Koch Media seit zehn Jahren erfolgreich am Markt
Seit einem Jahrzehnt ist Koch Media eroflgreich am Markt tätig und steht heute besser da denn je. Doch damit nicht genug, der Breitbandvermarkter hat noch größe Pläne, wie Geschäftsführer Dr. Klemens Kundratitz im Interview mit MCVgamesmarkt ausführte.
Koch Media existiert seit nunmehr zehn Jahren. Das bedeutet zehn Jahre in einem dynamischen Markt. Viele Anbieter kamen und gingen in dieser Zeit, Koch Media ist hier eine Konstante. Wie sehen Sie den Status quo als Breitbandvermarkter?
Dr. Klemens Kundratitz: Der deutschsprachige Raum ist gekennzeichnet durch eine durchwachsene Marksituation. Es gibt grundsätzliche Schwierigkeiten, Produkte mit den geplanten Stückzahlen im Markt abzusetzen. Vor allem befindet sich der Markt aber schon seit einigen Jahren in einer Konsolidierungsphase, die auch weiterhin anhält. Koch Media hat jedoch keinen Anlass zu jammern, weil wir von dieser Situation profitieren. Wir haben aktuell ein zweistelliges Umsatzplus zu verzeichnen und werden von vielen Marktteilnehmern als zuverlässiger Partner betrachtet. Handel und Hersteller vertrauen uns. Wir verstehen uns als Bindeglied zwischen Handel und Industrie und genießen eine recht einzigartige Stellung als ein auf Software spezialisierter Vermarkter.
"Zweistelliges Wachstum", sagen Sie - in welcher Größenordnung bewegt sich Koch Media denn?
Dr. Kundratitz: In der Gruppe - dazu zählt Koch Media Deutschland, Österreich, Schweiz, England und Italien - haben wir über die ersten sechs Monate dieses Jahres 40,6 Millionen Euro Umsatz erzielt. Da man das zweite Halbjahr naturgemäß stärker gewichten kann, gehen wir zum Jahresende von einem Gesamtvolumen von an die 100 Millionen Euro aus. Davon sind etwa zwei Drittel im deutschsprachigen Raum generiert. Der Umsatz verteilt sich auf 40 Prozent Entertainment und 60 Prozent Non-Games. Dieses Verhältnis hält sich seit einigen Jahren, allerdings hat sich die Relation von Vertriebsprodukten zu Eigenprodukten verschoben. Der Entertainmentanteil wird heute im Wesentlichen von zwei Marken getragen: zum einen von Deep Silver, unserem Premiumlabel für Spiele, und zum anderen von JoWooD, einer unserer Vertriebsmarken. Natürlich verfolgen wir auch weiterhin unsere Wachstumsstrategie innerhalb Europas. Wann die nächsten Schritte in diese Richtung erfolgen, ist jedoch zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht spruchreif.
Apropos Wachstum: Nach dem Launch der PS2 und unmittelbar vor dem Start von Xbox und GameCube rechnete die Branche durch die Bank mit einer spürbaren Markterweiterung. Haben sich diese Erwartungen erfüllt?
Dr. Kundratitz: Da maße ich mir kein Urteil an. Für uns können wir feststellen, dass der PC nach wie vor unsere Leadplattform ist. Das hängt allerdings mit unserer Aufstellung als Independent zusammen. Als solcher hat man üblicherweise nicht die Anwärter auf die Top-10- oder Top-20-Platzierungen der Charts als feste Größe vor Augen. Unser Schwerpunkt liegt deutlich auf dem Katalogbusiness. Zudem ist es viel leichter, PC-Produkte erfolgreich zu platzieren. Für die Konsole sind globale Marken notwendig, und es fallen extrem hohe Produktionsbudgets an. Die Prognosen, dass sich der PC als Spieleplattform binnen kürzester Zeit verabschieden wird, haben sich jedenfalls für den deutschsprachigen Raum nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: Betrachtet man die GfK-Marktzahlen, die der VUD unlängst für das Jahr 2003 veröffentlicht hat, neutral, zeigt sich, dass der PC nach wie vor die führende Plattform für Spiele in Deutschland ist. Zwar suggerierte die Interpretation der Zahlen seitens des VUD, dass der Bereich Videospiele der bedeutendste mit dem stärksten Wachstum sei. Das gilt aber nur, wenn man sie über alle Konsolen hinweg als ein Marktsegment betrachtet. Tatsächlich ist der Konsolenmarkt in sich hoch fragmentiert. Im Vergleich dazu liegt die Anzahl der Titel, die für den PC erscheinen, deutlich über den Releases für die Konsole. Nach Wert betrachtet, liegen PC und PS2 als führende Konsolen mehr oder weniger gleichauf. Hier ist allerdings noch zu berücksichtigen, dass die Konsolen nicht jünger werden und sich die PC-Technologie immer stärker von der der Konsole absetzt. Die Interaktion ist beim PC am stärksten möglich. Ich breche also eine Lanze für den PC, den ich im deutschsprachigen Raum langfristig als Erfolgsmodell sehe. Natürlich leben wir nicht auf einer Insel. Uns ist bewusst, dass der PC in anderen Ländern immer weiter ins Hintertreffen gerät. Deshalb sind wir offen für andere Plattformen und werden in Zukunft einige unserer führenden Produkte auf verschiedenen Plattformen herausbringen. Den Anfang machen hier Singles und X2.
Mit Deep Silver hatten Sie einen respektablen Erfolg, auch auf europäischer Ebene. "Singles" und "X2", um bei dem Beispiel zu blieben, stürmten sogar die internationalen Charts, die englischen und irischen jedenfalls…
Dr. Kundratitz: Mehr noch: Mit "X2" und "Singles" haben wir im 1. Quartal zwei Produkte herausgebracht, die beide Nummer eins in den deutschen PC-Charts waren. Beide waren auch in England in den Top 10 und schafften es in Irland ebenfalls in die Charts. "Singles" war in Frankreich, dort über Ubisoft vermarktet, in den Top 5 und in Italien über fünf Wochen die Nummer eins der PC-Charts. Dieser Erfolg freut uns besonders, weil niemand das erwartet hat. Keiner hätte sie als natürliche Erfolgstitel angesehen - sie kamen quasi aus dem Nichts. Es war das Ergebnis einer sehr soliden Publishingtätigkeit, die uns auch auszeichnet. Wir sind in der Lage, in Deutschland und Europa Produkte aus den Marktgegebenheiten heraus zu machen. Hier unterscheiden wir uns maßgeblich von Firmen, die in Deutschland lediglich eine Vertriebsfunktion ausüben. Wir suchen unsere Produkte aktiv am Markt und schätzen sie für unsere lokalen Teams ein. Das erfüllt uns mit Stolz. Diese, aber auch andere Beispiele wie Cryteks "Far Cry" machen Mut und sind Ansporn. Und wenn die rund 60 deutschen Studios, die es wohl gibt, weniger jammerten, sondern innovative Ideen entwickelten, könnte man auch etwas gemeinsam bewegen. Wir als Publisher haben dafür jedenfalls weit geöffnete Türen. Man muss nicht unbedingt nach Frankreich, England oder den USA schauen, auch hierzulande können wir erfolgreiche Produkte schaffen. Siehe den Erfolg der Studios von JoWooD oder Ascaron.
Welche weiteren Pläne verfolgen Sie mit Deep Silver?
Dr. Kundratitz: Es ist eines unserer Ziele, Deep Silver weiter als Qualitätsmarke im Gamesbereich zu etablieren. Dort haben wir den Anspruch, nur Titel mit hoher Qualität der Gamer-Community anzubieten. Der PC-Titel "Earth 2160" beispielsweise, der im 4. Quartal kommt, passt sehr gut in das Deep-Silver-Konzept. Das Label fantastic.tv ist dagegen eine Zweitmarke für Produkte mit Mainstreamcharakter, die ein breiteres Publikum zu einem attraktiven Preis ansprechen. Es ist kein strategisches Ziel, fantastic.tv nach vorn zu bringen. Es gibt aber viele Titel, die trotzdem eine echte Berechtigung am Markt haben und unter fantastic.tv veröffentlichen werden.
Dr. Kundratitz:Diesen Kampf gab es schon immer. Das ist ein freies Spiel der Anbieter um die Fläche, und derjenige mit den besseren Produkten und dem besseren Vertrieb wird am Schluss gewinnen. Gute Produkte und einen guten Vertrieb haben wir, insofern bin ich überzeugt, dass wir unseren Platz dort finden werden. Zumal wir normalerweise bei unseren wichtigsten Kunden zu den Top-5-Lieferanten zählen. Wir gehören zwar nicht zu denen, die mal mit einem Produkt ganz weit vorn liegen, um dann monatelang nach hinten zu rutschen, dafür sind wir ein sehr konstanter Lieferant, einerseits durch die Produktbreite, andererseits weil wir seit zehn Jahren für eine gelebte Zuverlässigkeit und Partnerschaft stehen. Und in diesen Zeiten wird das sehr geschätzt. Außerdem bieten wir nicht nur Produkte, sondern auch Mitarbeiter, die vor Ort den entsprechenden Service bieten.
Wie beurteilen Sie die anhaltende Konzentration auf Handelsseite?
Dr. Kundratitz:Wenn man die Handelssituation in anderen Ländern betrachtet, kann man in Deutschland noch von einer gesunden Mischung sprechen. Wir haben hier einen Marktführer, der sehr fair und zuverlässig agiert, und viele weitere Unternehmen. Gleichwohl ist es Aufgabe der Industrie, den gesamten Markt aktiv zu betreuen und zu fördern. Es gibt viele Firmen, die aus Gründen der personellen Struktur bzw. der Vertriebsstrategie vergessen, dass sich nach wie vor zwei Drittel des Markts außerhalb der roten und blauen Sphären bewegen. Firmen, die so verfahren, tragen dazu bei, dass vorhandene Handelsstrukturen ins Hintertreffen geraten. Eine Monokultur aus drei Farben kann und darf nicht das Ziel der Industrie sein.
Wie schätzen Sie den Mobile-Markt ein?
Dr. Kundratitz:Ich glaube, dass der Mobile-Markt keine Eintagsfliege sein wird, vielmehr haben wir ein ernst zu nehmendes neues Geschäftsfeld vor uns. Allerdings gehören wir als Independent nicht zur Speerspitze dieser Entwicklung, vielmehr sind hier die Großen gefragt, die Geschäftsmodelle aktiv mitzugestalten. Und die Technologien, die das Handy wirklich zur Gaming Machine machen werden, liegen noch in der Zukunft, allerdings in der nahen.
Welche weiteren Ziele verfolgt Koch Media?
Dr. Kundratitz:Wir wollen in Distribution und im Publishing weiter wachsen, die Expansion in Europa vorantreiben, unsere Markenstrategie forcieren und das DVD-Business weiter ausbauen. Zudem werden wir unser Erfolgsrezept weiterführen: die Verbindung von hoher Produktqualität gepaart mit einem hohem Servicegrad als Vermarkter und dem Local Knowledge.
Im August 2003 ist Koch Media auch in das Home-Entertainment-Segment eingestiegen. Wie sieht ihre erste Jahresbilanz aus?
Dr. Kundratitz:Wir sind zwar im Vergleich zu den Mitbewerbern noch eine kleine Nummer, haben aber bereits in den ersten zwölf Monaten durchaus interessante Produkte veröffentlicht. Entsprechend haben wir das erste Jahr mit einer positiven Bilanz abgeschlossen. Trotzdem sind wir von unserem ursprünglichen Ansatz, nur Klassiker zu vermarkten, abgerückt und lizenzieren inzwischen auch Titel, die direct-to-video gehen. So werden wir im kommenden Weihnachtsgeschäft mit einem viel größeren und besseren Sortiment aufwarten können, als es zum Start der Fall war. Mit dem Film "Farscape" hoffen wir, den Erfolg von "Die 2" sogar noch toppen zu können. Unsere Investition ins DVD-Business geht weiter. Wir denken hier evolutionär und wollen nichts über das Knie brechen. Mit Zuversicht und Engagement werden wir in diesem Bereich weiter tätig sein. Ich glaube, dass wir das DVD-Business über die nächsten Jahre in Richtung 20 Millionen Euro aufbauen können. DVD wird also neben Games und Software eine dritte Unternehmenssäule sein, die unseren Anspruch als Medienunternehmen unterstreicht.
Bislang ist Koch nur im Kaufmarkt tätig - wie sieht es mit Verleihprogrammen aus?
Dr. Kundratitz:Der Verleihmarkt ist in der Pipeline. So werden um das Weihnachtsgeschäft herum einige Titel kommen, die sehr wohl das Potenzial haben, auch im Verleihhandel ausgewertet zu werden.