Kagemasa Kozuki, CEO Konami, im Interview
Konami gehört mit 1,49 Mrd. Euro Umsatz zu den Topspielepublishern der Welt. Entertainment Markt sprach mit Kagemasa Kozuki, CEO von Konami, über den Konzernerfolg sowie künftige Strategien und Pläne.
Entertainment Markt: Konami zählt zu den Big-Playern im internationalen Spielegeschäft. Worauf gründet dieser Erfolg?
Kagemasa Kozuki: Die Firmenphilosophie von Konami lautet: Wir entwickeln Content. Deshalb stellt sich auch immer nur eine Frage. Wie bieten wir unseren Content den Verbrauchern an? Wir beschränken uns deshalb niemals auf eine bestimmte Hardware oder ein bestimmtes Territorium. Wir können flexibel in neuen Märkten aktiv werden, wenn dies notwendig wird. Und das unterscheidet Konami nicht nur von vielen anderen Unternehmen. Ich halte es auch für einen der Schlüsselfaktoren für unseren Erfolg.
EM: Im Oktober wird Konami eine Vermarktungs-, aber auch Entwicklungsdivision in Shanghai, China, eröffnen. Gibt es Pläne, auch in Europa eine Entwicklungsunit zu etablieren? ?
Kozuki: Ja, und zwar aus einem einfachen Grund. Wie Sie wissen, werden in naher Zukunft die Kommunikationsnetzwerke das Hauptträgersystem für Spiele sein. Zudem sind die Vorlieben der Menschen von Land zu Land, beispielsweise zwischen Japan, USA und Europa, sehr unterschiedlich. Wir müssen uns also überlegen, welche Spiele wir wie anbieten, damit diese zur jeweiligen Kultur eines Landes oder Kontinents passen. Und genau deshalb ist es aus unserer Sicht auch notwendig, eine Entwicklungsdivision in Europa zu haben. Dort können wir dann die "europäischen" Spiele entwickeln und über die künftigen Kommunikationsnetzwerke anbieten.
EM: Dreamcast, PlayStation 2, Dolphin, X-Box, PC - in den nächsten Monaten werden wir eine Flut unterschiedlicher Systeme im Markt haben. Gibt es Ihrer Meinung nach zu viele Systeme, oder heißt Konami jedes neue System willkommen? ?
Kozuki: Ich möchte gern auf unsere Firmenphilosophie zurückkommen: Wir entwickeln Content. Das ist unsere Basis. Ob der Markt nun vom Konsolengeschäft, vom PC-Geschäft oder vom Geschäft mit irgendeiner anderen Hardware bestimmt wird, hat nichts mit uns zu tun. Unser Ziel ist, dem User Content anzubieten. Konami ist dabei vergleichbar mit Unternehmen aus Hollywood. Dort werden Filme nur für den User produziert. Welche Hardware der Konsument zu Hause hat oder mit welchen Geräten die Kinos ausgestattet sind, ist belanglos. Man könnte also sagen, Konamis Weg ist identisch mit dem der Hollywood-Firmen. Und das ist der Schlüssel zu unserem Erfolg.
EM: Konami hat z. B. mit Universal namhafte Lizenzpartner. Wie beurteilen Sie das Lizenzgeschäft in der Gamesbranche? ?
Kozuki: Die unterschiedlichen Vorlieben in den verschiedenen Ländern gibt es nicht nur bei Spielen, sondern auch im Lizenzgeschäft. Es gibt Lizenzen, die sind in Deutschland populär, nicht aber in Italien oder in anderen Ländern. Es ist schwer, von Land zu Land mit unterschiedlichen Properties zu arbeiten. Konami hat sich deshalb entschlossen, nur mit "globalen" Lizenzthemen zu arbeiten. Im Wesentlichen sind das drei Bereiche: Sport, Musik und Film. In diesen drei Bereichen ist Konami aktiv und wird es auch weiterhin sein.
EM: Konami hat sich vor wenigen Wochen am Spielwarenhersteller Takara beteiligt. Warum? ?
Kozuki: Ich habe eben von den drei großen, globalen Lizenzbereichen Sport, Musik und Film gesprochen. Genauer gesagt gibt es einen vierten starken Bereich im Lizenzgeschäft: die Spielwaren. Auch dieses haben wir in Erwägung gezogen, und letztlich haben wir unser Geld ins Spielwarensegment investiert, um unser Contentportfolio zu verbreitern. Hinsichtlich der Verbreiterung unseres Contentportfolios haben Takara und Konami ähnliche Ideen und Vorstellungen.
EM: Welche Rolle spielt der deutsche Markt für ein globales Unternehmen wie Konami ? ?
Kozuki: Deutschland liegt im Zentrum Europas. Und auch deshalb liegt in Frankfurt Europa-Zentrale von Konami. Ich glaube, niemand kann bestreiten, dass Deutschland der Schlüsselmarkt in Europa ist. Insofern man dies überhaupt sagen kann, existiert in Deutschland nur ein einziger Nachteil: In Bezug auf Inhalte schränkt sich Deutschland selbst ein.
EM: Inwiefern? ?
Kozuki: Die Einschränkungen beziehen sich auf Krieg und das Thema Gewalt allgemein. Das hat natürlich historische Gründe. Wie Sie aber auch wissen, enthalten sehr viele Spiele kriegerische und gewaltvolle Elemente. Um Probleme zu vermeiden, müssen wir als Publisher in diesen beiden Punkten sehr vorsichtig sein. Darin besteht der Nachteil für Deutschland.
EM: Jeder redet über E-Commerce. Welche Pläne hat Konami? ?
Kozuki: In den USA ist E-Commerce bereits sehr weit fortgeschritten. In allen anderen Ländern hingegen ist E-Commerce noch wenig populär. Das einzige was ich Ihnen im Augenblick sagen kann, ist, dass wir die Entwicklung in den USA sehr genau verfolgen. Wir beobachten, welche Geschäftsmodelle funktionieren und welche nicht. Vielleicht sollten wir dann einfach den erfolgreichsten Weg kopieren.