Im Gespräch: Dr. Dietrich Meutsch, GF THQ
THQ Entertainment schaut auf ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr zurück, das von Umstrukturierungen geprägt war. Über die Veränderungen und Ziele von THQ sprach GamesMarkt.de mit GF Dr. Dietrich Meutsch.
GamesMarkt.de: Wie lief das vergangene Geschäftsjahr für THQ?
Dr. Dietrich Meutsch: Wir hatten ein sehr gutes Jahr mit einer Umsatzsteigerung von rund 30 Prozent und auch mit einer erheblichen Steigerung unseres Gewinns. Und das trotz des Wechsels der Konsolenplattformen im letzten Jahr.
GM: Das vergangene THQ-Jahr war in Deutschland gekennzeichnet durch massive Umstrukturierungen.
Meutsch: Na, ob ich die massiv nennen würde… Aber egal. Wir mussten einige Prozesse neu organisieren: Rushware war in alten Zeiten zunächst Großhändler, und später war Kaarst der Sitz der Funsoft Holding. Die Organisationsstruktur entsprach dem. Die aktuelle Struktur von THQ sieht heute aber ganz anders aus. So berichten wir direkt an die USA und nicht über ein European Headquarter. THQs Schnittstelle zwischen lokalen Marketingabteilungen und den internationalen Lizenzpartnern hat ihren Sitz in London und nicht in Deutschland. Andererseits erfüllen wir hier in Kaarst auch zentrale Aufgaben, wie etwa die weltweite Lokalisierung und die internationale "Art". Die mit diesen Verantwortungsbereichen zusammenhängenden Umstrukturierungen haben wir inzwischen erfolgreich durchgeführt.
GM: Im Zuge dieser Umstrukturierungen wurde auch Personal abgebaut. Wie viele Beschäftigte hat THQ heute?
Meutsch: Ja, wir haben Personal abgebaut, insbesondere im Salesbereich. Dies ist leider die zwangsläufige Folge des Konzentrationsprozesses im Handel. Insgesamt beschäftigt THQ in Kaarst jetzt 52 Mitarbeiter, davon arbeiten 15 Personen in zentralen Funktionen.
GM: Was sind Ihre Ziele für 2002?
Meutsch: Wir wollen unseren Umsatz wiederum überproportional gegenüber 2001 steigern. Das Erreichen dieses Ziels hängt natürlich auch von der Performance der neuen Konsolen Xbox und GameCube ab. Auch bei den Softwareverkäufen für den Game Boy Advance haben wir die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Voraussetzung ist allerdings, dass hier attraktivere Preispunkte gesetzt werden - bei der Hardware, vor allem aber bei der Software. Es würde allen Publishern helfen, wenn Nintendo die Royalties senken würde. Ich glaube nicht, dass die Third-Party-Publisher ohne diese Hilfe langfristig Erfolg haben können.
GM: THQ geht auch ungewöhnliche Wege. Um den Game Boy Advance zu pushen, haben Sie beispielsweise einen interessanten Preispunkt gewählt.
Meutsch: Ja, wir sind schließlich einer der Top-3-Publisher für den Game Boy und möchten das auch bleiben. Die sehr niedrige Tie-Ratio beim GBA ist ebenso ein Problem wie die fehlenden Durchverkäufe der vielen Titel. Deshalb mussten wir reagieren und haben uns entschlossen, neue Preispunkte zu testen. UnsereMotivlage dabei war klar: Zum einen wollten wir sehen, ob über den Preis die Durchverkäufe beschleunigt werden. Und zweitens wollten wir dem Handel helfen, der uns schließlich auch geholfen hat und immer versucht, auch unser doch recht "amerikanisches" Line-up erfolgreich zu vermarkten. Zum Ergebnis dieses Tests kann ich mich noch nicht abschließend äußern, allerdings sehen wir einen positiven Trend. Trotzdem können auch derartige, letztendlich für uns Publisher margenreduzierende Maßnahmen das Grundproblem, das niedrige Niveau der Installed Base, nicht ändern.
"Nintendo muss 3rd Parties helfen"
GM: Einen Überfliegererfolg konnte THQ auch mit "RTL Skispringen 2002" verbuchen. Über welche Größenordnungen reden wir?
Meutsch: Knapp unter 100.000 durchverkaufte Units. Das gilt sowohl für die PC-Version als auch für die PSone. Bei "Skispringen" hat alles gestimmt: Ein gutes Produkt, die Erfolge der deutschen Skispringer und die neue Art der Berichterstattung von RTL.
GM: Sprechen wir über den Markt allgemein: Wie sehen Sie die Konsolidierung im Handel?
Meutsch: Jede Medaille hat zwei Seiten. Positiv ist, dass wir unsere Kräfte mehr fokussieren können. Gerade im Vergleich mit England, Frankreich oder den USA zeigt sich,wie wichtig die interne Fokussierung ist und was es bedeutet, sich nicht in einem heterogenen Markt bewegen zu müssen. Negativ ist, dass stärkere Abhängigkeitsstrukturen zwischen Handel und Anbieter entstehen.
GM: Lässt diese Konzentration nicht Versorgungslücken entstehen?
Meutsch: Eventuell kurzfristig. Langfristig wird sich das für unsere Branche ebenso regulieren wie für alle anderen Markenartikel und -anbieter auch. Aber, wie gesagt, der Fokus auf das Key-Account-Geschäft ist aus Kosten- und Managementsicht kein schlechter Weg. Und THQ hat ein breites Portfolio mit sehr unterschiedlichen Preispunkten. Vor diesem Hintergrund ist es unsere Aufgabe, Zielgruppen nicht nur über Marketingtools, sondern auch direkt über den Handel anzusprechen und zu differenzieren. Vom Produkt über das Marketing und das Key-Account-Management bis zum Outlet muss zielgruppengerecht durchgesteuert werden.
GM: Wie viele Titel wird THQ in diesem Jahr noch veröffentlichen?
Meutsch: Insgesamt haben wir für dieses Jahr circa zehn Titel für die Xbox, zehn für den GameCube, 20 für den Game Boy Advance, 15 bis 20 für die PlayStation 2 und circa zehn PC-Titel in der Pipeline - also knapp 80 Releases. Key-Titel sind dabei die Wrestling-Titel, die in Deutschland besser als erwartet laufen. "WWF SmackDown!!" für die PlayStation 2 hat sich im letzten Jahr beispielsweise fast 60.000 Mal verkauft und damit nahezu zehn Prozent der Installed Base 2001 abgedeckt. Ein weiterer Schwerpunkt ist unser Britney Spears-Titel für PS2, GBA und PC. Nach anfänglicher Skepsis sind wir inzwischen Feuer und Flamme: Das Spiel ist absolut gelungen, die Presse ist begeistert. Es gibt für diese Art von Spielen neue Zielgruppen, die anzusprechen sehr lohnend ist. Die Preispunkte werden uns dabei helfen; so wird zum Beispiel die PS2-Version circa 39 Euro kosten. "Jimmy Neutron" möchte ich erwähnen, gleichzeitig mit Erscheinen unseres Spiels startet der Film. Weiter genannt werden müssen selbstverständlich die neuen Entwicklungen aus dem Hause Volition, also "Summoner 2" und "Red Faction 2". Darüber hinaus wird es noch einige wirklich interessante Überraschungen geben, über die ich jedoch jetzt noch nicht sprechen möchte.
GM: Wir danken für das Gespräch