2002 war ein außergewöhnlich schweres Jahr für die Gamesbranche. Zur allgemeinen Konsumflaute gesellten sich branchenspezifische Probleme wie Preisverrisse, Insolvenzwelle oder die Diskussion nach der Tragödie von Erfurt. Nicht zuletzt die GC hat jedoch gezeigt, dass noch immer viel Power und Kreativität in der deutschen Gamesbranche stecken und der Nährboden für eine positive Entwicklung vorhanden ist.

Noch zu Jahresanfang zeigte sich die Branche optimistisch. Mit dem Start zweier neuer Systeme vor Augen und über einem Jahr erfolgreicher PlayStation-2-Vermarktung im Rücken glaubte man die Probleme des Generationswechsels im Konsolenmarkt ad acta legen zu können. Doch so einfach wurde es dann doch nicht. Wie schnell es gehen kann, dass Wunsch und Wirklichkeit auseinander klaffen, musste Microsoft bereits im März schmerzlich erfahren: Aus dem lang erwarteten und mit Hoffnungen beladenen Xbox-Start wurde in Deutschland vor allem für den Independenthandel ein desaströses, ja fast schon traumatisches Ereignis. Mit einer bundesweiten Preisaktion hatten die "Roten" ein Zeichen gesetzt. Für ganze 80 Euro weniger, als von Microsoft empfohlen, wurde die Xbox angepriesen. Auf regionaler Ebene führten die Konterbemühungen des Mitbewerbs sogar dazu, dass findige Verbraucher die Konsole für 299 Euro erstanden - wenn auch nur für wenige Stunden. Auch wenn einige Tage später wieder der "normale" Preis von 479 Euro auf den Verpackungen stand, beim Verbraucher hatte sich bereits festgesetzt, dass preislich bei der Xbox noch etwas "drin" sei. Microsoft blieb kaum eine andere Möglichkeit, als nach wenigen Wochen den Preis auch offiziell herabzusetzen und die Käufer, die schon zugeschlagen hatten, mit einem Zusatzpaket für ihr Vertrauen zu entlohnen.

Aussichten für 2003 sind gut

Die Befürchtung, dass es zu einer ähnlichen Preisschlacht kommen werde, wenn Nintendo seinen GameCube auf den Markt bringt, waren groß, doch unbegründet, wie sich im Nachhinein herausstellte. Ob und wie viel die Senkung des GCN-Preises noch vor Release dazu beigetragen hat, bleibt Spekulation. Bemerkenswert gelassen konnte Sony Computer Entertainment Deutschland den Sommer über agieren. Anstatt die neue Konsole im Eifer des Gefechts billiger zu machen, senkte SCED den Preis seiner altgedienten Hardware PSone. Die Verkäufe zogen an, der Mitbewerb wurde von zwei Seiten in die Zange genommen. Doch nicht nur bei der Hardware setzten die großen Handelsketten sehr zum Leidwesen des Independenthandels in diesem Jahr gelegentlich die Preisschraube an. " WarCraft III" von Vivendi Universal, der diesjährige Umsatzretter im Sommer, wurde ebenfalls zu Frequenzzwecken genutzt.

Doch Konsolenkrieg und Preisverriss waren nicht die einzigen Themen, die Industrie und Handel auf den Magen schlugen. Die bereits überwunden geglaubte Insolvenzwelle rollte weiter. Zu den prominentesten Opfern der Branche gehörten zweifelsfrei Phenomedia, Westka, A1 Software und m8. Während die Bochumer den Geschäftsbetrieb aufrechterhalten konnten, bedeutete der Gang zum Insolvenzgericht für die anderen das endgültige Aus.

Nicht nur einzelne Firmen, sondern die gesamte Branche betroffen hat das alles überschattende tragische Ereignis von Erfurt. Die Tat des 19-jährigen Robert Steinhäuser löste eine öffentliche Diskussion über Gewaltdarstellungen in Computerspielen aus, die Industrie und Handel gleichermaßen an ihre Grenzen brachte. Der sicherlich durch den Wahlkampf noch verstärkte Druck aller Parteien führte zu einer kaum aufzuhaltenden Dynamik, die in unhaltbaren Vorwürfen, ja sogar Beleidigungen ihren Höhepunkt fand. Wenngleich die Branche noch heute gespalten ist, ob das eher defensive und zurückhaltende Krisenmanagement die Lösung war, beruhigten sich die Gemüter am Ende doch noch. Eine nicht ganz durchdachte Novellierung des Jugendschutzgesetzes war dennoch unvermeidbar. Die Auswirkungen sind in ihrer Gänze ein halbes Jahr nach Verabschiedung des Gesetzes freilich noch immer nicht abzusehen.

Trotz aller negativen Schlagzeilen, die das Jahr 2002 der Branche brachte, dürfen auch die Highlights nicht vergessen werden. An erster Stelle steht hier die GC - Games Convention. Ihr sensationeller Erfolg könnte dem auf Rang drei im europäischen Vergleich zurückgefallenen deutschen Markt neues Selbstbewusstsein verschaffen. Es steht wohl außer Frage, dass es auch im nächsten Jahr in Leipzig einen umfassenden und vollständigen Branchenauftritt geben wird, der dann für den Markt die weiteren gewünschten Impulse bringen dürfte. Alles in allem hat das Jahr 2002 mit seinen Höhen und Tiefen aber auch dazu beigetragen, den Markt wieder auf ein solideres Fundament zu stellen. Die Aussichten für 2003 sind gut - selbst wenn die kommenden zwölf Monate sicher wieder so manche positive wie negative Überraschung bringen werden.

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