Games: Konsumklima schlägt Branche auf den Magen
Neben positiven Ereignissen wie der GC - Games Convention und leider auch negativen wie dem Amoklauf von Erfurt oder der Jahrhundertflut verbindet die Branche mit 2002 vor allem das schlechte Konsumklima. In einer GamesMarkt.de-Umfrage zeigen sich die meisten Geschäftsführer dennoch zufrieden, wenn auch nur mit der Entwicklung des eigenen Unternehmens.
"2002 war ein sehr turbulentes Jahr, für die ganze Branche", bringt es Wolfgang Gäbler, CEO von CDV, auf den Punkt. Dass CDV trotz der allgemein schlechten Wirtschaftslage ein Umsatzplus verbuchen kann, wertet er als Zeichen dafür, dass der Kurs von CDV stimmt. So wie Gäbler geht es vielen seiner Branchenkollegen. Und einem schwierigen Markt, der noch dazu von zwei einschneidenden Ereignissen überschattet wurde, steht eine konstante, wenn nicht gar positive Entwicklung des eigenen Unternehmens gegenüber. "Glücklich kann man nach einem Jahr wie 2002 nicht so richtig sein", formuliert Sevgi Kirik, Country Manager Empire Interactive, ihr Fazit. Doch auch das Empire-Interactive-Resümee fällt positiv aus, unter Beachtung der allgemeinen Situation. Die allgemein schwierige Wirtschaftslage war auch für Odile Limpach, Geschäftsführerin Ubi Soft, das bestimmende Thema des Jahres 2002: "Die Pleitewelle z. B. von Entwicklern kam nicht überraschend, doch hat sie uns allen die schwierige Situation der Branche aufs eindrücklichste vergegenwärtigt." Dass Ubi Soft dennoch die gesteckten Ziele, die Produktqualität und den Umsatz kontinuierlich zu steigern, erreichte, stimmt auch Limpach zufrieden.
"Werden 2002 nicht lange nachtrauern"
Dass die Konsummüdigkeit jedoch ein eher deutsches und weniger ein gesamteuropäisches Problem ist, bestätigt Martin Schneider, Manager Consumer Software bei Konami of Europe. Viele andere europäische Märkte hätten Deutschland inzwischen eingeholt oder sogar überholt. Zwar gebe es auch in Deutschland positive Anzeichen, "ich würde mir allerdings wünschen, dass Deutschland im Wachstumstempo endlich wieder zu anderen Ländern aufschließt", sagt Schneider. Bestätigt wird er von Jörg Trouvain, seit kurzem aus dem Euroean Headquarter heimgekehrter Deutschland-Chef von Electronic Arts. Vor allem im Konsolensegment habe sich ein schwacher Konsum in Deutschland verglichen mit dem übrigen Europa gezeigt. "Diesem Markt neue Impulse zu geben und das Image unseres Produkts zu verbessern wird eine der Kernaufgaben 2003 sein", ist sich Trouvain sicher. Unzufriedenheit vor allem mit der Entwicklung auf dem Konsolenmarkt offenbaren viele Antworten der Geschäftsführer deutscher Publisher.
Die schwache Verbrauchernachfrage und die negative Stimmung sind für Dr. Dietrich Meutsch, Geschäftsführer von THQ, mitverantwortlich, dass die Haushaltspenetration der dieses Jahr neu am Markt befindlichen Konsolen unbefriedigend ausfällt. Auch Knut-Jochen Bergel, Geschäftsführer Avalon/Virgin Interactive, bestätigt, dass die neuen Konsolen "nicht die erwarteten Stückzahlen im Markt platzieren" konnten. Davon sei laut Bergel natürlich auch der Softwareabsatz beeinflusst worden. Einen weiteren Grund für die unerfüllten Erwartungen der neuen Systeme nennt Peter Nordhausen, Geschäftsführer der Alltainment IT: "Der viel zu hohe Hardwarepreis, der in keinem Verhältnis zu Konsolenpreisen aus den 90er Jahren steht." Besonders deutlich zeige sich dies im GameBoy-Segment. Diese Preise würden vom Verbraucher einfach nicht akzeptiert. Durch die geringen Hardwareverkäufe entsteht nach Meinung Nordhausens ein Missverhältnis zum gegenwärtigen Output an Spielen. "Als Staatsbürger nein, als Geschäftsführer ja!", bewortete Markus Wiedemann, General Manager Codemasters die Frage, ob er denn mit dem Jahr 2002 zufrieden sei. Er habe sich von den politisch Verantwortlichen wesentlich mehr Mut erhofft und erwartet, begründet er sein Statement. "Mit mehr Optimismus würden wir nicht im Stillstand verharren und der Konsum würde angekurbelt."
Weit optimistischer gibt sich Manfred Gerdes, Geschäftsführer von Sony CED. Zwar seien die Voraussetzungen wirklich denkbar schlecht gewesen, aber in das allgemeine Klagelied will er nicht einstimmen. "Nicht dass wir die Umstände ignorieren, aber in jeder Krise liegt auch eine Chance", so Gerdes. "Wer klagt, wird nichts verkaufen! Das habe ich in meiner beruflichen Laufbahn gelernt." Positiv wertet er, dass in diesem Jahr den Publishern sehr viel Professionalität zusätzlich abgefordert wurde. Jeder Fehler sei sofort vom Markt und von den Konsumenten bestraft worden. Am besten fasst die Stimmung des vergangenen Jahres in der Branche jedoch Dr. Klemens Kundratitz, Geschäftsführer der Koch Media, zusammen: "Im Rückspiegel gesehen, werden wir dem Jahr 2002 nicht lange nachtrauern."
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