Die Branche konnte bei DVD im Jahr 2000 hervorragende Wachstumsraten verzeichnen. Doch wie geht es 2001 weiter? Gegenüber VideoWoche erklärte Warner- und DVD-AG-Chef Jean Hermsen, wie sich der Markt gegen aufkommende Konkurrenz wappnet und welche Werbe- und Preisstrategien weiteres Wachstum garantieren sollen.

VideoWoche: Im Rahmen des Seminars "DVD Entertainment 2000" in München haben Sie sehr positive Prognosen für den Absatz bei DVD-Playern und Software gewagt. Haben sich diese Prognosen bisher erfüllt?

Jean Hermsen: Nach Erhebung der DVD-AG gehen wir für Ende 2000 von ca. 1,15 Mio. DVD-Spielern in den Haushalten aus. Die DVD-Verkäufe an Endverbraucher lagen in 2000 bei circa neun Mio. Stück. Somit können wir unsere optimistische Prognose für 2001 von nahezu drei Mio. DVD-Spielern in den Haushalten aufrecht erhalten.

VW: Wie steht die Entwicklung des deutschen Markts im Vergleich zu den europäischen Nachbarn derzeit da?

Hermsen: Deutschland liegt mit Großbritannien (UK) und Frankreich bei der Hardware etwa gleich auf, im Softwarebereich ist UK erheblich stärker. Sehr positiv zu werten ist die Tatsache, dass das Wachstum des DVD-Marktes im Vergleich zum VHS-Markt in Deutschland stärker als in allen anderen größeren Märkten Europas ist.

VW: Warner und die DVD-AG haben im vergangenen Herbst eine generische Kampagne für DVD durchgeführt. Gibt es hierfür eine Erfolgsauswertung und wenn ja, wie ist diese ausgefallen?

Hermsen: Unsere regelmäßige Marktstudie unter Nicht-Playerbesitzern ergab in der Periode der DVD-Werbekampagne eine Steigerung um vier Prozentpunkte bei der Awareness, nachdem zwei Monate davor jeweils nur 1 Prozentpunkt zu verzeichnen war.

VW: Wird es eine Kampagne dieser Art auch 2001 geben?

Hermsen: Konkretisiert hat sich bereits eine gemeinsame Finanzierung zur Fortführung der Kinokampagne mit dem generischen DVD-Trailer. Weitere generische und titelbezogene DVD-Kampagnen sind in Planung.

VW: Noch fährt die Industrie in Deutschland keine einheitliche VÖ-Strategie für DVD. Ist die DVD nun, wie anfangs prophezeit, eher ein Kaufmedium oder wird sie auch den Verleihmarkt in die Zukunft führen?

Hermsen: Dem Videoverleihmarkt sitzt doch nicht der Kaufmarkt im Nacken, sondern beiden Märkten der Video on Demand-Bereich (VOD) einschließlich Internet Direct Streaming. Wenn es uns als Branche nicht gelingt, den DVD-Markt etabliert zu haben, bevor die VoD-Konkurrenz sich entwickelt hat, wird der Videomarkt zusammenbrechen. Und in Deutschland kann sich DVD nur über den Kaufmarkt ausreichend schnell entwickeln. Der Verleihmarkt hat hier eine wahrscheinlich letzte Chance in eine prosperierende Zukunft, die er sich nicht selbst kaputt machen sollte. Mit der Forderung nach einem exklusiven Auswertungsfenster für DVD leistet sich der Verleihhandel selbst einen Bärendienst.

VW: Warners Nice-Price-Aktion für DVDs hat in Teilen der Branche für Kritik gesorgt. Wie sieht Ihre Preisstrategie für DVD mittelfristig aus?

Hermsen: Unser Ziel ist schnellstmögliche Entwicklung des Marktes. Dazu gehören niedrige Playerpreise, aber auch attraktive Preise für Repertoireprodukte. Deswegen werden wir auch in Zukunft bei unserer Strategie bleiben.

VW: Was erwarten Sie vom DVD-Markt in 2001 und was muss Ihrer Ansicht nach der Handel beitragen, um weiteres Wachstum zu garantieren?

Hermsen: Der Markt wird sich weiterhin sprunghaft entwickeln, beflügelt durch sinkende Playerpreise und steigende Titelanzahl, unterstützt durch massive Werbung. Der Handel ist gefordert, mehr Fläche für Video zur Verfügung zu stellen, um der Ausweitung des Marktes Rechnung zu tragen. Eine simple Umwidmung von VHS-Fläche zu DVD-Fläche ist zu kurz gedacht, denn über 20 Mio. Videorekorderbesitzer sind nach wie vor ein großer Markt, um den es sich zu kümmern lohnt.

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