Die Computerspielebranche boomt weltweit. Trotzdem sind qualifizierte Mitarbeiter rar, vor allem in der Produktentwicklung. Das soll sich jetzt ändern. So bildet die neu gegründete it-akademie ostwestfalen auch Game-Designer aus. Das Besondere an dieser Aus- und Weiterbildung: Der künftige Arbeitgeber des Teilnehmers steht bereits fest.

Fachkräfte sind Mangelware, das gilt vor allem bei den Computerspezialisten. Doch in Ostwestfalen heißt das Zauberwort nicht etwa Greencard, sondern it-akademie. Das neue Qualifizierungszentrum in Gütersloh bildet nach einem bundesweit einzigartigen Konzept IT-Fachkräfte aus. Und gleich im ersten Kurs ab November steht die Qualifizierung zum Game-Designer mit auf dem Programm. Ein erster Schritt, um langfristig das Berufsfeld in Deutschland zu etablieren. Schließlich sind Game-Designer die entscheidenden Gestalter in einem Produktionsteam. Sie schreiben Exposés und Konzepte für die Spielidee, betreuen die Produktion und das Leveldesign.

Von Anfang an dabei: die PC-Spieleindustrie

Das alles geschieht in enger Zusammenarbeit mit dem Verband der Unterhaltungssoftware Deutschland e.V. (VUD) und der Softwareindustrie, die auch die Kursinhalte mit entwickeln. Vom Teilnehmer werden neben Abitur oder Realschulabschluss mit abgeschlossener Ausbildung erwartet: Ideenreichtum, Kreativität und umfangreiches Wissen rund um Unterhaltungsmedien. Und natürlich grundlegende Computerkenntnisse - eigene Homepage fürs Internet programmieren oder ein kleines Netzwerk installieren - sowie Spieleerfahrung in den verschiedenen Bereichen wie PC, Konsole, Rollenspiel und Brettspiel. Schwerpunkte der Aus- und Weiterbildung zum Game-Designer:

Einführung/Orientierung: Geschichte und Grundlagen der Spiele, Konzepttechniken beim Game-Design, Anforderungs-/Marktanalysen.

Grundlagen der Multimediatechnik: Internettechnologie, elektronische Bildbearbeitung, Grafik- und Multimediaprogramme.

Grundlagen der Netzwerktechnik (NW-Betriebssysteme) und Programmierung (C++, JAVA).

Spieldesign: von der Idee zum Projekt (Ideenfindung, Storyboard, Modellierung Grafikdesign und Publishing-Tools, Sound- Tools).

Anfang Juni 2000 wurde die it-akademie ostwestfalen - mit einem Gesamtbudget von rund vier Millionen Mark - als gemeinnützige GmbH gegründet. Gesellschafter sind zu 90 Prozent die Bertelsmann Stiftung und zu zehn Prozent die IHK Ostwestfalen, Bielefeld. Standort ist eine umgebaute ehemalige Druckerei in Gütersloh. Das denkmalgeschützte Gebäude (rund 1600 Quadratmeter) liegt nahe dem Bahnhof, hat ausreichend Parkplätze und noch genügend Fläche für spätere Anbauten. Vorerst startet die Akademie mit zehn festen Mitarbeitern und freien Trainern; Erweiterung ist jederzeit möglich und auch vorgesehen.

Exakte Qualifizierung für offene Stellen

Die Vollzeitkurse laufen zwischen acht und zwölf Monaten, die Kursinhalte sind aktuell und maßgeschneidert für die Bedürfnisse der späteren Arbeitgeber. Die Teilnehmer werden exakt für die offene Stelle qualifiziert. Und die Industrie zahlt die Kosten für die Kurse - immerhin zwischen 30.000 und 40.000 Mark, je nach Dauer. Das Interesse auf beiden Seiten ist groß: So liegen zum einen zahlreiche Bewerbungen aus dem gesamten Bundesgebiet vor, gleichzeitig haben viele Unternehmen aus der Region ihren Bedarf an IT-Fachkräften angemeldet.

Kleine Teams, konkrete Projekte

"Die Akademie bildet auf Kosten der Unternehmen die künftigen Mitarbeiter aus. Der Absolvent der it-akademie hat also schon einen sicheren Arbeitsplatz", so Geschäftsführer Stefan Empter zum neuartigen Konzept. Und natürlich einen zertifizierten Abschluss der IHK Ostwestfalen. Es gibt keine festen Semester, die Kurse werden laufend zusammengestellt; Bewerbungen sind also ebenfalls zu jeder Zeit möglich. Gearbeitet wird in kleinen Teams, von morgens bis abends. Praxisnähe, die Arbeit an konkreten Projekten und modernstes Equipment sind selbstverständlich. Und wie finden sich nun Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Firmen und Bewerber? Ganz einfach: Es gibt einen Stellenpool mit offenen IT-Stellen der Wirtschaft und präzisen Qualifikationsprofilen. Auf der anderen Seite den Bewerberpool, eine Datenbank, in der die Interessenten verzeichnet sind. Die it-akademie sucht pro Stelle drei Kandidaten aus, das Unternehmen trifft dann die Auswahl. Sind etwa zehn Teilnehmer mit vergleichbaren Aufgaben zusammen, beginnt die Qualifizierung, die optimale Vorbereitung auf den künftigen Job. Im November starten die ersten drei Kurse mit je zwölf Teilnehmern, und zwar für Anwendungsentwickler Client/Server, Webdesigner/-developer, Internet-System-Spezialist UNIX und Game-Designer. Im 1. Quartal 2001 geht's weiter mit Datenbankadministrator, Spieleprogrammierer und Oracle-Datenbank-Entwickler.

Im Gespräch: Frank Albers, Key-Account-Manager

Frank Albers ist Key-Account-Manager der it-akademie ostwestfalen. In dieser Funktion bildet er die Schnittstelle zwischen Akademie und Industrie. Gegenüber EM äußert er sich zu den Bedingungen für die Kursteilnahme und zu den Sicherheiten, die er den künftigen Arbeitgebern der "Azubis" anbieten kann.

Entertainment Markt: Für die rund einjährige Qualifizierung zahlt das Unternehmen, also der künftige Arbeitgeber, zwischen 30.000 und 40.000 Mark. Wird das später vom Gehalt abgezogen?

Frank Albers: Zurückzahlen muss der Arbeitnehmer für die Qualifizierung nichts; die Vertragsgestaltung mit dem Arbeitgeber ist allerdings Verhandlungssache.

EM: Welche Sicherheiten haben beide Seiten?

Albers: Von Beginn der Ausbildung an gilt ein so genannter aufschubbedinger Arbeitsvertrag. Der bietet Sicherheit und regelt alle Modalitäten. Die Probezeit beginnt dann mit dem Eintritt des Arbeitnehmers in das Unternehmen.

EM: Was passiert, wenn Teilnehmer oder Arbeitgeber aussteigen wollen?

Albers: Steigt der Teilnehmer während der Ausbildung aus, muss er dem Unternehmen die angefallenen Kosten zurückzahlen. Wenn er im Job kündigt, weil er vielleicht ein lukrativeres Angebot hat, greift die so genannte Rückzahlungsklausel, in der die Modalitäten je nach Vertrag geregelt sind. Wenn der Arbeitgeber nicht zufrieden ist, ist das sein Risiko. Er hatte ja vorher genügend Möglichkeiten, sich über den Teilnehmer ins Bild zu setzen.

EM: Bewerben können sich Interessenten aus dem gesamten Bundesgebiet. Steht die it-akademie auch für die Industrie außerhalb Ostwestfalens offen?

Albers: In erster Linie ist diese Initiative für Beschäftigung für den Raum Ostwestfalen gedacht, dort liegt auch bisher der Schwerpunkt. Zurzeit kommen etwa 85 Prozent der Teilnehmer aus der Region. Aber das liegt auch daran, dass wir bundesweit noch nicht so bekannt sind.

EM: Gleich zu Beginn im November gibt es einen Kurs für das Berufsfeld Game-Designer. Auch andere Industriezweige der Unterhaltungsbranche suchen Fachkräfte.

Albers: Unsere Kernkompetenz liegt im EDV-IT-Sektor. Aber da die Medien, wie Handy, Konsole und Video, immer mehr miteinander verwachsen, ist es durchaus denkbar, dass wir in Zukunft auch in diesem Bereich ausbilden.

EM: Von Stuttgart nach Gütersloh für den Job. Gibt"s für die Teilnehmer Unterstützung bei der Wohnungssuche oder Unterbringungsmöglichkeiten vor Ort?

Albers: Wir bauen gerade einen Wohnungspool auf, haben aber keine speziellen Unterbringungsmöglichkeiten vor Ort. Durch die Verbindung zu Bertelsmann bestehen allerdings vielfältige Kontakte. Bei Bedarf gibt es die Möglichkeit, Unterstützungsgelder zu bekommen, die allerdings später zurückgezahlt werden müssen.

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By Stephan Steininger 2 min read