Detecon-Studie zum Mobile Gaming
Die Unternehmensberater Detecon und Diebold sehen sowohl für Mobilfunkbetreiber als auch für Publisher Chancen, die Umsätze im Mobile-Gaming-Markt deutlich zu steigern. Sie warnen jedoch vor der überzogenen Euphorie mancher Studien.
Die Prognosen der Marktforschungsinstitute für den Mobile-Gaming-Bereich sind rosig. Frost & Sullivan prognostizieren dem Markt für das Jahr 2006 sechs Milliarden Dollar Umsatz allein in Europa und Anstiege im hohen dreistelligen Prozentbereich. Doch ob die optimistischen Vorhersagen tatsächlich eintreffen werden, hängt laut der Management- und Technologieberatung Detecon International vor allem von der weiteren Konsolidierung des Markts statt.
In ihrer Markteinschätzung "Mobile Gaming - Realisable Opportunity or Market Hype?" bewertet das Unternehmen die Bedeutung des Segments sowohl für die Mobilfunk- als auch für die klassische Gamesbranche. Hierbei konzentriert sich die Studie auf den deutschen Markt und seine Anbieter. "Viele Marktstudien haben im Mobilfunkmarkt in der Vergangenheit zu viel versprochen", sagte Hans Sidow, Seniorberater und Mobilfunkberater bei Detecon.
Spiele zum Downloaden haben bessere Chancen
Markteintrittsbarrieren sind der Studie zufolge zunächst noch die technischen Probleme. Nach wie vor sind zu viele monochrome Handys mit geringer Auflösung im Einsatz, und die farbigen Displays sind in der Bildschirmauflösung und den technischen Möglichkeiten noch zu wenig standardisiert. Durch die Adaption an verschiedene Modelle verzögert sich die Markteinführung der Produkte. Mobile Netzwerke sind laut der Studie in den nächsten Jahren noch nicht im Kommen. Zu groß ist die Verzögerung bei der Synchronisation der Endgeräte, um ein einwandfreies Spielerlebnis bieten zu können. Vielmehr erwartet Detecon innerhalb der nächsten 18 Monate praktisch nutzbare 3D-Technologie für einen Großteil der Handydisplays. Zu den nichttechnischen Problemen zählt Detecon unter anderem die ungleiche Aufteilung der Umsätze zwischen den verschiedenen Marktteilnehmern der Wertschöpfungskette. So fließt neben den Verbindungskosten ein Teil der Zahlungen für die Spieledownloads an die Netzbetreiber. Die Hersteller von mobilen Spielen gehen jetzt dazu über, eigene Portale zu betreiben, auch weil sie ihre Spiele dadurch schneller in den Markt bringen können.
Bei der Qualität der Spiele sieht man noch Handlungsbedarf. Da potenzielle Kunden meist nur einen Versuch mit Mobile Gaming starten, sei es schwer, diese nach einer enttäuschenden Erfahrung wieder für neue Angebote zurückzugewinnen. Im vergangenen Jahr setzten die Anbieter rund 800 Millionen Euro mit den Spielen für mobile Endgeräte wie Handy oder PDA um. Die Zielgruppe ist laut der Studie allerdings wie in kaum einem anderen Segment begrenzt. Denn die Marktforscher bestätigen: Wer das Twen-Alter überschritten hat, verliert massiv das Interesse an Handygames. Insgesamt sieht Hans Sidow die Lage jedoch positiv: "Dem Markt für mobile Spiele haben im vergangenen Jahr eine Reihe von neuen Spielen sowie unterstützende Marketingkampagnen einen kräftigen Schub gebracht." So verzeichnet allein das Spiel "Anno 1503" von Elkware rund 150.000 Downloads pro Monat. "Ich bin mir daher sicher, dass Mobile Gaming eine sehr attraktive Einnahmequelle für die beteiligten Parteien darstellt und einen wichtigen Beitrag zur Adaption von kostenpflichtigen Datendiensten im Mobilfunk liefern wird", so Sidow weiter. Unter anderem wäre auch eine größere Preistransparenz für den Kunden sinnvoll. Hier sind die Anbieter gefragt. Sidow empfiehlt den Mobilfunkbetreibern intelligente Produktbündel, mit denen sie gleichzeitig andere mobile Inhalte und Dienste vermarkten könnten.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass sich Mobile Gaming mittelfristig als einträgliche Quelle für Mobilfunkbetreiber, Portalanbieter und Spieleentwickler gleichermaßen etablieren könnte. Den Löwenanteil der Umsätze versprechen dabei mit rund 75 Prozent Spiele zum Download, während auf Spiele, bei denen Kunden mobil und online über das Netz spielen (so genannte Multiplayergames), nur ein geringer Umsatzanteil entfällt.