Gratwanderung bei "Hitman: Contracts"
Ende April veröffentlicht Eidos mit "Hitman: Contracts" einen heißen Kandidaten für die vordersten Chartsplätze. Die Hamburger setzen dabei nicht nur auf umfangreiche Marketingunterstützung, sondern vor allem auf das Argument "Uncut". games.markt sprach mit Marketing-Chef Lars Winkler über das ungewöhnliche USP.
gm: Haben die Entwickler absichtlich bei der Darstellung auf einen maßvollen Umgang mit Gewalt geachtet?
Lars Winkler: Dem muss man vorausschicken, dass die Entwickler bei der Programmierung von "Hitman: Contracts" auf nichts verzichtet haben, was die typischen Merkmale dieser Action-Reihe angeht. Sie haben aber, das ist richtig, darauf geachtet, dass das Spiel für den sehr wichtigen deutschen Markt veröffentlicht werden kann. Dabei kam uns zugute, dass das Spielprinzip von Hitman so angelegt ist, dass es immer mehrere Möglichkeiten gibt, einen Auftrag zu erfüllen. Es gibt zahlreiche Optionen, einen Auftrag "elegant" und mit so wenig Gewalt wie nötig zu lösen. IO Interactive bietet dem Spieler in "Hitman: Contracts" genügend dieser Optionen an - und das hat die USK überzeugt. Letztendlich entscheidet der Spieler, wie er vorgehen möchte - ihm wird aber auf keinen Fall eine gewaltverherrlichende Lösung aufgezwungen.
gm: Welchen Einfluss hatte bei dieser Entscheidung die deutsche Eidos-Niederlassung?
Winkler: Nach der Indizierung vom ersten Hitman-Titel war klar, dass wir für die kommenden Titel noch enger mit IO zusammenarbeiten müssen. IO selbst war die Wichtigkeit des deutschen Marktes bewusst und zeigte sich schnell kooperativ. Als Basis für die Zusammenarbeit konnten wir neben der USK-Begründung für die Indizierung von Teil 1 unser jahrelange Erfahrung der Eidos-Produktabteilung in die Waagschale werfen. Sowohl bei "Hitman" als auch bei "Contracts" haben wir immer sehr früh einen Blick auf das entstehende Spiel werfen und unsere Einschätzung für den deutschen Markt abgeben können. IO hat dies schnell aufgenommen und im typischen Hitman-Stil und ohne spielerische Einbußen umgesetzt. So gut, dass "Hitman 2: Silent Assassin" es auf Platz 1 der Media Control -Charts auf den Plattformen PlayStation 2 und Xbox schaffte. Und wir gehen fest davon aus, dass "Contracts" dies fortführen wird.
gm: Welche Bedeutung hat das "Uncut" für das Marketing?
Winkler: Eine sehr wichtige psychologische Bedeutung, denn deutsche Spieler fühlen sich im Vergleich zu den Gamern anderer Nationen bei solchen Spielen stark benachteiligt. Sie bekommen in der Regel immer "geschnittene Versionen". Es geht dabei gar nicht einmal darum, dass ein Spiel möglichst viel Blut oder Gewalt enthalten muss, sondern, dass sich erwachsene Spieler bevormundet fühlen, wenn man ihnen veränderte oder zensierte Versionen im Handel anbietet. Es ist nachvollziehbar, dass Gamer immer das "Original" spielen wollen und keine "manipulierte" Version. Aus diesem Grund setzen wir in unserer Kommunikation auf das "Uncut", das wir gut sichtbar auf der Verpackung der PC-, PS2- und Xbox-Spiele platziert haben. Uncut steht, wenn man so will, für "original". Nicht mehr und nicht weniger wollen wir kommunizieren.
gm: Wie wichtig ist für das Image dieser Titel, aber auch der Branche, dass ein Major wie Eidos bei einem Titel wie "Hitman" maßvoll "zur Sache geht"?
Winkler: Der Begriff "maßvoll" ist hier nicht ganz richtig. Wir haben "Hitman: Contracts" in keinerlei Hinsicht "zurückgeschraubt", sondern vielmehr dazu beigetragen, dass der Spieler mehr Wahlmöglichkeiten innerhalb des Spiels hat. Man kann in "Contracts" Gewalt anwenden - darüber besteht kein Zweifel. Das Entscheidende ist aber, dass man es nicht muss. Es geht letztendlich darum, den perfekten Auftrag abzuliefern - und dabei stehen einem unzählige Möglichkeiten "von... bis" zur Verfügung. Das ist es, was das Spiel ausmacht.
gm: In anderen Märkten wie den USA oder Großbritannien ist Gewaltdarstellung weniger problematisch. Büßt "Hitman: Contracts" aufgrund der zurückhaltenden Gewaltdarstellung in diesen Märkten Potenzial ein?
Winkler: Da haben wir keine Bedenken, weil "Hitman: Contracts" alles andere als ein "gerupftes Huhn" ist. Am Spielprinzip rund um den Auftragskiller wurde nichts verändert. Hitman steht sogar ein neues Waffenarsenal zur Verfügung. Und last but not least ist "Contracts" mit seinen düsteren Horror-Elementen und den Schockeffekten mit Sicherheit nicht als "zurückhaltend" zu bezeichnen. Kein Zweifel: "Hitman: Contracts" wird den Spielern in Deutschland und in allen anderen Nationen genau das bieten, was sie von dieser Reihe erwarten: ein Action-Spiel für Erwachsene.