Freakware made in Switzerland
In der kleinen Schweizer Gemeinde Eschenbach im Kanton Luzern werkeln seit geraumer Zeit zwei findige "Daniel Düsentriebs" der Neuzeit an einem Luxus-Joystick des obersten Preissegments. Die beiden Jungunternehmer Javier Castro und Jimmy Caragiannis füllen mit ihrem viel versprechenden Old School Joystick (OSJ) - so auch der Firmenname - eine Lücke und lehren die Konkurrenz das Fürchten.
Der Ferrari unter den Game-Controllern funktioniert sowohl mit handelsüblichen PCs als auch mit Macintosh-Rechnern und wird ausschließlich in der Schweiz handgefertigt. Seit kurzem gibt"s die nicht gerade günstige Weltneuheit exklusiv über die innovative englischsprachige Website der OSJ-Company.
Der Ferrari unter den Game-Controllern
In einer verregneten Nacht im Herbst 1998 begann das Schicksal der beiden Erfinder seinen Lauf zu nehmen. Regelmäßig zockte der damals 20-jährige Castro zusammen mit seinem Kumpel Jimmy nach Feierabend ein paar actionreiche Spiele am heimischen PC. "Wir beschäftigen uns schon unser halbes Leben in der Freizeit mit Computer- und Videospielen", erläutert Jimmy, "aber seit rund zweieinhalb Jahren sind wir nicht nur passiv, sondern auch aktiv in der Spielebranche tätig." Nachdem abermals ein Joypad nach einem fatalen Bildschirmtod des Spielcharakters an die Wand geklatscht wurde, kam den beiden ambitionierten Gamern ein sensationeller Gedanke. Wieso nicht selber einen Joystick kreieren?
An besagtem Abend brüteten die beiden aufgeweckten Persönlichkeiten eine interessante Idee aus und legten - ohne es zu wissen - zugleich den Grundstein für ihre Zukunft. Castro, Techniker der Firma Old School Joystick, erzählt stolz: "Es ist kommerziell sicherlich interessanter, einen 08/15-Klon irgendeines aktuellen Joysticks auf den Markt zu schmeißen, aber unsere Philosophie verbietet es, sich mit dieser simplen Lösungen abzufinden. Wir möchten mit unserem Joystick einen gewissen Kultstatus erreichen. Unser Produkt soll qualitativ ein noch nie da gewesenes Niveau erreichen; der Gamer steht bei uns im Mittelpunkt!"
Das "Baby" der beiden Senkrechtstarter ist drei Kilogramm schwer,aus robustem dunkelroten Eichenholz und doppelt lackiert und besitzt vier stabile Gummifüße. Daneben zieren zwei programmierbare, beleuchtete Tasten und sechs normale Feuerbutton die Oberfläche. Ein massiger Griff unterstreicht den Eindruck, ein maßgeschneidertes Optimum in Händen zu halten. Der Stick ist mit einer magnetischen Rückkopplung ausgestattet. Durch diese Funktion wird er automatisch ins Zentrum zurückgezogen. Mit anderen Worten: Sobald der Spieler den Hebel loslässt, springt dieser punktgenau in die Mitte zurück. Damit sind sehr präzise Bewegungen möglich und eine klassische PC-Krankheit, die so genannte Kalibrierung, wird dadurch vollständig ausgemerzt. Dieses Verfahren ist brandneu in der Branche und daher auch sehr kostspielig. Die Eigenschaft des Magnetismus zeichnet den Old School Joystick besonders aus; die gesamte Konkurrenz vertreibt nämlich noch auf Feder-Mechanik basierende Modelle.
Während die Grundausführung (Master) des OSJ mit zirka 700 Mark zu Buche schlägt, kann das Zweitgerät (Slave) für 530 Mark zusätzlich erworben werden. Vom 23. bis 25. Januar 2001 waren Castro und Caragiannis auch in London bei der ATEI-2001-Messe (Amusement Trades Exhibitions International), wo mehrereDistributoren über 1000 OSJ-Einheiten geordert haben. Massenweise Vorbestellungen aus dem In- und Ausland werten das Ergebnis des Messeauftritts noch mal auf.
Ausgeklügelter Onlineshop
Ende Juni schalten die beiden OSJ-Cracks den lang geplanten Onlineshop auf, wo bereits jetzt bestellt werden kann. Neben verschiedenen Zahlungsmitteln (u. a. Visa- und Mastercard) sticht vor allem die Funktionalität heraus. Jeder OSJ-Joystick kann ganz nach eigenem Gusto zusammengestellt werden: Buttons (Zeigefinger-, Daumen- sowie Start-/Credit-Knöpfe), Stick und die Auflagescheiben sind farblich individuell konfigurierbar. Anhand einer eingeblendeten Grafik kann die eigene Kreation in "real time" bestaunt werden!