Karstadt will sich auf Kerngeschäft konzentrieren
Der Aufsichtsrat des KarstadtQuelle-Konzerns hat auf der Krisensitzung am Montag einem umfassenden Restrukturierungsprogramm zugestimmt. Teil davon ist ein Maßnahmenpaket, das das Jahresergebnis um bis zu 1,4 Mrd. Euro belasten wird.
Der Aufsichtsrat des KarstadtQuelle-Konzerns hat auf der Krisensitzung am Montag einem umfassenden Restrukturierungsprogramm zugestimmt. Demnach will sich der angeschlagene Essener Handelsriese wieder auf seine Kernkompetenzen besinnen. Im stationären Einzelhandel ist einer Pflichtmitteilung zufolge die Fokussierung auf ein Kernportfolio mit einem Umsatzvolumen von 4,5 Mrd. Euro vorgesehen sowie die Abgabe des Non-Core-Portfolios (0,7 Mrd. Euro Umsatz).
Presseberichten zufolge stünden damit Handelsketten wie Sinn-Leffers, Runners Point und Wehmeyer zur Disposition. Auch die Versandhandelstöchter Quelle und Neckermann sollen neu positioniert werden. Darüber hinaus wird erwägt, die Immobilienaktivitäten vom Handelsgeschäft abzutrennen.
Weiterer Bestandteil der Neuausrichtung sei ein Maßnahmenpaket mit Bewertungs- und Restrukturierungsmaßnahmen, das das Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres einmalig in Höhe bis zu 1,4 Mrd. Euro belasten werde. Das Karstadt-Management erwartet, durch die Sanierungsmaßnahmen schon 2005 wieder ein deutlich positives Ergebnis (EBTA) ausweisen zu können. Des Weiteren sei zur Stärkung der Eigenkapitalbasis sowie zum weiteren Abbau der Nettofinanzverschuldung eine Kapitalerhöhung mit einem Emissionsvolumen von 500 Mio. Euro vorgesehen.
Nach Informationen der Essener Tageszeitung "WAZ" stehen den Mitarbeitern harte Einschnitte bevor. So seien die Streichung von fünf Urlaubstagen, die Verlängerung der Arbeitszeit auf 40 bis 42 Stunden sowie Einschnitte bei Sonderzahlungen gefordert worden. Auch die Führungskräfte müssten sich auf einen gesonderten Einkommensverzicht einstellen. Insgesamt könnten 8.500 von gut 76.000 Vollzeitstellen wegfallen. 77 kleinere Karstadt-Warenhäuser sollen nach Unternehmensangaben innerhalb von drei Jahren in eine neue Gesellschaft überführt und möglichst bald an einen Investor verkauft werden. Die verbleibenden Warenhäuser sollen "in ihrer Struktur weiterentwickelt und dem veränderten Kundenverhalten angepasst werden", heißt es aus Essen.