Seit wenigen Wochen können PC- und Videospiele unter bestimmten Umständen trotz Darstellung von NS-Symbolik eine USK-Freigabe bekommen. Eine Regelung, an der der Vorsitzender des Medienrates der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein, Lothar Hay, nun scharfe Kritik übt. Die Gamesbranche hätte die Öffentlichkeit mit dieser Entscheidung überrumpelt.

Seit letztem Monat erlaubt es eine geänderte Rechtsauffassung, dass die USK fortan PC- und Videospiele auch nach der Sozialadäquanzklausel prüfen kann. In der Praxis bedeutet dies, dass auch Produkte, die verfassungsfeindliche Symbolik zeigen, unter Umständen eine Altersfreigabe erhalten können. Faktisch werden Games damit mit Medien wie Filmen und Serien gleichgestellt. Eine Entwicklung, die nicht auf uneingeschränkte Gegenliebe stößt. Lothar Hay, Vorsitzender des Medienrates der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein, findet die neue Regelung untragbar.

In einem Kommentar für das Magazin "Menschen Machen Medien" spricht sich Hay unter den Überschrift "Hakenkreuze gehören nicht in PC-Spiele" gegen eine Gleichstellung von Games mit Filmen aus und fordert eine stärke öffentliche Debatte über die Fragen. Die Gamesbranche hätte die Gesellschaft mit der neuen Rechtsauffassung überrumpelt und mit "raffinierte PR" und "geschickten Lobbyismus" vor vollendete Tatsachen gestellt, so Hay.

"Das Besondere an der Wirkung von Computerspielen ist unter anderem ihre hohe Interaktivität oft mit selbst geschaffenen Aggressions-Figuren. Gewalthandlungen können beliebig wiederholt werden und sie werden belohnt, etwa durch Punkte oder das Erreichen eines höheren Levels. Mit der Ego-Shooter-Perspektive nimmt der Spieler gefühlt selbst die Position der Spielfigur ein. Die unbeschränkte Nutzungsdauer fördert Dauernutzung und Spielsucht", schreibt der Medienrate-Vorsitzende. Und im weiteren Verlauf: "Die Steigerung der Realitätsnähe durch Hakenkreuze und andere Nazi-Symbole würde das Wirkungsrisiko zusätzlich erhöhen."

Unterdessen sorgt die neue Rechtsauffassung für erste Ergebnisse in der Praxis: Das Adventure "Attentat 1942" bekam von der USK trotzt Darstellung von NS-Symbolik eine Freigabe "Ab 12".

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