Deutsche Sony-Töchter arbeiten zusammen: "Wir stehen weltweit im Fokus"
Sony arbeitet intensiv an der Vernetzung seiner Produkte untereinander sowie mit externen Netzwerken. Sony Deutschland und Sony Comp. Ent. Deutschland (SCED) haben dabei eine Vorreiterrolle übernommen. GamesMarkt.de sprach mit Manfred Gerdes, GF von SCED, über die Kooperation mit der deutschen Schwester und die Vernetzungsstrategien von Sony.
GamesMarkt.de: Herr Gerdes, wie kam es zur Zusammenarbeit mit Sony Deutschland?
Manfred Gerdes: Angefangen hat es mit gemeinsamen Präsentationen, beispielsweise auf der IFA und auf der CeBIT. Voraussetzung für eine Zusammenarbeit sind natürlich eine ähnliche Denkweise über das Geschäft und persönliche Akzeptanz. Wenn Sie so wollen, hat die Beziehung zwischen Sony Deutschland und SCED zunächst auf der menschlichen Ebene zwischen Leo Bonengl, Geschäftsführer von Sony Deutschland, und Manfred Gerdes stattgefunden.
GM: Wie ging es weiter?
Gerdes: Der entscheidende Auslöser, der von einer eher vagen zu einer engen Zusammenarbeit geführt hat, war eine gemeinschaftliche Reise mit wichtigen Handelspartnern. Diese haben es sehr positiv aufgenommen, dass wir uns zusammen präsentiert haben. Und genau so müssen wir uns auch dem Verbraucher präsentieren. Der Verbraucher registriert das Dach Sony, kann die einzelnen Produkte jedoch nicht den jeweiligen Sparten zuordnen. Würde sich SCED allein präsentieren, dann würde der Verbraucher die übrige Sony-Welt, vom Fernseher bis zum Mobiltelefon, vermissen.
GM: Wie weit sollte diese Verzahnung gehen?
Gerdes: Jeder trägt die Verantwortung für seine Produkte, dass ist sehr wichtig. Aber jeder trägt auch eine Verantwortung für Sony. Die Schlussfolgerung lautet also: Gemeinsam sprechen, zusammen präsentieren, aber getrennt vermarkten.
GM: In welchem Zusammenhang steht die forcierte Zusammenarbeit zwischen Sony D. und SCED mit der Konzernstrategie?
Gerdes: Das Thema Vernetzung wurde vom Konzern im vergangenen Jahr auf einer Konferenz in Tokio angesprochen. Sony sieht die einzelnen Produktgattungen als "Gateways" für die heutigen Netzwerke wie das Internet und die kommenden wie Broadband und UMTS. Leo Bonengl und ich waren in Japan überrascht, dass wir mit unserer Einstellung genau auf dem richtigen Weg sind.
GM: Welche Produkte betrifft Sonys Vernetzungsstrategie?
Gerdes: Es betrifft vor allem vier Produktsparten, von denen eine das PlayStation-Universum ist. Ein andere Sparte ist der Bereich Digital-TV/Unterhaltungselektronik, der neben dem Fernseher auch digitale Camcorder und digitale Kameras einschließt. Schließlich betrifft es auch die Sparten Vaio und Mobiltelefon, die beide derzeit ausgebaut werden.
GM: Und wie wird das Konzept in der Praxis aussehen?
Gerdes: Das hängt von der Technik ab. Das Nadelöhr sind die Netzwerke. Durch Breitband oder UMTS sind aber eine Vielzahl von Möglichkeiten denkbar. Ein weiterer Faktor sind aber auch neue Technologien wie der Memory Stick von Sony. Auf der CeBIT haben wir ein Mobiltelefon gezeigt, das mit Hilfe des Memory Stick zum "Network-Walkman" mutiert. Die Musik wird vom Netz geladen und via Stick ins Handy portiert. Ein Schutzmechanismus stellt zudem sicher, dass nur legal erworbene Musik gespeichert werden kann.
GM: Wenn die Grenzen zwischen den Sony-Produkten fallen, fällt doch auch die Spezialisierung. Die Geräte konkurrieren...
Gerdes: Nein. PlayStation ist eine Unterhaltungsplattform. Wir heißen ja auch Sony Computer Entertainment und nicht Sony Computer. Wer Anwendungsprogramme nutzen will, soll sein Notebook oder seinen Desktop-PC benutzen. Der Verbraucher ist aber sprunghaft. Vielleicht fällt ihm, während er PlayStation spielt, ein, dass er dringend für kurze Zeit ins Internet muss. Wir wollen ihm deshalb die Option geben, seinen Wünschen zu folgen, ohne das Gerät zu wechseln. Die PlayStation von heute ist also eigentlich nur noch ein Basismodell, das morgen eine Vielzahl von Vernetzungsoptionen bietet. Und diese bestehen zwischen den Sony-Geräten, aber auch nach außen über Broadband, UMTS und Bluetooth.
GM: Wie geht die Vernetzung der deutschen Sony-Firmen weiter?
Gerdes: Wir wollen die anderen Sony-Töchter motivieren, es der Verknüpfung zwischen Sony Deutschland und SCED gleichzu- tun. Wir wollen dem Verbraucher klarmachen: Es gibt nicht nur Sony Hardware. Darüber hinaus hat Sony auch noch eine Musikwelt und über Columbia TriStar eine Filmwelt. Im Übrigen stehen wir mit der Idee der Zusammenarbeit im absoluten Fokus des Sony-Konzerns. Und zwar weltweit! Es gibt kein Land, in dem die Verzahnung von SCED und Sony Hardware auf dem Niveau wie in Deutschland ist.
GM: Eine vernetzte Sony-Welt bräuchte eigentlich keine Partner, vor allem keinen Handel mehr...
Gerdes: Wir hatten viele interessante Gespräche über Contentvermarktungsmodelle. Aber wir sind von einem Punkt überzeugt: Die physische Vermarktung wird bleiben. Es gibt aber auch die Vertriebsformen E-Commerce, M-Commerce und elektronische Distribution. Nur wenn wir alles machen, decken wir 100 Prozent der Vermarktungsmöglichkeiten ab. Tradititionelles Denken ist schön, aber man muss mit den Herausforderungen der Zukunft leben und sich entsprechend einstellen. Ich denke, wir sind gewappnet.
Herr Gerdes, vielen Dank für das Gespräch.