In einem jüngst vorgelegten Bericht hat die FTC den Unterhaltungsindustrien vorgeworfen, ihre Systeme zur Freiwilligen Selbstkontrolle zu untergraben. Prompt entfachte dies eine Debatte, die im Wahlkampfjahr auch von der Politik sofort aufgegriffen wurde.

Das Drama von Littleton ist schon fast eineinhalb Jahre her. Dennoch sorgt das Schulhofattentat, bei dem 15 Menschen mitsamt der Täter umgekommen sind, erneut für erhitzte Gemüter. Ausschlaggebend für die erneute Diskussion um Jugendschutz bei Filmen, Musik und Videospielen ist ein Bericht, den die Federal Trade Commission (FTC) jetzt vorlegte. Im Juni '99 hatten US-Präsident Bill Clinton sowie einige Kongressmitglieder die FTC und die Justizbehörden aufgefordert, eine Studie zu erstellen. Zwei Fragen sollten vorrangig geklärt werden: Werden für Jugendliche ungeeignete Produkte wissentlich von den Herstellern in einem Umfeld beworben, bei dem Kinder und Jugendliche einen signifikanten Zuschauer- bzw. Leseranteil haben? Und zielt diese Werbung extra darauf ab, die Aufmerksamkeit von Kindern und Jugendlichen zu erregen? Die FTC kommt zu dem Schluss, dass beide Fragen mit Ja zu beantworten sind. Und zwar sowohl in der Filmindustrie als auch in der Musik- und Spielebranche. Alle Branchen hätten zwar Mittel geschaffen, um bedenkliche Inhalte zu identifizieren und die Produkte zu kennzeichnen.

"Die Firmen der Unterhaltungsindustrie unterlaufen aber routinemäßig ihre eigenen Rating-Systeme, indem sie Filme, Platten und Videospiele an junge Zielgruppen vermarkten", stellt Robert Pitowsky, Chairman der FTC, fest. Mit Schrecken stellte die FTC bei Testkäufen außerdem fest, dass weder Kinobetreiber noch der Handel besonderen Wert auf die Einhaltung der Rating-Beschränkungen legen. "Diese Industrien könnten und sollten besser agieren, als ihre Berichte widerspiegeln", mahnt Pitowsky die Branchen. Obwohl die FTC ausdrücklich darauf hinweist, dass ihre Empfehlungen zu einer Verbesserung des Status quo kein Appell an den Gesetzgeber darstellen, kam es zu heftigen Reaktionen.

"Industrie könnte besser agieren"

In Windeseile wurde eine Anhörung vor einem Senatsausschuss einberufen. Auch Al Gore, Präsidentschaftskandidat der Demokraten, witterte seine Chance, Punkte im Wahlkampf gutzumachen. "Es ist schwierig genug, in der heutigen Zeit Kinder großzuziehen - auch ohne dass die Entertainmentindustrie dies noch zusätzlich erschwert", so Gore. Er versprach, den Entertainmentbranchen ein Ultimatum zu stellen, falls er gewählt werden sollte. Binnen sechs Monaten sollten die Firmen dann neue Richtlinien einführen, die auch greifen. Andernfalls sei mit einer härteren Gangart zu rechnen. "Ich glaube, das amerikanische Volk wird der Unterhaltungsindustrie eine gewisse Zeit einräumen, dies alles zu beheben", kommentierte Bill Clinton den von ihm angeforderten Bericht. "Aber etwas muss jetzt geschehen", forderte auch der US-Präsident. Doch nicht nur die Demokraten greifen das Thema auf. George W. Bush glaubt, die Entertainment-Industrie müsse persönlich Verantwortung für die Produkte übernehmen, die sie Kindern anbietet, ließ ein Sprecher des Präsidentschaftskandidaten verlauten.

Die Entertainmentindustrien selbst reagierten sehr unterschiedlich auf den FTC-Bericht. John Fithian, President der National Association of Theatre Owners, nimmt die Kritikpunkte ernst und versprach im Gespräch mit dem Magazin "Hollywood Reporter", das eigene Bemühen zu verbessern. Hilary Rosen, Chef des Musikverbands RIAA, geht hingegen in die Offensive. Die Schlussfolgerungen stimmen nicht mit den Ergebnissen überein, so Rosen. Die FTC berichte, dass 77 Prozent aller Eltern auf die Ratings achten und eine ähnlich große Mehrheit mit den Systemen mehr oder weniger zufrieden sind. Nicht ganz so aggressiv, aber bestimmt, stellen sich die Vertreter der Film- und Spielebranche vor ihr System. "Seit rund 32 Jahren ist diese Industrie die einzige in der US-Wirtschaft, die freiwillig auf Umsätze am Boxoffice verzichtet, um das Versprechen einzuhalten, das wir den Eltern gegeben haben", stellte sich Jack Valenti, President und CEO der Filmorganisation MPAA, vor das eigene Ratingsystem. Ebenso Doug Lowenstein, Chef der IDSA: "Die IDSA war sehr aggressiv bei der Information der Verbraucher über ihr Rating-System, um sicherzustellen, dass diese überlegte Kaufentscheidungen treffen können."

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