Im Gespräch: Gerald Köhler, Chefentwickler "Fussball Manager 2003"
Im Gespräch mit GamesMarkt.de verriet Chefentwickler Gerald Köhler interessante Details zu "FM 2003" und den geplanten Nachfolgern.
GamesMarkt.deDer "Fußball Manager 2003" ist das erste Produkt des deutschen EA-Entwicklerteams, das von Grund auf für eine globale Vermarktung konzipiert wurde. Inwiefern hat die internationale Ausrichtung die Entwicklung beeinflusst?
Gerald Köhler: Eigentlich überhaupt nicht. Die Unterschiede vor allem zwischen dem deutschen und dem englischen Markt sind ein großer Mythos. Wir haben im letzten und in diesem Jahr bewiesen, dass man auf beiden und auch auf den anderen Märkten erfolgreich sein kann, ohne dass man spezielle Versionen herausbringt. Es gibt aber feste Regeln, an die man sich halten muss. Dazu gehört die korrekte Abbildung der Manageraufgaben in den einzelnen Ländern, die Verwendung korrekter Regeln und der sorgsame Umgang mit Humor. Die deutschen Managerspieler nehmen den Fußball viel weniger ernst, als ihre englischen es Kollegen tun.
GM: Welche konkreten Veränderungen gibt es gegenüber der Vorjahresversion?
Köhler: Im Vorjahr hatten wir gerade 9 Monate für die Entwicklung, diesmal waren es 14. Weite Teile des Spiels sind komplett neu, aber wir haben trotzdem voll auf der Vorjahresversion aufgebaut. Die Spieler werden nichts vermissen. Grafisch und spielerisch hat der "FM 2003" ein ganz anderes Kaliber als der Vorgänger.
GM: Was sind die Alleinstellungsmerkmale des "FM 2003"?
Köhler: Zunächst die für Managerspiele einmalige FIFA 2002-Engine, die offiziellen Lizenzen fast aller wichtigen Länder wie Deutschland, England, Frankreich, Italien, Österreich, der Schweiz, Belgien, Schottland usw. Wir haben allein 45 Ligen mit Originaldaten im Spiel. Daneben gibt es im "FM 2003" jede Menge ganz spezieller Spielfeatures, vor allem das integrierte "kicker Sportmagazin", den Stadioneditor, das neue Vereinsgelände, die Rollenspielelemente bei der Verbesserung der eigenen Spieler, die Scouting-Funktionen und vieles mehr.
GM: Welche Zielgruppe soll der "Fußball Manager 2003" ansprechen, und wie wurde dies bei der Entwicklung berücksichtigt?
Köhler: Die Zielgruppe ist extrem einfach zu umreißen: 15 bis 30 Jahre alt, Fußballfan, männlich. Unser Frauenanteil liegt unter 0,1 Prozent, und wer kein Fußballfan ist, wird nicht zu unserem Produkt greifen. Bei Fußballmanagern wird immer der Core-Gamer angesprochen werden, und dieser ist in erster Linie zufrieden zu stellen. Wenn er lange spielt und das Spiel lange auf der Festplatte bleibt, dann wird er auch andere Leute mit seiner Begeisterung anstecken. Nichtsdestotrotz tun wir alles, um auch für Einsteiger attraktiv zu bleiben; gerade in die Hilfefunktionen ist beim "FM 2003" viel Zeit geflossen. Nicht vergessen sollte man auch, dass wir ein offizielles Lizenzprodukt sind, d. h. nur bei uns gibt es Originalwappen und -namen. Das macht gerade für Einsteiger in das Genre die Entscheidung für den "FM" leicht. Während der Entwicklung sprechen wir viel mit unseren Spielern. www.fm2003.de ist die größte deutsche Managerseite im Netz, und dort finden Diskussionen auf hohem Niveau statt. Hier werden viele der Ideen geboren, die nachher im Spiel sind.
GM: Inwieweit wurden schon bei der Entwicklung Mitbewerber-Produkte berücksichtigt, um sich entsprechend abzugrenzen?
Köhler: Ich schaue mir jeden Manager an, den ich in die Finger bekomme. Das gehört zu meinem Beruf. Aber wir grenzen uns nicht bewusst ab. Wir kennen unsere Spieler und versuchen, das bestmögliche Produkt zu machen.
GM: Haben Sie bereits Feedback aus den internationalen Märkten zu "FM 2003" erhalten?
Köhler: Der Verkauf ist hervorragend angelaufen, und das setzt sich zurzeit fort. In England haben wir sensationellerweise Platz eins erreicht, das war wirklich für das erste Jahr ein unglaublicher Erfolg. In Frankreich waren wir drei Wochen auf Platz zwei und stehen auch jetzt noch auf Platz drei der Charts, in Skandinavien war es nicht anders. Das Feedback der Spieler ist überall toll, man merkt richtig, wie sie sich freuen, dass in die Managerszene jetzt auch international wieder mehr Bewegung kommt. Das Genre hat jahrelang stagniert.
GM: In welchen Ländern wird "FM 2003" parallel zu Deutschland starten und welche Länder sollen später "bedient" werden?
Köhler: Er startet parallel auch in Österreich und in der Schweiz. Alle anderen Länder (zwölf weitere) wurden bereits im September und Oktober mit dem "Total Club Manager 2003" und dem "LFP Manager 2003" versorgt. Die deutschsprachige Version hat aber noch viele zusätzliche Features und kam daher in diesem Jahr etwas später.
GM: Welche Erwartungen hat der Konzern Electronic Arts an die internationale Vermarktung von "FM 2003"? Wie groß ist der tatsächliche Erfolgsdruck - oder wird die diesjährige Version noch als eine Art "Türöffner" verstanden?
Köhler: Wir haben nach dem großen Erfolg der letztjährigen Version in Deutschland auch international große Vorschusslorbeeren erhalten - und das Vertrauen des Marketings nicht enttäuscht. Wir werden die Erwartungen in diesem Jahr locker übertreffen. Der große Erfolgsdruck spornt an. Man ist jetzt sozusagen auf uns aufmerksam geworden und sieht das Wachstumspotenzial. Doch wenn wir uns hätten ausruhen wollen, dann wären Rolf Langenberg und ich damals nicht von Ascaron zu EA gewechselt. Diese internationale Herausforderung ist ja eben genau das Reizvolle. Bei EA Sports ist es Vorgabe, jedes Jahr auf den Tag genau eine Version abzuliefern, was wir jetzt inklusive der englischen Version dreimal hintereinander perfekt hinbekommen haben. Wir können es uns auch nicht leisten, nach der Veröffentlichung noch drei Monate in die Fehlerbehebung zu stecken, nur weil vorher schlecht geplant wurde, wie das immer mehr um sich greift. Diese Zeit ist für die Entwicklung unwiederbringlich verloren. Und davon einmal abgesehen, hat der Spieler ein Recht darauf, dass sein Spiel auch auf Anhieb läuft. Das gilt gerade für Einsteiger. Wenn der erste Spielekauf ein solches Desaster war - warum sollte er oder sie sich dann noch ein weiteres kaufen? Hier steht auch die Fachpresse in der Pflicht, die solchen Herstellern durch großzügige Nachtests noch in die Hände spielt.
GM: Welche künftigen Weiterentwicklungen sind beim Franchise "Fußball Manager" geplant?
Köhler: Im nächsten Jahr werden wir mit der neuen FIFA 2003 -Engine und vielen neuen Ideen zunächst einmal den "FM 2004" erstellen. Wir haben jetzt eigentlich alle Grundfunktionen bis auf den Nationaltrainermodus im Spiel, d. h. für das nächste Jahr können wir richtig kreativ werden. Man merkt, dass den Fans des Genres so langsam ein wenig die Ideen ausgehen, daher ist es jetzt Zeit für ein paar neue Impulse. Für das nächste Jahr steht eine große Anzahl wirklich neuer Features an, die es so noch nicht gegeben hat. Mittelfristig steht dann natürlich die Konsolenentwicklung im Vordergrund. Sie ist ganz einfach der nächste logische Schritt für die Entwicklung des deutschen Studios.
GM: Vielen Dank für das Gespräch.