Im Gespräch: Philip Gienandt
Philip Gienandt ist von T-Venture in den Vorstand von gamigo gewechselt. MCVgamesmarkt sprach mit dem Manager über die Internationalisierung von gamigo sowie über Chancen und Risiken in der Spielebranche.
Was hat Sie dazu bewogen, in die Spieleindustrie zu wechseln?
Philip Gienandt: In erster Linie haben mich eher betriebswirtschaftliche Faktoren dazu bewogen, in die Spielebranche einzusteigen. Ich bin (noch) kein Hardcoregamer, will aber nicht verschweigen, dass unser neuestes Spiel, "Puzzle-Piraten", mich bereits viele Stunden bis tief in die Nacht gebannt hat. Beeindruckt haben mich vor allem die Dynamik und die zu erwartende Entwicklung der Branche sowie die Tatsache, dass gamigo zum Teil Neuland betritt und ich mit meinen Kollegen vieles aufbauen und bewegen kann. Das sind grundsätzlich Dinge, die mich motivieren.
Hatten Sie während Ihrer Zeit bei T-Venture bereits Kontakt zur Spielebranche? Wurden auch Entwicklerstudios unterstützt?
Gienandt: Ja, Kontakte und Gespräche gab (und gibt) es fortlaufend - vorwiegend allerdings mit Dienstleistern, beispielsweise Anbietern von Geschicklichkeitsspielen, Onlinewetten und mobilen Spielen. Meines Wissens wurden Entwicklerstudios von T-Venture bisher nicht unterstützt.
Wie sehen Sie gamigo im Wettbewerb sowohl gegenüber den konkurrierenden Webseiten als auch gegenüber den Printmagazinen positioniert?
Gienandt: Gut bis sehr gut, denn gamigo erreicht als führendes deutschsprachiges Onlineportal sehr viele Onlinespieler und fast alle MMOG-Spieler im deutschsprachigen Raum. Wir bieten der Branche also einen gezielten und effizienten Marketing- und Vertriebskanal an. Zudem bieten wir künftig als Anbieter von Onlinespielen (MMOG) alle Bausteine dieses viel versprechenden Genres - vom Lizenzerwerb über den Betrieb bis zur Vermarktung. Hier bieten wir für Deutschland lokalisierte Versionen sowie einen umfassenden Support und das - aus unserer Sicht erfolgskritische - deutschsprachige Community Management an.
Stichwort Internationalisierung von gamigo: Was ist konkret geplant? In welche Länder wollen Sie expandieren?
Gienandt: Eine Internationalisierung ist geplant, vorwiegend in europäische Länder, aber die Umsetzung wird behutsam und nicht vor 2005 erfolgen. Wir prüfen zurzeit gerade die Potenziale und Möglichkeiten in einzelnen Ländern.
Welche Pläne wollen Sie noch bei gamigo verwirklichen?
Gienandt: Voraussetzung für das angestrebte Wachstum ist die Erschließung neuer Kundengruppen. Hierzu bedarf es einer kontinuierlichen Ausweitung unseres Spieleangebots und natürlich auch verstärkter, breit angelegter Marketingaktivitäten. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Spielebranche in Deutschland im Gegensatz zu beispielsweise Südkorea noch eine Nische ist.
Wo sehen Sie für die deutsche Spielebranche Nachholbedarf im internationalen Vergleich?
Gienandt: Ich wünsche mir eigentlich nur, dass Spiele an sich und Onlinespiele - in dem Format, wie wir sie anbieten - im Besonderen "gesellschaftsfähig" werden. Das bedeutet, wir versuchen von dem Vorurteil wegzukommen, dass Games aus den Spielern Stubenhocker machen und aggressives Verhalten schüren.
Woran liegt es, dass erfolgreiche Spiele Made in Germany immer noch Mangelware sind?
Gienandt: Meines Erachtens müssten "deutsche Spiele" (und ich beziehe mich vorwiegend auf aufwendige MMOG-Titel) für den internationalen Markt und Geschmack produziert werden, da der deutsche Markt (noch) relativ klein ist und die hohen Produktionskosten bei MMOG-Titeln eine Skalierbarkeit über den deutschen / europäischen Markt hinaus erfordern.