Konstante Besucherzahlen im siebten Jahr. Showdown der Hardwarehersteller
Vom 17. bis zum 19. Mai traf sich zum nunmehr siebten Mal die Gamesbranche in ihrem Mekka, der Electronic Entertainment Expo (E3).
62.000 Besucher reisten nach Los Angeles, um sich im Convention Center bei den über 400 Ausstellern über neue Spiele und Trends zu informieren. Es war eine besondere E3. Die Spannung im Vorfeld der Messe war so groß wie schon lange nicht mehr. Nicht nur, weil mit Xbox und GameCube gleich zwei neue Konsolen vor der Tür stehen, bei denen einige Daten, wie der Preis und der Releasetermin, noch unklar waren. Die Branche hoffte vor allem auch auf gute Software für alle Systeme. Schließlich sind die Games für die Hardware wie der Treibstoff für den Motor. Gute Spiele treiben die Hardwarepenetration voran und führen so wieder zu höheren Verkaufszahlen bei der Software. Und erst wenn dieser Kreislauf wieder voll funktioniert, können Industrie und Handel auf die zweistelligen Umsatzsteigerungen hoffen, an die man sich in den "fetten" Jahren bereits gewöhnt hatte. Dass es bald soweit ist, davon geht Doug Lowenstein, Präsident der Interactive Digital Software Association (IDSA), aus.
Show ist vergleichbar mit E3 von "95
In seiner Eröffnungsrede definierte Lowenstein den derzeitigen Stand der Dinge für die Branche als "sehr stark". "Die Zukunft der Videospiele ist geprägt von unvergleichlichem Wachstum, unbegrenztem kreativem Fortschritt und vielleicht auch von ihrer Vorreiterrolle als wichtigster Form der Unterhaltung im 21. Jahrhundert", so Lowenstein. Im weiteren Verlauf verglich der Chef des US-Branchenverbands die diesjährige, siebte E3 mit der ersten Show im Jahr "95. Die Branche habe sich damals im Umbruch befunden: Sega und Nintendo vollzogen einen Generationswechsel, Sony drängte als dritter Konsolenhersteller in den Markt, die CD-ROM läutete ein neues Zeitalter bei PC-Spielen ein, mit dem Internet zeichnete sich eine neue Art von Spieleplattform ab, und die Politiker begannen über Gewaltdarstellung in Spielen zu diskutieren. Die E3 2001 sei ebenfalls geprägt von einem Generationswechsel bei den Konsolen, so Lowenstein. Mit Microsoft werde wieder der Markteintritt eines neuen Hardwareherstellers erwartet, und die DVD-ROM gewinne auch bei PC immer mehr an Bedeutung.
Wie "95 das Internet stelle nun die Mobilfunkwelt eine Art neue Spieleplattform dar. Und last but not least redeten die Politiker weiter über die Gewaltdarstellung in Spielen. Obwohl Lowenstein Recht hat, was das Spektrum möglicher neuer Trends angeht, stand aber natürlich das Segment TV-basierte Konsolen im Vordergrund. Wer macht das Rennen, und wie sehen die Xbox- und GameCube-Spiele im Vergleich zur zweiten Generation der PlayStation 2-Titel aus? Bereits am Vortag der Messe kam es zum Showdown.
Nacheinander schworen Microsoft, Nintendo und Sony Computer Entertainment Vertreter aus Handel, Industrie und Presse auf ihre jeweiligen Produkte ein. Wirklich überzeugend war dabei vor allem Nintendo. Die klare Ausrichtung auf den jüngeren Teil der Zielgruppe unterstrich die japanische Firma mit hochkarätigen Produkten wie "Luigi"s Mansion" und "Pikmin". Deutlich erkennbar war, dass Nintendos Starentwickler Shigeru Miyamoto mit seinem an exzellentem Gameplay geschulten Auge über beide Projekte streng gewacht haben muss. Hinzu kommt, dass sich Big N indirekt auch eine Hintertür zur älteren Spielergemeinde offen gelassen hat. So wurde eine Art Hifi-Turm mit integriertem DVD-Player und GameCube von Panasonic präsentiert. Vorerst ist das Allroundgerät nur für den japanischen Markt gedacht. Ein Export in aller Herren Länder ist bei erfolgreichen Verkäufen aber nicht ausgeschlossen. Dennoch: Nintendo wird sich vorerst aus der Schlacht zwischen SCE und Microsoft raushalten. Und die ist derzeit voll in der Vorbereitungsphase.
Wie bei einem klassischen Echtzeitstrategiespiel scharen beide Seiten im Moment Verbündete um sich. SCE wartete auf dem Pre-Show-Event mit einer ganzen Kompanie auf: Unter den neuen Verbündeten sind AOL/Netscape, Macromedia und Real Networks - allesamt Firmen, die in anderen Geschäftsbereichen auch in Konkurrenz zu Microsoft stehen. Das eigentliche Muskelspiel beider Firmen findet aber bei den Entwicklern statt. Wer bekommt die zugkräftigen Spiele exklusiv auf seine Plattform? Das ist eine der Hauptfragen, die über Erfolg oder Misserfolg der Plattformen entscheiden wird.
Preise: Nintendo unterbietet Konkurrenz
Und wer liegt nun vorn? Eine Antwort darauf ist schwierig. Die Third-Party-Publisher stehen zwischen den Fronten und würden ihre Titel am liebsten auf beiden möglichen Topplattformen vermarkten, um so ihre Kosten decken und Gewinne einfahren zu können. Die Folge: Teils gewollt, teils ungewollt wurden beiden Seiten Zugeständnisse gemacht. So plant beispielsweise Capcom nun auch Spiele sogar exklusiv für Xbox. Auf der anderen Seite brüstet sich aber auch SCE damit, einige Titel aus der traditionellen Spieleschmiede exklusiv im PS2-Line-up zu haben. Zumindest zeitlich begrenzte Exklusivverträge wurden zuhauf genannt. Der zweite große Erfolgsfaktor neben dem Softwareangebot sind natürlich Verfügbarkeit, Releasetermin und die Preise. Während SCE die Startphase ja bereits hinter sich hat, offenbarte Microsoft zumindest seine US-Pläne.
Die Xbox kommt am 8. November in den US-Handel. 600.000 bis 800.000 Units will Microsoft am First Day in den Regalen haben. Der Preis für ein Paket liegt bei 299 Dollar; es ist also genauso teuer wie derzeit die PlayStation 2 in den USA. Obwohl Microsoft bei Erfüllung dieser Versprechen gut aufgestellt ist, könnte das amerikanische Unternehmen ein großes Problem bekommen: Nintendo. Wohl eher unabsichtlich leistet Nintendo Konkurrent SCE Schützenhilfe. Schließlich soll der GameCube am 5. November dem US-Handel ein Umsatzhoch bescheren. Und als würde das nicht schon reichen, Bill Gates die Suppe zu versalzen, hat Nintendo auch sein Versprechen wahr gemacht, mit einem absoluten Kampfpreis ins Rennen zu gehen. Kurz nach der E3 ließ Nintendo in Japan die Bombe platzen: 199 Dollar wird die Hardware kosten, 49 Dollar die Software. Well done! Die E3 hat uns also schlauer gemacht. Mit welcher Hardware in drei Jahren aber der meiste Umsatz erzielt wird, das weiß wohl noch immer niemand zu sagen.