Mädchen an den PC
Omnipräsenz des PCs, Hardware-Dumpingpreise und vereinfachte Bedienung lassen den Computer zum Alltagsgegenstand werden. Die Nutzergruppen werden breiter und jünger. Dieser Entwicklung tragen die Softwareanbieter Rechnung. Publisher wie Ravensburger, Mattel, TLC und Lego haben die Zielgruppe Mädchen neu entdeckt.
"Mädchen soll mit vertrauten Themen die Angst vor Computern genommen werden", erklärt Ulla Behrendt-Roden, Leiterin Kindersoftware Ravensburger Interactive. Mädchen wollen kreativ sein und interessieren sich für Freundschaft und Kommunikation. Action und Ballerspiele seien für diese Zielgruppe weniger attraktiv. Das unterstreiche auch das Kundenprofil von Ravensburger. 40 Prozent der Titel würden von Mädchen gekauft. Diese Erfahrung und der Erfolg des Mädchentitels "Quiz & Co. Pferde" gaben den Anstoß für die Produktsparte "Girl's Special". Den Anfang macht die Reihe "Hanni & Nanni" nach der Buchserie von Enid Blyton.
Der erste Titel "Was ist los mit Hanni und Nanni? - Spiele, Tricks und Tips rund um die Freundschaft" sei eine Art Freundschaftstool, so Behrendt-Roden. Die CD-ROM kombiniert Elemente der Buchreihe mit E-Mail, Chats und Mädchenstandards wie Tagebuch oder Freundschaftsstest. In Zukunft will Ravensburger, ausgehend von den beliebten Figuren, den Bereich Adventure anvisieren. Ergänzt wird die Produktsparte durch die Online-Aktivitäten des Verlags. " Mittlerweile machen die weiblichen Computernutzer mindestens 40 Prozent der Kindersoftwarenutzer aus. Deshalb verstärken wir unser Engagement auch im Internet, wo wir eine kleine Community aufbauen werden", kündigt Behrendt-Roden an. Zu den Vorreitern im Segment Mädchensoftware gehört sicherlich Mattel. Der Klassiker "Barbie" hat sich auch virtuell seine Fans gesichert. "
Das Erfolgsrezept der,Barbie'-Titel ist die Kombination aus Kreativität und der Welt von Barbie", sagt Sandra Waßmuth, Product Managerin Mattel. Mädchen könnten am Computer selbst etwas gestalten und es anschließend verwenden. Nach diesem Schema funktionieren die "Barbie"-Titel "Schmuck Boutique", "Mode Designer" sowie "Photo Designer". Anfang 2000 wird "Barbie" als Dornröschen und als Detektivin ihre Freundin stehen. Dann übernimmt TLC die Vermarktung der Mattel-Titel. Als Vorgeschmack veröffentlicht der Publisher Ende November "Barbies Meeresabenteuer" auf Game Boy. Im Dezember folgt die CD-ROM "Babyz", die weniger um Freundschaft kreist, als vielmehr mütterliche Gefühle anspricht. "Mädchen wollen ihren Lebensalltag wiederfinden und Familien- und Berufsleben im Spiel ausprobieren", argumentiert Ulrica Griffiths, Senior Public Relation Manager TLC.
Ganz andere Wege geht Lego Media, um seine Mädchensoftware zu etablieren. Beim Titel "Lego Friends" arbeitet das Unternehmen mit der Girlie-Band "Loose Chippins" zusammen. Die CD-ROM zeigt den Bandalltag; die Spielerin komponiert Lieder und choreografiert Tänze. "Durch den Auftritt mit der Mädchengruppe positioniert Lego Media,Lego Friends' optimal und verleiht dem Spiel Wichtigkeit und Vorbildcharakter für Mäd-chen im Teenagervoralter", beschreibt Petra Bedford, Leiterin Marketing Europa, die Idee.
Auf musikalische Unterstützung kann auch Egmont Interactive zählen. Im Februar 2000 veröffentlicht der Publisher den ersten "Sailor Moon"-Titel zum gleichnamigen Mangacomic und zur RTL-2-Actionserie. Mit dabei ist die aus den Charts bekannte "Sailor Moon"-Band Super Moonies.