Seit dem Verkauf der von ihm gegründeten Firma MediaGold an die BVRP Software Group gehört Andy Goldstein zu einem weltweit operierenden Softwareunternehmen. MCVgamesmarkt sprach mit dem Geschäftsführer Avanquest Deutschland & Executive Director Avanquest Worldwide über die Auswirkungen des Verkaufs, seine Pläne und Strategien.

Warum die Umbenennung von MediaGold in Avanquest Deutschland?

Andrew M. Goldstein: Im Oktober 2003 hat die BVRP Software Group, Gründer des Avanquest Global Publishing Network, die MediaGold in Deutschland und UK zu 100 Prozent übernommen. Grund für den Verkauf war der Wunsch, Teil einer weltweiten Softwarefirma zu sein. Nun haben wir Zugang zu einem viel größeren Produktportfolio und können die wirtschaftlichen Vorteile eines starken Netzwerks nutzen, zum Beispiel beim technischen Kundendienst und Marketing. Auf der Produktseite ist CyberLink ein gutes Beispiel: Avanquest hatte mit CyberLink zuerst in den USA einen Vertrag, der jetzt auf Deutschland, Frankreich, UK und Spanien ausgedehnt wurde. Im Moment stehen 15 weitere Verträge auf europäischer bzw. weltweiter Basis vor der Unterzeichnung, zu denen wir als MediaGold allein nur schwer Zugang bekommen hätten.

Welche Effekte hat dies grundsätzlich für Ihr Unternehmen?

Goldstein: Von der personellen Seite her bleibt es beim bewährten MediaGold-Team, das nicht zuletzt dank der Integration ins Avanquest-Netzwerk behutsam, aber stetig ausgebaut wird. Ein weiterer wichtiger Punkt für die deutsche Organisation ist die Tatsache, dass ich neben meiner bestehenden Tätigkeit als Geschäftsführer der deutschen GmbH auch als einer von weltweit zwei Exekutivdirektoren agiere und daher das Münchner Avanquest-Büro zugleich europäisches Hauptquartier ist. Die Produktseite gewinnt an Gewicht, und gleichzeitig haben unsere Mitarbeiter jetzt einen viel europäischeren Fokus als bisher. Dabei entsprechen unsere Strategie und unser Ziel genau dem Firmenmotto: World Class Software, worldwide.

Nennen Sie ein paar Details zur BVRP Group Company?

Goldstein: BVRP feiert in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen und ist in Frankreich seit 1996 börsennotiert. Die Unternehmensgruppe hat zwei Schwerpunkte: Ursprünglich als Kommunikationssoftware-Firma gegründet, hat BVRP natürlich eine starke Developmentabteilung, deren Software in 26 Sprachen übersetzt wird und sich zum Beispiel auf jedem Dell-Computer weltweit findet. Vor ungefähr fünf Jahren entschied sich BVRP, ihre Interessen zu diversifizieren und mit ihrer Entwicklerkompetenz in das Geschäft mit Third-Party-Software einzusteigen. Damit war die Avanquest-Idee geboren. Als Gruppe hat BVRP 2003 einen Umsatz von 48,5 Millionen Euro gemacht, von denen etwa 35 Millionen auf das Konto von Avanquest gehen. BVRP gehören inzwischen Firmen in Frankreich, USA, Deutschland und UK, und sie arbeitet in Südafrika, Italien, Asien und Australien eng mit Partnern zusammen. Und die Expansion in neue Länder wird auch 2004 weitergehen.

Welche Funktionen übt die BVRP Group Company in toto aus?

Goldstein: BVRP deckt mit seiner technischen Eigenentwicklung und den Avanquest-Aktivitäten 100 Prozent der Softwareversorgungskette ab. Das heißt, wir haben Ressourcen für Entwicklung, Produktion, Marketing, Verkauf und technischen Kundendienst in allen Territorien und decken dabei Handel, OEM, Reseller- und ESD-Kanäle ab.

Gibt es Überlegungen, sich im Bereich Entertainment stärker zu engagieren?

Goldstein: Avanquest Deutschland ist bereits aktiv im Entertainmentsegment mit Titeln wie "Bob der Baumeister" von BMG und den "Prima"-Lösungsbüchern von Random House. Wir führen auch eine Serie von PlayStation-Titeln. Natürlich liegt die Stärke von Avanquest heute ganz klar im Business- und Productivity-Markt. Aber nachdem wir die entsprechenden Kanäle ohnehin bedienen, werden wir unsere Aktivitäten auch im Entertainmentbereich entsprechend den sich bietenden Gelegenheiten ausweiten.

Was bedeutet das alles konkret für Ihre Handelspartner in Deutschland?

Goldstein: Bis vor kurzem hat MediaGold Germany 95 Prozent seiner Umsätze mit Handelsverkäufen gemacht. Durch den Avanquest-Verbund haben wir Zugang zu einer großen Anzahl von hochwertigen Produkten für Reseller- und Unternehmenskanäle, womit sich unser Geschäft verschieben und in diesem Jahr voraussichtlich bei 70 Prozent Handel und 30 Prozent Reseller liegen wird. Entsprechend erweitern wir derzeit die Anzahl der Distributoren. Wenn Sie Avanquest in Frankreich oder England betrachten, sehen Sie Firmen, die gleichzeitig im Handel, Reseller-, Lizenz-, Solutions-, ESD- und OEM-Geschäft sind. Ich erwarte, dass Avanquest Deutschland in den nächsten ein bis zwei Jahren ein ähnliches Profil haben wird. Das macht uns zu einem weitaus interessanteren Partner für die Channels.

Wie stellt sich der deutsche Softwaremarkt heute dar?

Goldstein: Kurz gesagt: Der normale Konsument kauft seine Software übers Internet, über Handel, Wiederverkäufer und im Unternehmensbereich von den Corporate-Resellern. Avanquest bedient all diese Kanäle, und zwar in erster Linie durch Lieferung an jene Distributionen, die die nötige Logistik bieten, um eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen.

Welche Bedeutung hat für Avanquest die Vertriebslinie E-Tail - heute und in fünf Jahren?

goldstein: Die nichtphysische Distribution via ESD macht mit mehr als sieben Prozent bereits einen beachtlichen Teil der Umsätze von Avanquest aus. Dieser Anteil wird in den nächsten fünf Jahren dank eines allgemein immer günstigeren Internetzugangs sicherlich auf mindestens 20 Prozent steigen. Benutzer, die die Software direkt per Download kaufen wollen, können dies schon seit längerem auf unseren Websites via Shop tun.

In den letzten zwei Jahren kamen über Sie immer häufiger auch Kollektionen und Bundles in den Markt. Eine Strategie mit Zukunft?

Goldstein: In der Tat. Dank des internationalen Produktportfolios von Avanquest haben wir nun Zugriff auf eine viel breitere Produktpalette. Zusätzlich haben wir dank der Zugehörigkeit zu BVRP Zugang zu enormen Entwicklungskapazitäten. Unser Ziel ist daher, diese Kollektionen immer mehr zu integrieren, Komplettlösungen zu machen und dem Kunden auf diese Weise Lösungen aus einem Guss anzubieten. Dies konnten wir zum Teil bereits realisieren - mit einem gemeinsamen Front-End für alle "Datenschutz Komplett 3"- und "DVD & Video Komplett"-Produkte.

Wirkt sich das Piraterieunwesen in Ihrer Branche ähnlich gravierend aus wie in der Musikbranche?

Goldstein: Absolut! Die Schäden durch Piraterie betragen rund die Hälfte des Marktvolumens, das heißt, unsere Umsätze würden sich ohne Piraterie verdoppeln! Dies war immer ein großes Problem für die Softwareindustrie - und wird es sicher auch weiterhin sein.

Welche Ziele haben Sie sich fürs laufende Jahr gesetzt?

Goldstein: Innerhalb von BVRP hat Avanquest 2003 rund 35 Millionen Euro Umsatz beigesteuert, die wir 2004 um mindestens 15 Prozent steigern wollen - und dank verstärkter Aktivitäten in allen Kanälen auch entsprechend steigern werden.

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