Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels und das Statistische Bundesamt haben für 2002 eine rabenschwarze Bilanz gezogen. Als Verlierer sieht der HDE Fachgeschäfte sowie Kauf- und Warenhäuser. Die Verbraucher hätten damit den Strukturwandel des Handels weiter forciert.

Die Einzelhandelsumsätze im Gesamtjahr 2002 sind laut dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden real um 2,3 und nominal um 2,0 Prozent hinter dem Ergebnis von 2001 zurückgeblieben. Ernüchternd fällt auch die Bilanz für Dezember aus: Die Umsätze gingen preisbereinigt um 3,2 Prozent zurück. Fast alle Sparten des Einzelhandels seien vom Rückgang betroffen. Lediglich der Versandhandel habe im Dezember 2002 nominal (plus 8,8 Prozent) und real (plus 8,7 Prozent) höhere Umsätze als im Vorjahresmonat erzielt.

"Discounter sind die Gewinner"

Der HDE weist sogar ein noch größeres Minus aus. "Über das gesamte Jahr gerechnet, hat der Einzelhandel 3,5 Prozent seines bereits mageren Vorjahresumsatzes eingebüßt. Der Gesamtumsatz betrug 2002 nur noch 365 Mrd. Euro", bilanzierte Dr. Robert Weitz, Chefvolkswirt des Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE). Dies sei das Ergebnis des HDE-Panels, das Antworten von rund 1000 Einzelhandelsbetrieben enthält. Die Schreckensszenario von HDE-Hauptgeschäftsführer Holger Wenzel ist damit Wirklichkeit geworden. Wenzel hatte aufgrund "miserabler Novemberumsätze und eines desaströsen Weihnachtsgeschäfts" einen Umsatzeinbruch von über drei Prozent prognostiziert.

Der Umsatzrückgang hat die einzelnen Branchen unterschiedlich hart getroffen: Der Non-Food-Handel hat 5,5 Prozent an Umsatz verloren, der Lebensmittelhandel nur 0,6 Prozent. Am Essen und Trinken haben die Deutschen also kaum gespart. Allerdings hätten sie einen kontinuierlich wachsenden Anteil ihrer Ausgaben für Güter des täglichen Bedarfs zu den Discountern verlagert, die laut HDE auch die Gewinner des Jahres seien. "Die Verbraucher haben mit ihrem Verhalten den Strukturwandel im Handel nochmals forciert", so Weitz. Verlierer seien die älteren Vertriebstypen gewesen, wie die selbständig geführten Fachgeschäfte (minus 6,3 Prozent), die Kauf- und Warenhäuser (minus fünf Prozent) sowie die im Stil der Fachgeschäfte geführten Filialsysteme und die Supermärkte (jeweils minus 4,4 Prozent). Die neueren Vertriebstypen hätten dagegen ihren Umsatz stabilisieren oder sogar ausbauen können. "Es muss Acht gegeben werden, dass nicht Vertriebstypen aus dem Markt gedrängt werden, die schon bald in einem veränderten Umfeld wieder dringend gebraucht werden", so der HDE mit sorgenvollem Blick in die Zukunft.

3,5 Prozent weniger Umsatz als 2001

Im November und Dezember, den beiden umsatzstärksten Monaten des Jahres, hätten sich die Einbrüche im Einzelhandel weiter vertieft. Das HDE-Panel weist für den Monat November einen Umsatzausfall von 4,7 Prozent und für den Dezember von 5,8 Prozent aus, jeweils bezogen auf den Vorjahresumsatz. Sei der Einbruch im November noch mit einer starken Vorjahresbasis zu erklären, so treffe dies auf den Dezember nicht zu: Auch der Dezember 2001 habe schon ein deutliches Minuszeichen aufgewiesen. Ursache der neuerlichen Einbrüche sei das anhaltende Stimmungstief der Verbraucher, in dem sich die schwache Konjunktur, die zunehmende Arbeitslosigkeit, aber auch der Frust der Bevölkerung über die zum Jahreswechsel wirksamen Abgaben- und Steuererhöhungen widerspiegelten.

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