Im Gespräch: Simon Hellwig, Blackstar Interactive
Blackstar Interactive hat sich von seinem bisherigen Vertriebspartner Koch Media Deutschland getrennt. Über den neuen Distributor Leisuresoft will Simon Hellwig, Geschäftsführer des Wormser Publishers, jetzt auch das internationale Geschäft forcieren. GamesMarkt.de sprach mit Hellwig über den Vertriebswechsel und über die weiteren Pläne von Blackstar.
GamesMarkt.de: Im Oktober letzten Jahres wurde der Vertriebsdeal mit Koch Media bis Ende 2002 verlängert. Jetzt der Wechsel zu Leisuresoft. Warum?
Simon Hellwig: Wir haben mit Koch Media fast zwei Jahre sehr gut und für beide Seiten profitabel zusammengearbeitet. Unsere Entwicklung in den letzten zwei Jahren, sowohl was Produktquantität als auch Produktqualität betrifft, machte aber den Wechsel zu einem rein auf Entertainmentsoftware spezialisierten Distributor notwendig. Nicht zu unterschätzen ist auch die globale Ausrichtung der Leisuresoft-Mutter JoWooD, die uns bei unseren Internationalisierungsplänen nur dienlich sein kann. Da sämtliche bisher über Koch Media vertriebene Titel exklusiv bei Koch bleiben, sollten auch beim Handel keine Probleme bei Produkteinlistung oder Retourenmanagement entstehen.
GM: Die "Cinemaware Classics" scheinen ein Erfolg zu werden. Wie haben sich die ersten Titel bis dato entwickelt?
Hellwig: "Defender Of The Crown" hat sich im Original Mitte der 80er weltweit über eine Mio. Mal verkauft, was für damalige Zeiten eine gigantische Zahl war. Entsprechend ist der Launch der "Classics"-Version sehr erfolgreich verlaufen. "The Three Stooges" waren im Verkauf erwartungsgemäß nicht so stark, da die ursprüngliche Version nicht annähernd den Status eines "Defender" erreichen konnte und zum anderen das Franchise in Deutschland nie die Popularität erreicht hat wie etwa in den USA oder England.
GM: Mit "Totally" haben Sie eine neue Spielereihe im Programm. Was verbirgt sich dahinter?
Hellwig: Blackstar verfügt derzeit über 30 teils weltweite Lizenzen, die bisher in der Zweitvermarktung kaum genutzt wurden. "Totally Sports", "Totally Tycoon", "Totally Strategy" und "Totally TV" sind der logische Schritt, diese Properties entsprechend ihrem Potenzial in eigenen, themenorientierten Spielesammlungen auszuwerten. Der Start des ersten Titels, "Totally Tycoon", lief dabei erfreulicher als erwartet.
GM: Ein Wort zum Unternehmen. Wie ist Blackstar aufgestellt?
Hellwig: Zum Jahresanfang beschäftigte Blackstar acht feste Angestellte. Extern verfügen wir über mehr als 100 Programmierer, Designer, Grafiker, Vertriebskräfte und Marketingexperten. Bis Jahresende ist eine Verstärkung auf mindestens zehn feste Mitarbeiter geplant. Das legt den Gedanken an ein gesundes und vor allem effizientes Wachstum in einer noch jungen Branche nahe. Die vorhandenen Human Ressources werden optimal genutzt, fehlende Größe durch leistungsfähige und motivierte Mitarbeiter ausgeglichen. Durch das System der "Unlocked Doors", das jedem Mitarbeiter ein gewisses Mitspracherecht in den Bereichen Produkt- und Firmenphilosophie einräumt, werden Motivation und Leistungsbereitschaft des Teams stetig gefördert.
GM: Wie verlief die Entwicklung in den letzten zwölf Monaten?
Hellwig: Wir konnten zwar unseren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppeln und mit "Schuh des Manitu" sowie mit der "Siege of Avalon"-Serie für Überraschungen sorgen. Jedoch hat auch uns die allgemeine schwache wirtschaftliche Lage sehr zu schaffen gemacht. Wir sind durch unsere schlanke, flexible und kompetente Struktur aber in der Lage, uns den Marktgegebenheiten anzupassen.
GM: Welche Erwartungen haben Sie an 2002?
Hellwig: Nach einem bereits schwierigen Vorjahr wird auch 2002 noch einmal ein Jahr der Konsolidierung. Eine europaweit installierte Basis von über 60 Mio. Entertainmenttauglichen PCs in den privaten Haushalten und eine kaufkräftige Gruppe von an Technologie interessierten Anwendern, die auch unterhalten werden wollen, sprechen jedoch von einem unglaublichen Potenzial. Auch die Entwicklung und Veröffentlichung von interaktiven Inhalten für Mobiltelefone haben wir im Visier. Hier werden wir vorhandene Marken und Lizenzen heranziehen. Zur Sicherung unserer Position als internationaler Publisher streben wir darüber hinaus eine strategisch sinnvolle globale Aufstellung über Niederlassungen, langfristige Kooperationen und ein Brand Marketing Network an.
GM: Was halten Sie vom Konzept der GC?
Hellwig: Da Endkunden die Messe besuchen können, ist die GC für große Publisher eine interessante Bühne. Für uns bietet sie jedoch leider nicht das Umfeld und die Kontakte, um die angesprochene Internationalisierung voranzutreiben. Wir werden auf der GC vor Ort sein, uns jedoch nicht mit einem eigenen Stand beteiligen.
GM: Danke für das Gespräch.