Im Gespräch: Jürgen Beck, Country Manager TLC. "Mit TLC neue Erfolge feiern'
Vor wenigen Wochen wurde die Spieledivision von (TLC) an den französischen Publisher Ubi Soft verkauft. GamesMarkt.de sprach mit , der erst seit kurzem als Country Manager Deutschland bei der Münchner Niederlassung von TLC
GamesMarkt.de: Sie haben zum 1. April die Leitung von TLC Deutschland übernommen. Kurz zuvor wurde die Spieledivision von TLC an Ubi Soft verkauft. Wie beurteilen Sie diesen Deal?
Jürgen Beck: Die Spiele hatten für TLC weltweit einen Umsatzanteil von etwa 25 Prozent. Unter diesem Gesichtspunkt war der Verkauf aus Sicht unserer Mitter Gores Technolohy Group (GTG) sinnvoll.
GM: Hat der Verkauf für das Team von TLC Deutschland Konsequenzen?
Beck: Im Moment nicht. TLC Deutschland hat dadurch einiges an Umsatz verloren. Einen Teil werden wir durch Republishingkonzepte auffangen. Ein gewisses Maß an Umstrukturierungen wird sich mittelfristig auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen aber nicht vermeiden lassen. Wie diese Maßnahmen aussehen werden, ist aber noch zu klären. Zunächst war es für uns wichtig, die Modalitäten und das Handling der bereits erschienenen Spiele zu klären. Wir haben in Zusammenarbeit mit Ubi Soft klare Fakten für unsere Handelspartner geschaffen. Ubi Soft übernimmt alle Rechte und Pflichten. Ich denke, wir können zu Recht sagen, dass niemand im Regen stehen gelassen wurde.
GM: Wie hoch wird der Umsatz von TLC Deutschland in diesem Jahr sein?
Beck: Wir können momentan aufgrund bevorstehender Vertragsabschlüsse noch keine feste Größe nennen.
GM: Was sind die nächsten Schritte?
Beck: Für uns heißt es jetzt: Back to the Roots. Unser Hauptaugenmerk gilt den Segmenten Productivity und Kids mit unseren Labeln "The Learning Company" für die mehrfach ausgezeichnete Kinderlernsoftware und Lernsoftware für Erwachsene sowie "Broderbund" für unsere hochwertigen Infotainment-, Gestaltungs- und Lifestyletitel.
GM: Gibt es schon konkrete Pläne?
Beck: Wir haben in den vergangenen Tagen und Wochen verschiedene Konzepte entwickelt. Ein Aspekt sind etwa Zweitvermarktungen. Aber auch Kooperationen werden ein Thema sein. Wir verfügen über eine eigene Vertriebsstruktur mit erfahrenen Key-Accountern. Und wir haben mit MediaGold einen Distributor, der einen sehr guten Job macht.
GM: Sie wollen also auch Produkte für andere Firmen vertreiben?
Beck: Ja. Durch unsere Struktur sind wir nach wie vor in der Lage, Produkte am day one weltweit auf den Markt zu bringen. Wir wollen und werden im Bereich Publishing, Republishing und Distribution aktiv werden.
GM: Welche Vorteile hat TLC neben seinem internationalen Vertriebsnetz zu bieten?
Beck: Der Markt konzentriert sich derzeit sehr stark. Die Zeit, die ein Einkäufer für jeden Außendienstler hat, steigt hingegen nicht. Es ist eigentlich schon heute nicht mehr möglich, ein immer größer werdendes Portfolio in dieser kurzen Zeit darzustellen und zu verkaufen. TLC ist in der Lage, sich auf Produkte zu fokussieren. Unser eigenes Portfolio ist in den Bereich Productivity und Kids bereits ausgereift. Aber wir sind trotzdem in der Lage, Angebote zu prüfen, zu analysieren und je nach Deal weltweit zu publishen oder zu vertreiben.
GM: Wie steht denn die internationale Mutter zu diesen Plänen?
Beck: Aus den USA gibt es ganz klare Signale: Es sind keine weiteren Maßnahmen im Stil des Verkaufs der Spieledivision geplant. Mit diesem Verkauf sollte das Unternehmen auf die Kernkompetenz zurückgeführt werden. Gleichzeitig wurde bewusst die Möglichkeit offen gelassen, Lizenz- und Vertriebsdeals für Produkte aller Genres einzugehen. Schließlich entstehen durch Vermarktungsverträge keine Overheads, wie beispielsweise bei eigenen Entwicklerstudios. Und auch unser Europaheadquarter in Paris hat uns klar und eindeutig aufgefordert, Produkte auch für den deutschen Markt zu akquirieren. Wir können jeden Kunden betreuen, jedes Produkt publishen. Uns stehen alle Möglichkeiten offen, und wir sind bereit, mit jedem zu sprechen.
GM: Für Sie bedeutete der Wechsel zu TLC der vom Spielebusiness ins Non-Games-Geschäft. Wie beurteilen Sie beide Märkte?
Beck: Die Entscheidung, zu wechseln, ist mir generell nicht leicht gefallen. Nicht wegen TLC, sondern weil ich bei Take 2 viele Freunde habe und es sich um ein sehr homogenes Team handelt. Allerdings war ich jetzt sechs Jahre im Spielebereich und möchte mit TLC jetzt auch in anderen Bereichen neue Erfolge feiern. Nebenbei bin ich mir ziemlich sicher, dass ausschließlich auf Games spezialisierte Firmen in diesem Jahr noch Probleme bekommen werden. Das Geschäft mit Non-Games ist konstanter und planbarer.
Keine weiteren Maßnahmen geplant
GM: Kann die Schwäche im Spielemarkt helfen, künftig mehr Fläche im Handel für Productivity oder Kids-Software zu bekommen?
Beck: Meiner Erfahrung nach ist es sehr schwer, Handelspartner davon zu überzeugen, langfristig auch bei diesen, sich nicht so schnell drehenden Produkten auf die Massenpräsentation zu setzen. Es wäre aber durchaus möglich, dass die Situation im Spielemarkt dazu führt, dass die Retailer Alternativen ausprobieren. Die Händler merken sehr wohl, dass in unserem Bereich die Margen sehr stabil sind.
GM: Noch ist der Buchhandel das klassische Outlet für Kindersoftware.
Beck: Ja, der Buchhandel ist ein sehr wichtiger Kanal in diesem Bereich. Viele Buchhändler haben die Vorteile des Sortiments Multimedia erkannt. Gerade die Marktführer wie Hugendubel oder Mayer"sche führen und pflegen seit Jahren das Sortiment Software und werden auch von den Außendienstmannschaften besucht. Dennoch gibt es auch im Buchhandel noch viel Potenzial.
GM: Was ist mit dem Spielwarenhandel?
Beck: Kinderspiele und große Marken funktionieren auch im Spielwarenhandel. Die großen Ketten gehen auch auf Konzepte und Aktivitäten ein. Der klassische Spielwareneinzelhandel ist ansonsten aber ein extrem betreuungsintensives Geschäft. Die Händler sind im Konsolengeschäft willig und fähig, in unserem Produktsortiment gibt es aber noch Berührungsängste.
GM: Kommen wir zu den Produkten. Die Spiele sind weg. Was genau ist übriggeblieben, und welche Neuheiten kommen in diesem Jahr?
Konzepte für Zweitvermarktungen
Beck: Wir haben alles behalten, was nicht in den Spielebereich fällt. Und wir werden alle Reihen weiter ausbauen. Es werden neue "ProjektMaster"-Titel für weitere Klassenstufen kommen. Es sind neue "PokéROMs" geplant und auch weitere Aktivitäten für "Billi Banni", "Sesamstraße" und "Cosmopolitan". Und wir arbeiten an Konzepten, wie wir unsere bereits erschienenen Titel über Bundlings oder Zweitvermarktungen weiter nutzen können. Erste Ergebnisse in dieser Hinsicht sind für September zu erwarten.
GM: "ProjektMaster" ist ein junges Projekt in einem nicht ganz einfachen Markt. Sind Sie mit der Reihe zufrieden?
Beck: Ja. Es ist natürlich ein langfristiges Projekt, das sehr wichtig für uns ist. Die die Konkurrenz bei lehrplanbasierter Software ist natürlich groß. Die Anteile in diesem Markt muss man sich erkämpfen. Wir agieren dort auch mit etwas ungewöhnlichen Marketingaktionen. In erster Linie ist es jetzt wichtig, die handlungsorientierte Kinderlernsoftwarereihe möglichst schnell zu komplettieren.
GM: Versuchen auch Sie Ihr Glück über die Schulen?
Beck: Die Schulen sind für uns, wie für alle anderen in der Branche, auch sehr wichtig. Allerdings sind die Schulen weniger als "Absatzkanal" interessant. Die Bedeutung der Schulen, und da vor allem die des Lehrers, liegt in deren Eigenschaft als Multiplikatoren und Opinionleader.
GM: Herr Beck, vielen Dank für das Gespräch.