Frankreich macht mobil: SELL stellt Aktionsplan auf die Beine
Mit einem neuen Mann an der Spitze will der französische Branchenverband SELL vor dem Hintergrund der aktuellen Insolvenzwelle einen Aktionsplan auf die Beine stellen. So wird unter anderem die Regierung dazu aufgefordert, den Mehrwertsteuersatz für Videospiele um 5,5 Prozentpunkte zu senken.
"Videospielen ist eine der Hauptfreizeitaktivitäten von Kindern und Jugendlichen. Aber wenn wir nichts unternehmen, wird diese Hauptfreizeitaktivität in zwei bis drei Jahren gänzlich unter der kulturellen Vorherrschaft ausländischer Firmen stehen", monierte kürzlich Jean-Claude Larue. Der altgediente Infogrames-Recke sowie frisch gebackene Präsident des französischen Branchenverbands und VUD-Pendants Syndicat des Editeurs de Logiciels de Loisir (SELL), kommentierte damit einen ins Auge gefassten Aktionsplan, der der derzeit arg gebeutelten Videospielindustrie auf die Beine helfen und zugleich deren Stellung in der französischen Wirtschaft stärken soll.
Laut Larue kümmere sich die öffentliche Hand bis dato nahezu ausschließlich um die Kino-, TV- und Musikbranche und drücke dabei in vielen Fällen ihre Sorge um die französische Kulturlandschaft aus. In gleichem Maße stelle sie aber ihre Gleichgültigkeit gegenüber der Videospielindustrie zur Schau. Immerhin weise die französische Videospielindustrie mit Infogrames, Vivendi Universal Interactive und Ubi Soft Entertainment drei der zehn weltweit wichtigsten Unternehmen in diesem Bereich auf. "Dennoch muss man derzeit von einer ernsten Krise der französischen Industrie sprechen", warnt Larue.
Seit Dezember letzten Jahres hätten 13 Unternehmen Insolvenz anmelden müssen. Neben Cryo Interactive und Kalisto Entertainment seien vor allem zahlreiche Entwicklerschmieden betroffen, wie etwa Chaman, In-Utero, Polygon, Gamesquad oder Toka. Insgesamt würden französische Unternehmen nur noch für 20 Prozent des weltweit generierten Softwareumsatzes einstehen und der Binnenmarkt mache als Absatzregion global nur noch vier Prozent aus. Um die Insolvenzserie und das oftmals damit verbundene Abwandern von Entwicklern und Publishern nach England oder die USA abzubremsen, soll nun gemeinsam mit der Regierung ein Aktionsplan entworfen werden, "um einem Industriezweig wieder auf die Beine zu helfen, der durch die mächtigen Lobbys der traditionellen Medien oftmals herabgewürdigt wurde und immer noch wird".
So fordert der SELL-Präsident für Videospiele eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes um 5,5 Prozentpunkte. Ähnliche Forderungen aus der Musikbranche führten nicht nur in Paris, sondern auch bereits in Berlin zu Streitereien zwischen Industrie und Politik. Ferner, so Larue weiter, solle ernsthaft über Lizenzgebühren auf Privatkopien nachgedacht werden sowie, last but not least, so schnell wie möglich die Schaffung einer nationalen Fortbildungsstätte für Design & Entwicklung angeregt werden. "Wenn man der Videospielentwicklung in Frankreich nicht schnell eine Umgebung bietet, die mit jener der musikalischen, cinematografischen oder audiovisuellen Schaffung vergleichbar ist, wird die französische Industrie alsbald nur noch auf ein Vertriebsnetz reduziert sein", warnt Larue.