1. Laut GfK stagniert der Umsatz im Bereich PC-Info-/Edutainment seit nunmehr vier Jahren. Der Teilmarkt "Lernsoftware" wird jedoch nicht gesondert ausgewiesen. Wie hat sich dieser Markt aus Ihrer Sicht in den vergangenen drei Jahren entwickelt?

Wenn auch nur langsam, so nimmt die Verbreitung von Lernsoftware in den stark frequentierten Verbrauchermärkten und Kaufhäusern doch weiter zu. Sind Sie mit der Warenpräsentation im Handel zufrieden? Was könnte in welchen Vertriebskanälen noch verbessert werden?

In wenigen Wochen beginnt mit dem neuen Schuljahr auch die Hauptsaison für lehrplanbasierte Lernsoftware. Mit welchen Erwartungen im Vergleich zu den Vorjahren gehen Sie ins Saisongeschäft?

  1. Gerade im Bereich Software hatten wir in den letzten Jahren immer ein überproportional starkes Wachstum zu verzeichnen, etliche Prozentpunkte über dem eigentlichen Marktwachstum. Das hohe Absatzplus im Softwaresegment von Cornelsen konnte seit vielen Jahren immer wieder übertroffen werden. Es lag bis 2001 bei über 20 bis zu 45 Prozent. In diesem Jahr müssen wir damit rechnen, dass sich die schwierige Situation im Bereich Info-/Edutainment auch bei einigen unserer Softwarelinien bemerkbar machen wird. Hintergrund ist neben der zur Zeit allgemeinen Kaufzurückhaltung und schwach anziehenden Konjunktur auch die Tatsache, dass viele Händler noch nicht die notwendige Beratungskompetenz aufgebaut haben und nicht zwischen Infotainment- und echter Lernsoftware mit Lehrplanbezug zu unterscheiden wissen. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen PISA-Debatte ist der reale Bedarf an echter Lernsoftware aber nicht nur konstant hoch, sondern er steigt auch noch. Außerdem: Bezogen auf den Gesamtmarkt und alle Anbieter, ist das Markenbewusstsein der Kunden leider noch nicht ausreichend entwickelt. Aber wir arbeiten daran - und das sehr erfolgreich. Markenbewusstsein entwickelt sich, je häufiger Kunden mit Software niedriger Qualität die gewünschten Lernerfolge nicht erreichen konnten. Lernsoftware ist ja zielorientierte Software - das Ziel sind die Wissens- und Leistungssteigerung und die Notenverbesserung.
  2. Bis auf weite Teile des klassischen Buchhandels ist die Beratungs- und Fachkompetenz für Qualitätslernsoftware in nahezu allen anderen genannten Kanälen noch enorm entwicklungsfähig. Unterstützung dabei bietet Cornelsens Vertriebsteam gern an. Lernsoftware sollte als "Kompetenzangebot" bei den höherwertigen und pädagogisch wertvollen Produkten und Softwaretiteln präsentiert werden - nicht neben Billigsoftware. Vor allem aber sollte der Focus auf Qualitätsprodukten ausgewählter Markenanbieter liegen. Zudem muss die jeweilige Bedeutung der Fächer berücksichtigt werden: Das Angebot für Englisch, Deutsch und Mathematik kann ruhig etwas breiter ausfallen. Schon aus Gründen des Kompetenzausdrucks der Händler ist es dennoch von Vorteil, die "Nebenfächer", wie Latein und Französisch, sowie Natur- und Gesellschaftswissenschaften und andere nicht zu vernachlässigen. Wichtig dabei: Es sollten immer alle Klassenstufen abgedeckt werden, auch innerhalb einer Reihe. Besonders wichtig ist aber auch, dass der Handel verstärkt Beratungskompetenz aufbaut. Durch den Verkauf eines hochpreisigen Qualitätsprodukts wird nicht nur ein höherer Deckungsbeitrag erwirtschaftet, sondern es kann damit auch gezielt Kundenbindung betrieben werden. Denn bei Qualitätsprodukten ist der Lernerfolg eher sichergestellt - und damit die Wahrscheinlichkeit, den Eltern künftig auch das jeweilige Folgeprodukt für die nächste Klasse verkaufen zu können.

Die nächsten Wochen rund um den Schulanfang werden tatsächlich das Kerngeschäft für lehrplanbasierte Software bedeuten - neben der Saison der Zwischenzeugnisse, die dann im Januar/ Februar 2003 folgt. Auch wenn sich Lernsoftware ganzjährig sehr gut verkaufen lässt - jede neue schlechte Note in einer Prüfung kann ein Kaufanlass sein. Insgesamt gehen wir mit sehr guten Erwartungen ins diesjährige Saisongeschäft zum Schuljahresbeginn. Denn unabhängig von der aktuellen Konsumflaute: Der Nachhilfebedarf der Schülerinnen und Schüler wächst weiter, Lernsoftware ist eine im Vergleich zum Nachhilfeunterricht sehr preiswerte und besonders flexible Alternative - und die PISA-Studie hat die gesamte Bundesrepublik stark sensibilisiert und die Schwächen der Schüler und des Unterrichts offenbart. Lehrplanbasierte Lernsoftware hat den Vorteil, dass konkret das Wissen, das am Vormittag per Schulbuch angeeignet wurde, am Nachmittag mit der darauf abgestimmten Software noch wesentlich vielfältiger interaktiv trainiert und vertieft werden kann. So ist gewährleistet, dass der Schüler immer sach- und lehrplanbezogen lernt - und nicht am "Bedarf vorbei".

Aus unserer Sicht ist der Markt für Lernsoftware in den vergangenen drei Jahren mengenmäßig gestiegen, hat aber im Umsatz stagniert. 2. Heureka-Klett ist mir der Warenpräsentation im Handel zufrieden. 3. Heureka-Klett erwartet in diesem Jahr wieder ein leichtes Wachstum, vor allem im Qualitätssegment, das heißt, bei hochpreisiger Lernsoftware, wie wir sie entwickeln und vertreiben.

USM ist mit der Marke "Junior" seit dreieinhalb Jahren aktiv. Das erste Jahr lief mit der Markteinführung der Reihe "Emil und Pauline" überaus erfolgreich an. Im darauffolgenden Jahr sind die ersten beiden Folgen von "Die drei ???" erschienen. Auch der Start dieser Reihe war überaus erfolgreich. Das vergangene Jahr war in Anbetracht der allgemein schwierigen Marktsituation sehr zufrieden stellend. Wir blicken optimistisch in die Zukunft und haben im Herbst u. a. mit den Produkten "Der große Kosmos Schulatlas" und der Fortsetzung der Abenteuerreihe "Sethi" viel versprechende Neuerscheinungen zu bieten. 2. Wir freuen uns, dass inzwischen vielerorts entsprechende Abteilungen für Kinder- und Lernsoftwareprodukte existieren. Ein übersichtliches und strukturiertes Angebot ist das entscheidende Mittel, um Kunden an die vielfältigen Produkte in diesem Segment heranzuführen. Natürlich wünschen wir uns, dass dies künftig noch viel intensiver und großflächiger geschieht als bisher. 3. Mit den in diesem Jahr erschienenen vier Titeln der Lernsoftwarereihe "Ursula Lauster Spiele" sind wir für das kommende Schuljahr bestens gerüstet. Die hier veröffentlichten Themen Legasthenie, Konzentration und Englisch sind bereits sehr gut im Markt etabliert. Wir erhoffen uns ein weiteres Plus für die in diesem Segment umsatzstärkste Jahreszeit. Im Herbst erscheint dann "Der große Kosmos Schulatlas".

Als Spezialist für Sprachlernsoftware beobachtet dp den Markt mit Hilfe der GfK hinsichtlich Lernsoftware und Teilmenge "Sprachlernsoftware" seit einigen Jahren. Vor diesem Hintergrund können wir sagen, dass Stagnation beziehungsweise Umsatzrückgang für den Sprachlernmarkt nicht zutref-fen. Der Sprachlernmarkt ist in den vergangenen drei Jahren kontinuierlich gewachsen und hat schließlich im letzten Jahr eine Konsolidierung erfahren. Allerdings ist diese Konsolidierung vor allem auf Zweit- und Drittvermarktungen zurückzuführen. Markenprodukte hingegen halten sich sehr gut. Speziell digital publishing hat die Umsätze und den Marktanteil im 1. Quartal dieses Jahres deutlich steigern können.

  1. Lernen selbst war für uns schon immer ein wichtiges Thema, dennoch entwickelt es derzeit eine neue Brisanz: Die Themen "Qualifikation" und "Lebenslanges Lernen" werden in beruflicher Hinsicht zunehmend wichtig, und im schulischen Bereich hat natürlich PISA das Thema Lernen in aller Munde gebracht. Insofern liegt es auf der Hand, dass sich stark frequentierte Verbrauchermärkte und Kaufhäuser dieses Themas annehmen, was wir natürlich begrüßen - vor allem auch, weil es anderen Absatzkanälen nicht schadet. Im Allgemeinen sind,wir mit der Warenpräsentation im Handel zufrieden.

Bislang hatte sich dp auf Sprachlernsoftware für Erwachsene konzentriert. Hier haben wir uns über die vergangenen Jahre als Premiummarke etabliert und im Handel sehr viel Vertrauen gewonnen. Nachdem wir zunehmend Nachfragen aus dem schulischen Bereich bekamen, stellen wir nun erstmals mit der neu entwickelten Serie "Sprachlernvitamine" lehrplanorientierte Lernsoftware für den Nachmittagsmarkt zur Verfügung. Dabei sind wir ganz bewusst den Weg gegangen, nicht auf kindliche Elemente und Spiele zu setzen, sondern umgekehrt die jungen Lerner ernst zu nehmen. Unsere Bestsellerreihe "Interaktive Sprachreise" war den saisonalen Schwankungen kaum unterworfen, mit der neuen Reihe "Sprachlernvitamine" erleben wir also erstmals ein schuljahrorientiertes Saisongeschäft.

Lernsoftware hat sich in den letzten Jahren neben den "klas-sischen" Lernmaterialien etabliert und ist aus dem Angebot nicht mehr wegzudenken. Die Qualität von Lernsoftware hat gerade in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt, und die multimedialen Möglichkeiten der neuen Medien werden viel umfangreicher genutzt als früher. Dem Boom der ersten Jahre, in denen Edutainment- und Lernsoftwareprogramme stark wachsende Verkaufszahlen zu verzeichnen hatten, folgte in den sich anschließenden Jahren eine Marktberuhigung, jedoch auf hohem Niveau. Ich gehe davon aus, dass die Nachfrage nach guter Lernsoftware in den nächsten Jahren wieder deutlich steigen wird. Wichtig wird es für uns als Publisher sein, das hohe Qualitätsniveau der Lernsoftware weiter auszubauen und neue multimediale Möglichkeiten des Mediums sinnvoll zu nutzen.

Wir sind im Großen und Ganzen zufrieden mit unserer Präsenz. Kinder- und Lernsoftware ist in den Flächenmarkten und Kaufhäusern gut bis sehr gut vertreten. Im Buchhandel steckt sicher noch Potenzial. Gemeinsam mit dem Handel arbeiten wir an neuen Präsentationsmöglichkeiten, wie z. B. Multimediainseln, die Kinder und Eltern einladen sollen, die Welt der Kinder- und Lernsoftware zu entdecken.

Mit Optimismus schauen wir dem Schulstart beziehungsweise dem Start von Vorschule und Kindergarten entgegen. Wir erwarten eine steigende Nachfrage. Der Markt erholt sich langsam wieder. Außerdem haben die PISA-Studie und die dadurch ausgelöste Diskussion dazu geführt, dass Bildung und Lernen mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. Auch dadurch wird das Interesse an Lernsoftware wieder zunehmen. Unsere Marketingmaßnahmen konzentrieren sich vor allem auf Eltern und Familien. Außerdem stellen wir auf verschiedenen Kinder- und Familienfestivals unsere Neuheiten vor. Mit unserem Lernsoftwareprogramm haben wir nicht nur die Schule im Visier, sondern auch Lernprogramme für Vier- bis Siebenjährige in Vorschule und Kindergarten. In den nächsten Jahren werden Vorschule und Kindergarten als Ort des Lernens deutlich an Bedeutung gewinnen.

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