlich fünf Konsolen pro Laden.
Viel zu wenig, beklagt sich der Handel. Jack Tretton, Senior Vice President von SCEA, nahm den PlayStation-2-Launch und den zügigen Durchverkauf zum Anlass, über die Branche zu reflektieren. "Ich denke, dies ist der richtige Moment, um darüber nachzudenken, wie groß unsere Branche geworden ist. Wir reden hier von über 400 Mio. Dollar Handelsumsatz innerhalb weniger Stunden. Das ist atemberaubend. Und dabei sind wir nicht einmal in der Nähe davon, der Nachfrage gerecht zu werden." Um den Handel in den kommenden Tagen annähernd mit genügend Konsolen zu beliefern, gab Tretton zudem Zurückhaltung für den eigenen Online-Verkauf über playstation.com bekannt. "Indem wir uns entschieden haben, den Launch des E-Commerce-Handels über playstation.com zurückzustellen, wollen wir ganz klar machen, dass die Priorität unseren Retail-Partnern gilt".