Vor zwei Jahren wagte Michael Schroeder den Schritt in die Selbstständigkeit. Im Interview mit GamesMarkt.de sprach er über die Entwicklung, die sein Unternehmen more software Mediengesellschaft seither genommen hat.

GamesMarkt.de: Seit Juli 2001 vertreibt die more software Mediengesellschaft Produkte von Cornelsen, seit Juni Titel von Heureka-Klett. Welche weitergehenden Distributionsvereinbarungen plant more software in diesem Jahr noch zu tätigen?

Michael Schroeder: Mit Heureka-Klett und Cornelsen hat more software in den vergangenen zwei Monaten zwei Giganten an Land ziehen können. Der eigentliche Abschluss mit beiden Partnern war für more software sicherlich sehr erfolgreich und gut für unser Ego. Aber es war sehr schwierig, beide Partner davon zu überzeugen, von demselben Distributionspartner vertrieben zu werden. Das hat Kraft und viele Flugmeilen gekostet. Das lässt sich damit vergleichen, wenn Mercedes und BMW beschließen würden, über eine gemeinsame Vertriebsorganisation im Ausland vertreten zu werden. Unsere Vereinbarungen mit Cornelsen und Klett waren nur möglich, weil wir für sie die Distributionsschienen Warenhaus, Unterhaltungselektronik- und Flächenmärkte sowie den PC-Fachhandel betreuen, nicht den Buchhandel. Denn das Hauptgeschäft beider Distributionspartner wird über den Buchhandel betrieben, und diesen können wir zum heutigen Zeitpunkt nicht flächendeckend betreuen. Meine Mitarbeiter und ich sind nun bemüht, Cornelsen und Klett zu integrieren. Das bedarf viel Zeit und höchster Aufmerksamkeit, so dass für neue, weitere Distributionspartner in den nächsten zwei Monaten eine "Warteliste" aufgebaut wird. Leider musste ich im Hinblick auf die zu erwartenden Abschlüsse mit Cornelsen und Klett schon zwei guten Labels eine vorläufige Absage erteilen. Aber ab Oktober, noch gerade rechtzeitig für das Jahresendgeschäft, wird ms wieder in der Lage sein, neue Partner zu integrieren. Derzeit stehen wir mit einem Label kurz vor dem Abschluss und führen mit einem zweiten Brand erfolgreiche Verhandlungen. Wir haben sogar schon für nächstes Jahr Gespräche mit eventuellen Distributionspartnern aufgenommen. Aus Gründen der Diskretion darf und möchte ich derzeit aber keine Namen nennen.

GamesMarkt: Strebt more software mit den jüngsten Vertriebsvereinbarungen an, seine Unternehmenstätigkeit ganz auf den Bereich Info-/Edutainment zu verlagern?

Michael Schroeder: Sicherlich setzen wir zurzeit den Schwerpunkt klar auf Info-/Edutainment, weil wir unsere Stärken und Schwächen kennen gelernt haben. more software ist kein Publisher für Games, aber durchaus auch ein interessanter Partner für klassische Anwendungssoftware. Das bedarfsgerechte Disponieren steht bei uns im Vordergrund, im Gamessektor müssen Sie beim EVT eine fünf- oder sechsstellige Zahl in den Markt hineindrücken und hoffen, dass die Remi-Quote gering bleibt. Bei more software lag die Remissionsquote bei unter 15 Prozent.

GamesMarkt.de: Welchen Stellenwert messen Sie bei der Distribution von Produkten dem Buchhandel im Vergleich zu Warenhäusern, Flächenmärkten und Einzelhandel bei?

Michael Schroeder: Grundsätzlich ist es mein Ziel, alle Vertriebsschienen optimal zu betreuen. Derzeit habe ich aber nur vier Mitarbeiter im Außendienst. Daher kann ich den deutschen Buchhandel nicht flächendeckend betreuen. Hierfür gibt es spezielle Vertriebsorganisationen. Daher spezialisiere ich mich in der Anfangsphase auf die Flächenmärkte und Warenhäuser und besuche die Top 50-Buchhändler Deutschlands. Da das Buch im Flächenmarkt eine unbedeutende Rolle spielt, konzentrieren wir uns derzeit auf die Software, die im klassischen Buchhandel, wie das Buch im Flächenmarkt, zu kurz kommt. Selbst bei der Betreuung unserer Stammkunden kenne ich die Schwachstellen von more software. Sobald die ausgemerzt sind, können und werden wir uns um die Buchhändler kümmern. Nur über den Buchhändler kann eine 100-prozentig flächendeckende Versorgung garantiert werden.

Vertrag mit Midas nicht erweitert

GamesMarkt.de: Wie hat sich der Bereich Games entwickelt, seit more software Mitte April vergangenen Jahres mit Produkten von Midas Interactive in den Markt für Computerspiele eingestiegen ist?

Michael Schroeder: Es wäre besser gewesen, wenn ich mich auf mein Bauchgefühl verlassen hätte. Positiv an diesem Geschäft war, dass ich nun um eine Erfahrung reicher bin und exakt die Stärken von ms kenne. Der Vertrag mit Midas Interactive hat unsere Remissionsquote negativ beeinflusst. Die Entscheidung im Mai letzten Jahres, 20 Spiele für 9,95 Mark zu veröffentlichen, war ein Fehler. Zwar konnten wir 50 Prozent der Erstauflage in den ersten drei Monaten durchverkaufen, dennoch erweiterte Midas den Vertrag für die seinerzeit angedachten PlayStation-Spiele nicht. Deren Erwartungen im Abverkauf lagen wohl höher. Heute bin ich deswegen nicht mehr traurig, da wir die Grenzen unseres Könnens erkannt haben und bei unseren Partnern keine falschen Hoffnungen wecken möchten.

GamesMarkt.de: Welche Vertriebspartner hat more software? Welche Labels und Produkte gehören derzeit zum Sortiment des Unternehmens?

Michael Schroeder: Da Wirtschaftlichkeit heute an erster Stelle stehen muss, haben Steinberg und more software in beiderseitigem Einvernehmen die Zusammenarbeit zum 31. Juli 2001 beendet. Aufgrund der gewachsenen Freundschaften bedaure ich dies zutiefst. Neben Cornelsen und Heureka-Klett vertreiben wir für folgende Unternehmen Produkte: für den Spiele- und Toolspublisher astragon aus Hagen, ein Senkrechtstarter aus diesem Jahr und aus dem Sortiment nicht mehr wegzudenken, zudem ashampoo aus Oldenburg, spezialisiert auf preiswerte Tools, die im internationalen Vergleich bereits die Spitzenplätze im Downloadbereich belegen. Zu unseren Kunden zählt auch Chessbase aus Hamburg für die Nebenprodukte rund um "Fritz" und Directmedia Publishing aus Berlin mit ihrer hochpreisigen "Digitalen Bibliothek" zur Abrundung des Sortiments. Außerdem haben wir von Schott Musik International multimediale Musikprogramme für das Selbststudium und Titel von XMedia aus München, dem trendigen Verlag für Psion/Palm- und WinCE-Software, im Programm. Last but not least vertreiben wir natürlich Produkte von more software, die nicht unterschätzt werden sollten, sowie diverse Titel wie ein digitales Berichtswesen mit Namen "azubi pro 3.0" für alle kaufmännischen und technischen Auszubildenden.

GamesMarkt.de: Wie gleicht der Ausbau der Softwaredistribution den Wegfall der Abteilung Produktentwicklung aus, die seit Januar dieses Jahres zu MegaSystems gehört?

Michael Schroeder: Die damalige Pressemitteilung gehörte zur strategischen Allianz. Es ist richtig, dass more software die eigene Produktentwicklung stark eingeschränkt hat. Aber nach wie vor entwickelt und vertreibt more software eigene Programme. Nur der Buchbereich wurde gänzlich eingestellt. Megasystems hat die Produktentwicklung von more software nicht übernommen. Produkte wie "ms intellego" werden von more software weiterhin entwickelt und vertrieben.

Positives Ergebnis erwirtschaftet

GamesMarkt.de: Seit der Unternehmensgründung vor zwei Jahren hat more software wichtige Vertriebspartner gewinnen können. Wie sind Sie dabei vorgegangen?

Michael Schroeder: Die Stärke von more software liegt im Vertrieb. Ich selbst bin seit 18 Jahren überwiegend im Vertrieb dieser Branche tätig. Zwischen Wunsch und Realität besteht ein gravierender Unterschied. Meine Mitarbeiter und ich haben unsere Stärken erkannt und diese gezielt eingesetzt. In der heutigen Zeit können nur die Schnellen und die Starken überleben. Aus diesem Grund habe ich mich auf meine Stärken besonnen. Bei der Schnelligkeit müssen wir noch von den Gebrüdern Schumacher lernen.

GamesMarkt.de: Sie wollten innerhalb von zwei Jahren so viel Umsatz erwirtschaften, dass Sie die Kosten ihres Unternehmens decken können. Haben Sie dieses Ziel erreicht?

Michael Schroeder: Bedenken wir, dass das operative Geschäft erst am 1. März 2000 begonnen hat, hat more software im Wirtschaftsjahr vom 1. Juli 2000 bis zum 30. Juni 2001 ein positives Ergebnis bei einem retourenbereinigten Umsatz von 6,1 Millionen Mark erreicht. Darauf bin ich stolz und möchte mich bei allen Beteiligten bedanken.

GamesMarkt.de: Wie wird more software sich in diesem und im nächsten Jahr weiterentwickeln?

Michael Schroeder: Das nächste Jahr dient dazu, den Verlust des ersten Jahres zu minimieren. Das erreichen wir nur durch konsequentes Kostenbewusstsein. Aus diesem Grund zogen wir von Königswinter nach Tönisvorst. Durch den Standortwechsel konnten wir beispielweise unsere Mietkosten um über 50 Prozent reduzieren. Der Lagerwechsel von Frankfurt zu WPME Kaarst wird weitere 25 Prozent Kosten einsparen. Nach Übernahme der restlichen 67 Prozent Anteile an more software kann ich nun mein seit Jahren geprägtes Kostenbewusstsein in allen Belangen konsequent durchsetzen. Der Auslauf des Distributionsvertrags mit Steinberg hat sich leider in den vergangenen Monaten negativ auf die Umsatzzahlen ausgewirkt. Ich bin jedoch sicher, mit Cornelsen und Klett gleichwertige Partner gefunden zu haben. Die zurzeit herrschende Handelssituation ist nicht gerade existenzgründerfreundlich. Unbekannte Softwareprogramme, die kein bekanntes Label tragen, erhalten keine Listungsplätze mehr, auch wenn diese Programme inhaltlich und programmtechnisch die fest etablierten und bekannten Marken um Längen schlagen. Es findet im Handel nicht nur eine Lieferanten-, sondern auch eine Softwareangebotskonzentration statt. Selbst über Distributionspartner haben diese neuen Softwareschmieden kaum noch eine Chance, Stückzahlen zu schreiben, die alle Beteiligten zufrieden stellen. Diese Entwicklung führte auch dazu, das sich more software als Distributionshaus aufstellte und künftig ausschließlich in diesem Bereich tätig sein wird.

GamesMarkt.de: Herr Schroeder, wir bedanken uns für dieses Gespräch.

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