Vom 29. August bis zum 1. September 2002 findet in Leipzig erstmals die Branchenmesse "game.on" statt. Vor wenigen Tagen präsentierten Josef Rahmen, Executive Vice President Leipziger Messe GmbH, und Klaus Ernst, Bereichsleiter der Leipziger Messe GmbH, den VUD-Mitgliedern zum ersten Mal das Veranstaltungskonzept. Im Exklusiv-Interview mit GamesMarkt.de erläutert Josef Rahmen das Gesamtkonzept und äußert sich zu Zielgruppenpotenzialen, Planzahlen, Konditionen und Services der geplanten Branchenmesse "game.on".

GamesMarkt.de: Wir wollen über die geplante Branchenmesse "game.on" sprechen. Dann muß man vorausschicken, dass dieser Name nur ein vorläufiger Arbeitstitel ist. Warum?

Josef Rahmen: Unsere Veranstaltung soll ein breiteres Spektrum bieten als nur das Thema Spielen. Es gehört sehr viel mehr dazu: Edutainment, Infotainment und Randbereiche, die auch noch über PCs und Konsolen abgedeckt werden können. Wir wollen alle Themen vereinen, die mit dem Spielen zusammenhängen, aber nicht nur Spiele sind.

GM: Ziel ist es, mit "game.on" der Branche eine Messe anzubieten.

Rahmen: Ja. Das ist der Kern. Die einzelnen Ausstellungsbereiche bauen wir in Abstimmung mit dem Beirat und den Ausstellern aus. Der neue Name wird sich nach dem endgültigen Profil der Messe richten.

GM: Zur Ausstellerstruktur. Sie wollen auf der Messe verschiedene Branchen vereinen: Games, Info-/Edutainment, Medien und Telekommunikation.

Rahmen: Im Grunde genommen alle Anbieter, die sich mit dem Thema Spielen beschäftigen. Zum Beispiel sehe ich interessante Anwendungen in der Telekommunikationsbranche. Nehmen Sie nur die Handys: Diese werden bisher vor allem zur Sprachübertragung und für SMS genutzt. Aber mit den neuen Technologien, ob GPRS oder später UMTS mit seinen hohen Datenraten, ist die Mobilfunktechnologie nicht mehr auf Sprache beschränkt. Via Handy können verschiedene Informationen übertragen werden - in Form von Tönen, Texten, bewegten Bildern. Auch die Spiele auf dem Handy werden attraktiver. Steigende Datenraten und sinkende Kosten machen diese neuen Funktionen für Anwender immer interessanter.

GM: Wie sieht das Messekonzept aus? Was haben Sie sich Besonderes überlegt?

Rahmen: Das Besondere ist, dass wir keine Produktpräsentation im klassischen Sinne vorhaben. Wir gestalten Erlebniswelten, die den Besucher zum Bestandteil des Geschehens machen. Konsolen oder Spiele werden nicht einfach nur vorgeführt. Die Besucher tauchen in die Erlebniswelt "Spielen" ein. Ergänzt wird das Ganze durch LAN-Partys, Show- und Eventbühnen, die Spiele und Informationen erlebnisorientiert präsentieren.

GM: Welche Zielgruppen wollen Sie mit der Messe ansprechen?

Rahmen: Wir konzipieren die Messe für Fachbesucher und für Endverbraucher. Damit haben wir zwei Zielgruppen, die sich gegenseitig nicht ausschließen, ganz im Gegenteil. Abgesehen vom "Event", vom Unterhaltungswert der Messe, liegt bei Fachbesuchern wie Endverbrauchern der Schwerpunkt auf der Information. Der Termin ist für beide Gruppen günstig: Ende August ist einerseits ein klassischer Ordertermin für die Herbst- und Weihnachtssaison, also für die Fachbesucher. Unser Vorteil ist, dass in Deutschland keine adäquate Veranstaltung existiert. Es gibt zwar internationale Termine wie die ECTS in London oder die E3 in Los Angeles. Aber für viele Besucher, gerade aus dem deutschsprachigem Raum, sind diese Veranstaltungen nicht optimal. Auf der anderen Seite können Endverbraucher die neuen Spiele testen, die ab Herbst in den Läden sind. Ausstellende Firmen sehen dann gleich, welche Spiele wie ankommen und welche Themen das Interesse des Verbrauchers wecken.

GM: Die beiden Zielgruppen sprechen Sie jeweils mit einem eigenen Konzept an?

Rahmen: Natürlich. Für die Fachbesucher schaffen wir einen Zugang zur Messe als Orderzentrum - mit all den Services, die damit verbunden sind. Wer aus geschäftlichem Interesse kommt, will sich nicht in einer Erlebniswelt verlaufen. Ihm gestalten wir einen eigenen Bereich, wo er direkte Absprachen treffen kann, und zwar in ruhiger und kommunikativer Atmosphäre. Privatbesucher wollen hingegen wissen, was es zu Weihnachten Neues zu kaufen gibt. Zugleich will er sich amüsieren. Daher soll der Verbraucher auf der Messe Spaß und Unterhaltung haben, dabei Informationen über neue Produkte bekommen. Dies sind zwei völlig verschiedene Ansprachen, die sich in der Werbung unterschiedlich auswirken. Nebenbei: Aus Erfahrung wissen wir, dass auch der Fachbesucher nach getaner Arbeit gerne etwas Unterhaltung genießt.

GM: Kommen wir zum B2B-Konzept, das auf den Fachbesucher abgestimmt ist. Wie sieht das aus?

Rahmen: Mit den meisten Fachbesuchern rechnen wir an den ersten beiden Tagen. Für diesen Zeitraum sind eine Vielzahl von Seminaren und Foren geplant, die von klassischen Verkaufsthemen bis zu Informationsveranstaltungen über Produkt- und Technologieentwicklungen reichen. Neben den offenen Foren stehen den Ausstellern auch Räume zur Verfügung, wo sie in Ruhe Gespräche mit potenziellen Kunden führen können. Die Masse der Privatbesucher wird am Wochenende strömen. Insofern können sich die Aussteller mit ihren Angeboten und Ansprechpartnern am Stand gut auf die beiden Besuchergruppen einrichten.

GM: Den Ausstellern bietet die Messe Leipzig sehr viele Services an. Nicht grundlos versteht sich die Messe Leipzig ja als Hightech-Zentrum.

Rahmen: Wir haben ein sehr modernes Messegelände, das ist ein großer Vorteil. Bezogen auf Architektur, Funktionalität und Infrastruktur hat Leipzig eines der besten Messegelände weltweit. Darüber hinaus sind wir für den komplexen Service bekannt, den wir mit Hilfe von Tochtergesellschaften und Partnern bieten können. Die Leistungen reichen vom Standbau über Gastronomie bis zur Unterstützung von Auslandsaktivitäten - alles im Sinne eines erfolgreichen Messeauftritts. Fachbesucher können auf komplette Anreise- und Übernachtungsarrangements zurückgreifen, und das zu kalkulierbaren und attraktiven Konditionen. Wir machen es Ausstellern und dem Fachbesuchern so leicht wie möglich. Messe soll Spaß machen und keinen Stress. Die Leipziger Messe hebt sich durch eine hohe Servicequalität von ihren Mitbewerbern ab - das ist ein Ruf, den es zu verteidigen gilt.

GM: Sie können auch den Ausstellern recht attraktive Konditionen anbieten?

Rahmen: Den Quadratmeterpreis haben wir mit 125 Euro kalkuliert. Das ist ein fairer Preis, den auch kleinere Unternehmen zahlen können. In Leipzig haben wir außerdem den Vorteil, dass Hotellerie, Gastronomie und der gesamte Dienstleistungsbereich annehmbare Preise bieten - bei einer mittlerweile ausgezeichneten Qualität. Wir dürfen nicht übersehen, dass es immer noch Vorurteile gegen den "Osten" gibt. Gerade in Leipzig sind diese völlig unbegründet, weil die Stadt sich von Grund auf geändert hat. Leipzig ist in den letzten zehn Jahren wunderschön geworden - das bestätigt jeder, der einmal hier war. Die eigentliche Hürde ist, neue Gäste nach Leipzig zu holen. Das versuchen wir. Auch über attraktive Preise.

GM: Mit wie vielen Ausstellern rechnen Sie?

Rahmen: Für die Erstveranstaltung sind 150 bis 200 Aussteller realistisch. Die Bruttoausstellungsfläche wird zwischen 20.000 und 30.000 Quadratmetern liegen.

GM: Mit wie vielen Besuchern rechnen Sie?

Rahmen: Mindestens 80.000, eher mehr.

GM: Der Start der "game.on" ist für 2002 geplant. Dann soll die Messe im jährlichen Rhythmus stattfinden. Ist das Jahr 2002 bewusst gewählt?

Rahmen: Ja, anderthalb Jahre Vorlaufzeit sind zwingend für eine solche Veranstaltung, wenn sie in hoher Qualität realisiert werden soll. Auch die Aussteller müssen die Messe rechtzeitig in ihren Budgets einplanen. Zur Zeit bereiten wir die Ausstellerakquisition vor. Auf der diesjährigen E3 stellen wir zusammen mit dem VUD das Veranstaltungskonzept vor. Ich denke, dass die dortigen Aussteller eine gute Ergänzung in der game.on sehen werden.

GM: Ein weiterer Grund ist sicherlich, dass Sie dann nicht auf Konfrontationskurs mit der IFA liegen?

Rahmen: Wir gehen nicht auf Konfrontation. Die game.on hat ein eigenständiges Konzept mit einem Nutzwert, den keine andere Messe bietet. Nennen Sie es "Nische" oder "Neuheit" - auf jeden Fall reagiert die Branche deswegen so positiv auf die game.on, weil damit eine Lücke gefüllt wird.

GM: Der Branche liegt im Kontext einer Branchenmesse die mediale Breitenwirkung sehr am Herzen. Wie bewerkstelligen Sie dieses Thema?

Rahmen: Wir führen schon erste Gespräche mit Verlagen, Rundfunk- und Fernsehanstalten. Ziel ist es, Medienpartner zu gewinnen, die in der game.on ihre eigene Plattform sehen. Die Tendenz ist momentan, dass Medien ihre Internetauftritte und -produkte stark vermarkten. Darüber hinaus möchten wir natürlich, dass parallel zur Messe Großveranstaltungen und Bühnenprogramme stattfinden, die von den Medien getragen werden. - Dass die game.on durch die Berichterstattung der regionalen Medien unterstützt wird, steht für mich außer Frage, da eine solche Messe lange erwartet wurde.

GM: Sie haben vorhin gesagt, dass die "game.on" keine Messe im "klassischen Sinne" sein wird, auf der lediglich die Produktpräsentation im Vordergrund steht. Sie wollen um die einzelnen Produkte und Segmente Erlebniswelten schaffen. Wie stellen Sie sich diese Erlebniswelt vor?

Rahmen: Im Moment braucht man noch etwas Phantasie, um sich die Messehalle vorzustellen. Aber schließlich haben wir es mit einer phantasievollen Branche zu tun. Fest steht, dass wir die Hallen gemeinsam mit dem VUD und den Ausstellern gestalten werden. Wichtige Partner sind große Aussteller, die aufgrund ihrer Produktpalette die Möglichkeit haben, attraktive Event-Bereiche zu schaffen. Wir haben Konzepte entwickelt, wie die Hallen in Themenbereiche aufgegliedert werden. Innerhalb derer - zum Beispiel Info-/Edutainment, Telekommunikation - haben auch kleinere Unternehmen die Möglichkeit, sich attraktiv darzustellen. Grundsätzlich werden wir die Hallen nicht klassisch nach Standblöcken aufrastern. Unsere 20.000 Quadratmeter großen Hallen lassen glücklicherweise eine flexible Gestaltung zu.

GM: Das Gesamtkonzept ist zum ersten Mal in Köln vorgestellt worden. Waren Sie mit der Reaktion der anwesenden VUD-Mitglieder zufrieden?

Rahmen: Ja, sehr. Auch wenn es noch zu früh ist für ein umfassendes Meinungsbild. Ich hatte, ehrlich gesagt, mehr kritische Anmerkungen erwartet. Die aufgekommenen Fragen zum Standort Leipzig und dem wirtschaftlichen Umfeld haben wir - so glaube ich - zur Zufriedenheit und oft auch Überraschung der Teilnehmer beantworten können. Zum Beispiel wussten viele nicht, dass trotz der geringen Kaufkraft in den neuen Bundesländern wegen der hohen Affinität zum Thema teilweise mehr Geld für Informationstechnologie ausgegeben wird, als in den alten Bundesländen.

GM: Andererseits kam die positive Reaktion nicht ganz so überraschend, da die Firmen sehr früh in die Entwicklungsphase des Konzeptes eingebunden waren. Stichwort: Messebeirat.

Rahmen: Das ist richtig - und einer der Gründe, warum das Produkt "game.on" in der Branche sehr gut ankommt. Die jetzt von uns geplante Veranstaltung ist auf den Markt, auf die Aussteller und auf das, was tatsächlich im Handel passiert, zugeschnitten. Wir haben genau hingehört: Was wollen die Aussteller? Wo wollen sie hin? Was sind ihre Zielgruppen? Dann haben wir gemeinsam mit dem Beirat, in dem wichtige Unternehmen vertreten sind, das Produkt entwickelt. Wir, der Messeplatz, sind die Plattform, wo sich die Aussteller und Besucher treffen, informieren und Geschäfte machen. Unsere Aufgabe ist, ideale Bedingungen dafür zu schaffen. Ich glaube, genau dieses Bestreben, für die VUD-Mitglieder erfolgreich zu sein, ist bei der Präsentation in Köln erkannt worden.

Herr Rahmen, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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