Das strategische Ziel, neue Zielgruppen für Games zu erschließen, hat im Hause Ubi Soft höchste Priorität. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Produktqualität. Entscheident für den Erfolg oder Misserfolg dieses Ansatzes sei aber auch der Handel, an den Odile Limpach, Geschäftsführerin Ubi Soft Entertainment, im Interview appeliert, sensibler mit Preisen umzugehen.

GamesMarkt.de: Ende März endet das Geschäftsjahr 2002/03. Wie steht Ubi Soft aktuell da?

Odile Limpach: Ubi Soft Entertainment befindet sich weltweit weiter auf Erfolgskurs. Die ersten beiden Quartale des laufenden Geschäftsjahrs waren schwierig, weil sehr viele Spiele fürs 3. und 4. Quartal geplant waren. Diese "Schwäche" haben wir aber inzwischen mit dem wichtigen 3. Quartal, in das das Weihnachtsgeschäft fällt, und mit dem 4. Quartal mehr als wettgemacht. Insofern werden wir in Deutschland wie weltweit mit einem positiven Ergebnis und Wachstum abschließen. Die Spiele, die uns besonders geholfen haben, unsere Ergebnisse zu erreichen, waren die Xbox-Version von "Splinter Cell", von dem es jetzt die Konvertierungen für PS2 und PC gibt, daneben natürlich "Gold Games 6" und "Rayman 3", allesamt etablierte Marken, auf die wir uns stützen können.

GM: Ubi Soft hat im dritten Quartalsbericht des laufenden Geschäftsjahrs mitgeteilt, dass 35 Prozent aller Unternehmensumsätze mit Xbox-Titeln, darunter "Splinter Cell", realisiert wurden. Ihr Releaseplan weist bis Juli 2003 aber nur drei Titel für diese Konsole aus. Wie geht das zusammen?

Limpach: Die aktuell angezeigten Releases sind noch nicht so relevant, weil sie in das 1. Quartal hineinfallen, in dem wir erfahrungsgemäß nicht so viele Veröffentlichungen haben. Nach der Grobplanung für das gesamte Geschäftsjahr 2003/04 liegen die Titel für Xbox und PS2 fast gleich auf, gefolgt von GameCube und Game Boy Advance. Kurz gesagt: Wir sind ein Multiplattformpublisher. Und unser Portfolio wird sich auch im nächsten Jahr auf 60 Prozent Konsole und 40 Prozent PC verteilen.

GM: Europa ist mit einem Umsatzanteil von 54 Prozent noch der wichtigste Absatzmarkt für Ubi Soft. Nordamerika liegt derzeit bei 42 Prozent. Werden die Anstrengungen in Übersee weiter forciert?

Limpach: Ubi Soft will auch im nächsten Jahr weltweit weiter wachsen, insbesondere in Nordamerika. Darüber hinaus halten wir an unserem Ziel fest, im Jahr 2005 weltweit zu den Top-5-Publishern zu zählen.

"Qualität hat ihren Preis"

GM: Welche strategischen Ziele haben Sie sich für 2003 gesteckt?

Limpach: Der Fokus von Ubi Soft Entertainment ist klar definiert: So wollen wir künftig die Qualität unserer Produkte noch stärker nach vorn bringen, weniger die Quantität. Dieser strategische Ansatz kann durchaus ein Mittel sein, um den Endverbraucher noch stärker von unseren Produkten zu überzeugen und, ganz wichtig, um neue Zielgruppen zu erschließen. Ubi Soft wird zum Beispiel den First-Person-Shooter "XIII" veröffentlichen, der im letzten Jahr auf der E3 präsentiert worden ist und für Qualität und Innovation steht: Bei "XIII" wurden zum ersten Mal in diesem Genre cel-geshadete Grafiken zur Umsetzung von visuellen Effekten eingesetzt; es basiert auf dem gleichnamigen Kultcomic und garantiert Hochspannung. Ein weiteres Highlight wird "Far Cry" sein, ebenfalls ein First-Person-Shooter, der sich durch eine grafische Qualität auszeichnet, die es bislang noch nicht gab. Ein weiteres Topprodukt, von dem wir uns viel versprechen, haben wir mit "Myst"-Online im Angebot, eine sehr starke und erfolgreiche Marke, nicht nur in Deutschland. Dass Onlinespiele mitunter ein schwieriges Thema sind, wissen wir, deshalb warten wir ab, wie diese "Myst"-Version von den Konsumenten angenommen wird. Auf jeden Fall spricht das Produkt eine sehr breite Zielgruppe an, was unserem Ziel entspricht.

GM: Was ist Qualität für Sie?

Limpach: Auf keinen Fall nur die technische Qualität eines Produkts. In dieser Hinsicht haben fast alle Produkte der verschiedenen Publisher mittlerweile ein sehr hohes Level erreicht. Das war im letzten Jahr sehr gut zu beobachten. Es gab kein Produkt, das für sich reklamieren konnte, einen Quantensprung, etwa in grafischer Hinsicht, zu verkörpern. Wenn ich von Qualität spreche, denke ich dabei auch an das Gameplay. Hier liegen die Herausforderungen und die Unterscheidungsmerkmale für die Zukunft. Nehmen wir als Beispiel "Die Siedler IV". Wer das noch nie gespielt hat, für den ist es schwer, in das Spiel hereinzukommen - was einer Zielgruppenbeschränkung gleichkommt. Deshalb werden wir bei "Die Siedler V" das Gameplay so gestalten, dass es auch für Anfänger sehr schnell und leicht spielbar sein wird. Dadurch können wir gleich eine viel größere Zielgruppe mit diesem Spiel ansprechen, wovon der Handel und wir als Publisher profitieren werden. Aber auch der Spieler, weil ihm das Frustrationserlebnis eines zu schweren Spiels erspart bleibt. Mit dieser positiven Erfahrung haben wir ihn garantiert auch als künftigen Käufer von Spielen gewonnen.

GM: Gameplay als Unterscheidungsmerkmal wird also immer wichtiger. Das bedeutet in der Konsequenz, dass die Schlacht um die Gunst des Konsumenten insbesondere mit den Waffen des Marketings geschlagen wird.

Limpach: Marketing, Marken und Markenaufbau werden immer wichtiger. Man sieht es bei Electronic Arts wie bei uns. "Rayman 3", "Myst" und "Splinter Cell" sind starke Marken, die konsequent weiter vorangetrieben werden. Das bedeutet zugleich, dass die Budgetaufwendungen immer größer werden. Wir investieren also in unsere Marken und Spiele, und zwar sehr viel. Um einmal eine Größenordnung zu nennen: "Rayman 3" hat ein Mediabudget von über einer Million Euro. Die eingangs erwähnte Schlacht wird sich von daher gesehen sehr stark an den PoS verlagern. Insofern bekommen Trade Marketing und die Zusammenarbeit mit dem Handel eine immer größere Bedeutung. Gemeinsam müssen wir daran arbeiten, die Konsumenten noch viel, viel stärker an die Spiele heranzubringen. Um es noch deutlicher zu sagen: Wir müssen die Lust der Konsumenten auf Games viel stärker anfachen.

GM: Zum einen steigen die Entwicklungskosten und Mediabudgets erheblich, andererseits bröckeln die Preise. Verträgt sich das?

Limpach: Überhaupt nicht. Die Investitionen ins Produkt oder ins Marketing könnten wir ohne Ende vorantreiben, wenn der VK stimmt. Fallen die Preise, ist das nicht mehr möglich. Deshalb ist das Preismarketing des Handels ein entscheidender Faktor im Gesamtsystem. Der Handel muss verstehen, dass man für bestimmte Produkte einen bestimmten Preis verlangen kann. Qualität hat ihren Preis. Allein über den Preis zu verkaufen, ist ein Fehler, der sich nicht auszahlt und bitter rächt. Deshalb appelliere ich ganz vehement an den Handel, bewusster mit den Preisen umzugehen und die Preisschlacht nicht sinnlos zu betreiben.

GM: Trade Marketing wird also immer wichtiger. Wie packt Ubi Soft das Thema an?

Odile Limpach: Wir haben für diese Anforderungen eine Unit geschaffen, die zwischen Marketing und Vertrieb verankert ist. Dieses Team erarbeitet mit dem Handel individuelle Konzepte für den PoS. Das beste Beispiel dafür ist unsere Frühlingspromotion, die wir demnächst mit Karstadt realisieren. Darüber hinaus gibt es eine extra Website für den Handel, über die er Produktinfos und PoS-Material direkt bestellen kann. Diese Einrichtung wird gut angenommen, ausgebaut und konsequent auf die Wünsche unserer Handelspartner hin ausgerichtet. Mit diesen Tools wollen wir den gesamten Handel bedienen, nicht nur die großen Handelshäuser. Im Gegenteil, gerade die kleineren Händler unterstützen wir mit diesem Angebot.

GM: Sind Sie als Third-Party-Publisher mit der aktuellen Performance der Konsolen zufrieden?

Odile Limpach: Zur PS2: Die installierte Basis ist sehr zufrieden stellend, sie wird weiter erfolgreich vermarktet und wachsen. Der Wettbewerb auf der PS2 ist zwar enorm, aber auch hier gewinnt letztlich die Qualität. Die PS2-Version von "Splinter Cell" etwa ist vom Konsumenten sehr gut angenommen worden; entsprechend positiv fällt das Umsatzvolumen aus. Auch die Xbox wird sich in diesem Jahr sehr gut schlagen. Ich wünsche mir einen kräftigen Anstieg der installierten Basis für ein ordentliches Weihnachtsgeschäft 2003. Das traue ich Microsoft auch zu. Sie haben gezeigt, dass sie reagieren können und genug investieren, um die Xbox voranzutreiben. GameCube und GBA sind im Moment schwierig zu beurteilen. Aktuell läuft eine Kooperation mit Nintendo für "Rayman 3". Hier sehen wir auch, dass Nintendo bereit ist, etwas zu investieren und sich bemüht. Wir müssen abwarten, wie sich der Markt entwickelt. Der PC-Markt hingegen wird immer schwieriger. Auch hier werden Qualität und Gameplay zunehmend an Bedeutung gewinnen. Ich bin davon überzeugt, dass die Herausforderungen des Jahres 2003 zu meistern sind und wir, die Branche wie Ubi Soft, es schaffen werden. Außerdem sind schwierige Jahre mitunter auch sehr heilsam für ein Unternehmen oder eine Branche, zwingen sie uns doch, noch kreativer und effizienter zu arbeiten.

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