Die ECTS soll vom 3. bis 5. September zum elften Mal in ihrer Geschichte zum Anziehungspunkt der internationalen Gamesindustrie werden. Die Zeichen dafür stehen gut: Die konkurrierenden deutschen Messen fallen in diesem Jahr fast gänzlich aus.

Tradition, so hieß es anlässlich der ECTS '99, sei in einer jungen Branche wie der Gamesindustrie noch selten. Die ECTS aber habe Tradition - auch wenn sich Turnus, Veranstaltungsort und Optik im Vergleich zu den ersten Jahren deutlich gewandelt hätten. Auch die Erwartungen an die Messe seien von Jahr zu Jahr gewachsen. Man wollte und will weg von der immer noch geläufigen Einschätzung als "Randveranstaltung" neben dem US-amerikanischen Messeprimus E3. Als Beleg der Emanzipation werden Auszüge aus aktuellen Studien zahlreicher Marktforscher zitiert. Ein Satz steht allen voran: "Der europäische Gamesmarkt präsentiert sich als dem der USA gleichwertig." Rund 5,8 Mrd. Dollar seien in '99 generiert worden, Tendenz weiter steigend. Bis 2003 soll der Umsatz bei 7,8 Mrd. liegen. Die ECTS propagiert dabei den eigenen Aufstieg zum führenden Event der Interactive-Entertainment-industrie in Europa.

Positiv auf diesem Prozess dürfte sich auswirken, dass die Konkurrenz aus Deutschland in diesem Jahr nicht ganz so üppig ausfällt wie in den Jahren zuvor. Noch '98 hatten rund 200.000 CeBIT-Home-Besucher nur eine Woche vor der ECTS durchaus Eindruck hinterlassen. Und im letzten Jahr war die IFA mit über 400.000 Besuchern und einer noch nie da gewesenen Konzentration an Unterhaltungssoftwarepublishern (7,5 Prozent der insgesamt 160.000 Quadratmeter Gesamtfläche wurden belegt) noch keine zwei Wochen vorüber. Dennoch haben sich die Prognosen der Veranstalter '99 erfüllt: Mit über 20.000 Besuchern aus 64 Ländern konnte die ECTS zwar nur ein minimales Plus an interessierten Fachleuten aus der Branche im Vergleich zu den beiden Vorjahren registrieren, die Bedeutung der Messe aber habe um ein Vielfaches zugenommen. Die Gesamtzahl der akkreditierten Medienvertreter belief sich '99 auf 1888. In diesem Jahr sollen sich noch mehr Journalisten auf die Suche nach dem letzten Schrei in Sachen Unterhaltungssoftware machen.

Die Jury, die die ECTS-Awards vergibt, wird bereits vor Messeende fündig geworden sein. Durch ein Panel von europäischen Händlern werden die Gewinner der verschiedensten Preise bestimmt. Vom Publisher des Jahres bis zum besten Anbieter von PC-Hardware werden sich die Geschäftsführer am 4. September dieses Jahres wieder gegenseitig beglückwünschen können. Darüber hinaus werden eine Reihe von Awards von führenden Spielezeitschriften vergeben. Ebenso in der Tradition früherer Tage plant die ECTS zusätzlich zu den Ständen der Aussteller die eher "privat" gehaltenen "Development Community" und "Developers Lounge". Andy Lane, der ECTS-Event-Director, sieht für Entwickler in den extra für sie reservierten Zonen eine Möglichkeit, branchenübergreifend Ideen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. "Die europäischen Entwicklungsfirmen sind ein fester Bestandteil der gesamten Industrie. Wir sind deshalb der Ansicht, dass eine ihnen vorbehaltene Zone ein absolutes Muss auf der ECTS ist." Im letzten Jahr kamen rund 5200 Besucher in die "Lounge". Für 2000 haben sich bereits 15 Unternehmen angemeldet, um ihre Produkte auch in den speziellen Ausstellungsarealen zu präsentieren. Alison Wynn, Marketing Manager der ECTS, erwartet einen neuen Besucherrekord: "Wir sind auf dem Sprung in eine neue Zeitrechnung. Wir driften in die nächste Generation der Spielekonsolen. Entwickler müssen ihrer Zeit aber immer einen Schritt voraus sein. Und wir hoffen, dass sie mit der ECTS-Lounge das Beste aus der Show für sich herausholen."

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