Die "eSport Studie 2019" der AOK Rheinland/Hamburg und der Deutschen Sporthochschule Köln soll den eSport erstmals aus gesundheitlicher Sicht untersuchen. Doch die getroffenen Kernaussagen stehen zum Teil im Widerspruch zu den mitgelieferten Ergebnissen.

Wie gesund lebt und trainiert der "Durchschnitts-Gamer" abseits der großen Turniere? Dieser Frage wollten die AOK Rheinland/Hamburg und die Deutsche Sporthochschule Köln auf den Grund gehen und erarbeiteten deshalb die "eSport Studie 2019". Nun wurden die Ergebnisse vorgestellt. Allerdings werfen die in der Pressemitteilungen getroffenen Kernaussagen der Autoren Fragen auf. Und auch der Name der Studie ist missverständlich. Denn befragt wurden insgesamt 1200 "in Deutschland lebende eSportlerinnen und eSportler unterschiedlichster Leistungsstufen". Es gibt vier Leistungsstufen, auf die sich die Umfrageteilnehmer wie folgt verteilen: 4,7 Prozent sind der Leistungsstufe "eSport-Profi", 33 Prozent der Stufe "eSport-Amateure", 52,8 Prozent der Stufe "Hobby-eSportler" und 8,2 Prozent der Stufe "Gelegenheitsspieler" zuzurechnen. Bei einer genaueren Erklärung der Stufen wird jedoch deutlich, dass ausschließlich die "Profis" und die "Amateure" an eSport-Veranstaltungen teilnehmen. Über die Hälfte der Befragten sind also "nur" Gamer und keine eSportler im eigentlichen Sinn. Ob man sie im Hinblick auf einen möglichen Breitensport "Computer- und Videospielen" in den Oberbegriff eSport einbeziehen soll ist zumindest fraglich. Viele von ihnen dürften ihre Spielsessions jedenfalls mehr als Unterhaltung denn als Training betrachten.

Der Teilnehmerkreis mag nur die Frage aufwerfen, inwieweit die "eSport Studie" tatsächlich den eSport untersuchte. Bei der Interpretation der Ergebnisse passieren jedoch tatsächliche Fehler, sodass zitierte Aussagen von Prof. Dr. Ingo Froböse, Liter des Instituts für Bewegungstherapie und bewegungsorientierte Prävention und Rehabilitation der Deutschen Sporthochschule Köln, und Rolf Buchwitz, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg, den mitgelieferten Ergebnissen teilweise widersprechen.

So treiben laut Pressemitteilung immerhin 84 Prozent der Befragten neben dem "eSport" auch "klassischem Sport". Das "Aber" folgt auf dem Fuße wobei Froböse wie folgt zitiert wird: "Allerdings reicht das Sporttreiben noch nicht aus, denn nur knapp die Hälfte der Befragten erreicht das empfohlene Mindestmaß von 2,5 Stunden Bewegung in der Woche. Hier ist also noch Luft nach oben." Die Empfehlung von 2,5 Stunden wurde durch die WHO ausgesprochen, die Weltgesundheitsorganisation. Die in der Studie abgebildete Grafik zeigt aber, dass 31,4 Prozent der Befragten zwischen 2,5 und fünf Stunden pro Woche aktiv sind und weitere 32,4 Prozent sogar über fünf Stunden. Statt "knapp die Hälfte" schaffen also 63,8 Prozent oder fast zwei Drittel die Mindestempfehlung der WHO. Die Grafik selbst weist sogar aus, dass die "eSportler" besser abschneiden als der Bundesdurchschnitt. In Deutschland sind nämlich nur 42,6 Prozent der Frauen und 48,0 Prozent der Männer 2,5 Stunden pro Woche oder länger körperlich aktiv.

Kritisiert von AOK und der Sporthochschule Köln werden vor allem auch die langen Sitzzeiten der "eSportler", die neben Beruf, Studium oder Schule erbracht werden. Diese sind in der Tat nennenswert und liegen bei rund 28 Stunden pro Woche bei den Profis und Amateuren beziehungsweise rund 22 Stunden bei den "Hobby-eSportlern". Dass für Profis der eSport möglicherweise selbst der Beruf ist wird dabei ebenso außer Acht gelassen wie ein Vergleich beispielsweise mit dem Fernsehkonsum. 2018 sahen die Deutschen schließlich im Schnitt 25,6 Stunden pro Woche gern.

Missverständlich ist zudem ein Info-Sheet von AOK und der Sporthochschule bei der eine Grafik zu den BMI-Werten integriert ist. Unter der Headline "Wer viel spielt, hat einen höheren Body Mass Index (BMI)!" wird suggeriert, dass die Umfrageteilnehmer in diesem Punkt schlecht abschneiden. Tatsächlich haben laut Info-Sheet 11,3 Prozent einem adipösen BMI, sind also fettleibig. Eingeordnet wird der Wert nicht. Laut dem Mikrozensus 2009, der aktuellsten Quelle diesbezüglich, haben 14,7 Prozent aller Deutschen einen adipösen BMI. Der Anteil Normalgewichtiger liegt bei den eSportlern bei 57,6 Prozent und damit elf Prozentpunkte über dem Anteil Normalgewichtiger beim Mikrozensus 2009. Die Aussage der Überschrift ist schlicht falsch. Vielleicht wurden deshalb auch die Durchschitts-BMI-Werte von 22,4 bei eSport-Profis und 24,9 bei eSport-Amateure nicht in die BMI-Einstufung eingeordnet. Beide Werte liegen im Bereich des Normalgewichts. Eine schmissige Headline lässt sich so natürlich nicht generieren.

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Written by

Stephan Steininger
Stephan Steininger is Director of Operations and Editor-in-Chief of GamesMarket. As part of the magazine since its inception in 2001, he knows the GSA games industry by heart.