eSport: SPD will differenzieren, Grüne wollen Resultate sehen
Nach der Expertenanhörung zum Thema eSport im Sportausschuss haben Vertreter von SPD und Grüne Stellung bezogen. Während die Sozialdemokraten auf die Linie des DOSB einschwenken und nach Spielen differenzieren wollen plädieren die Grünen für eine schnelle Gemeinnützigkeit von eSport-Vereinen und werfen der Regierung "Kompetenz-Wirrwarr" vor.
Auch nach der Anhörung im Sportausschuss ist beim Thema eSport-Anerkennung keine Ruhe eingekehrt. Sowohl aus der Fraktion der SPD, als auch aus der Grünen-Fraktion wurde die Anhörung kommentiert, wenn auch mit sehr unterschiedlichem Tenor. Der sportpolitische Sprecher der SPD, Detlev Pilger, stützte dabei wesentlich die Position des Deutschen Olympischen Sportbunds: "In der heutigen Anhörung des Sportausschusses sind die Dynamiken und Entwicklungen des eSports in Deutschland deutlich geworden. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass eSport bis auf wenige Ausnahmen nicht den Ansprüchen einer Sportart genügt", so der SPD-Politiker. Pilger sprach sich dafür aus Sportvereinen, die eSport-Abteilungen aufbauen um dort Sportarten wie Fußball oder Basketball virtuell auszuüben, "weiterhin die Anerkennung der Gemeinnützigkeit für ihre sportlichen Tätigkeiten" zuzusichern. Er sagte jedoch weiter: "Die Förderung von Gewaltspielen lehnen wir hingegen aus sportlichen Gründen heraus grundsätzlich ab."
Anders positionieren sich die Grünen: "Klassischer Sport und eSport können in hohem Maße voneinander profitieren, daher sollten beide Seiten den Dialog auf Augenhöhe fortsetzen. Dies wurde nochmals in der heutigen Anhörung im Sportausschuss deutlich. Wir fordern, dass eSport-Vereine endlich gemeinnützig werden sollen", so Monika Lazar, Sprecherin für Sportpolitik der Bündnis 90 Die Grünen Bundestagsfraktion. Lazar verwies auf die Vorteile, die eine Gemeinnützigkeit für Amateur eSport-Vereine an der Basis bringe. "Auch für die zahlreichen Sportvereine mit eSport-Abteilungen muss endlich Rechtssicherheit geschaffen werden", sagt Lazar. Hart ins Gericht ging sie mit der Regierung. Diese sei beim Thema eSport "komplett ohne Kompass" und falle nur "durch Kompetenz-Wirrwarr" auf.
Die anderen im Sportausschuss beteiligten Fraktionen - CDU/CSU, AfD, FDP und Die Linke - äußerten sich nicht weiter zu der Anhörung. Zumindest im Fall der Union hatte der Sportpolitiker Johannes Steiniger aber schon vor der Anhörung seine Position dargelegt und ähnlich dem DOSB eine Unterteilung in "virtuelle Sportsimulationen, Echtzeit-Strategiespielen und Shooter-Spielen" gefordert.
Dass ausgerechnet die Sportpolitiker der Regierungsparteien sich gegen die im Koalitionsvertrag festgehaltene Unterstützung des eSports stellen stößt insbesondere bei den Branchenverbänden auf Unverständnis. So wies der game-Verband gestern bereits Steinigers-Position zurück. Und ESBD-Präsident Hans Jagnow kommentierte die jüngsten Äußerungen der SPD wie folgt: "Die Position der SPD ist für uns ein klarer Bruch der Zusagen des Koalitionsvertrags, ein Vertrauensbruch gegenüber den Menschen, die darauf vertraut haben."