Erwartungen der Info-/Edutainment-Branche
Das neue Jahr wird für viele Publisher eine Reise ins Ungewisse. Wirtschaftsflaute und Konsumzurückhaltung sind nur zwei Faktoren. Teilweise setzen die Publisher auf unterschiedliche Trends und Themen. Aber ein Ziel haben alle: Geld verdienen und überleben.
Was wird 2003 der Info-/Edutainmentbranche bringen? Ganz entscheidend für den Verlauf wird der Jahresbeginn sein, ist sich Herbert Richert sicher. "Die psychologische Grundstimmung im Handel und vor allem bei den Verbrauchern wird ein interessantes Thema", so der Geschäftsführer des Heureka-Klett Softwareverlags. Richert verbindet dies mit vielen Fragen, die sich auf die gesamte Branche übertragen lassen: Wie werden die Kunden agieren, wenn die erste Gehaltsabrechnung im Januar schwarz auf weiß zeigt, wie viel Geld in der Tasche bleibt? Bleibt es beim rigiden Sparkurs, oder gibt es Grund zum Optimismus? Welches Verpackungsformat setzt sich durch? Wann wird die CD-ROM abgelöst? Antworten auf solche Fragen sind für die Publisher wichtig, denn daran werden sich Veröffentlichungen, Budgethöhen, Kooperationen und letztendlich auch Firmenpleiten entscheiden. Richert erwartet zudem eine weitere Annäherung von PC und Konsole. Für seine Firma hat er sich vorgenommen, sechs neue Titel "pünktlich und ziemlich bugfrei zu liefern und dabei an den Vermarktungserfolg der bisherigen Lernadventures anzuschließen".
2003 stellt vor große Herausforderungen
So wie für den Heureka-Klett-Chef stellen sich auch für Gernot Speck, PR-Manager des Topos Verlags, viele Fragen. Im Zuge der Novellierung des Jugendschutzgesetzes und der damit verbundenen Kennzeichnung der Altersfreigaben rechnet er mit gravierenden Änderungen. Was passiert mit bereits ausgelieferter Ware? Gibt es Übergangsregelungen? Was die Produkte betrifft, will Topos 2003 mit Innovationen und Trendthemen auftrumpfen, getreu dem Motto: "Lieber ein einziges Topprodukt als 20 von den Mitbewerbern kaum unterscheidbare Billigtitel", sagt Speck. Terzios Pressesprecherin Andrea Ziemsen hat qualitativ hochwertige Schulsoftware als wichtiges Thema ausgemacht. Neben dem weiteren Ausbau bereits erfolgreicher Reihen strebt der Publisher eine engere Kundenbindung über das Internet an. Zudem soll mit ausgewählten Aktionen der Buchhandel noch stärker fokussiert werden.
Im Cornelsen Verlag will man laut GF Wolf-Rüdiger Feldmann bei den Produkten künftig noch genauer auf das Preis-Leistungs-Verhältnis achten. "Entgegen dem allgemeinen Wirtschaftstrend agieren wir weiterhin antizyklisch, das heißt, wir bauen unsere Marketing- und Werbemaßnahmen weiter aus", sagt Feldmann. Dabei will Cornelsen verstärkt auf den Einzelhandel setzen und diesen mit gezielten Werbeaktionen unterstützen. Das Thema Personal Rich Media soll bei der Magix AG im Mittelpunkt stehen. Mit entsprechenden Produkten will Magix nicht nur in Deutschland, sondern auch international neue Märkte erschließen. "Dieser Trend wird sich nicht zuletzt durch deutlich leistungsfähigere PCs und günstigere Peripherie fortsetzen und noch wesentlich stärker unser tägliches Leben durchdringen", erläutert Geschäftsführer Jürgen Jaron.
Bei dtp ist man gespannt, wie sich neue Trends, wie etwa Onlinegaming und Mobile Software, entwickeln werden. Nach Auffassung von Geschäftsführer Thomas Baur wird nach der Euphorie um Xbox, GameCube und PS2 im vergangenen Jahr die Aufmerksamkeit jetzt wieder stärker in Richtung PC-Games gelenkt. dtp will beweisen, "dass wir bei vielen Projekten eine echte Alternative zu den richtig großen Companys darstellen", so Baur. Der Publisher will sich durch wachsenden Content im Markt breiter positionieren.
Kiddinx-Geschäfsführer Wolfgang Otterstein fasst mit seinem Jahresziel zusammen, was sich wohl die gesamte Branche für 2003 auf die Fahnen geschrieben hat: "Mehr Volumen als in 2002 zu generieren, mit guten Produkten auf interessanten Plattformen." Michael Fleissner rechnet 2003 mit einer weiteren Konsolidierung. Um den widrigen Entwicklungen des Markts standzuhalten, werde sich USM auf seine Kernkompetenzen konzentrieren und der Philosophie treu bleiben, Produkte in konstant guter Qualität zu angemessenen Preisen anzubieten. "Die Kunden wissen das auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten zu schätzen", so Fleissner.