Manfred Gerdes, GF SCED, zur Connectivity-Strategie: "Es ist ein Evolutionsprozess'
Auf der E3 formierte Sony Computer Entertainment eine Allianz mit namhaften Firmen wie AOL, Macromedia und RealNetworks. GamesMarkt.de sprach mit SCED-Chef Manfred Gerdes über SCEs Connectivity-Strategie und die zeitlichen Abläufe ihrer Einführung in Europa.
GamesMarkt.de: Seit der E3 hat SCE etliche Partner für die Umsetzung seiner Vernetzungsstrategie. Wann wird Connectivity in Deutschland aktuell?
Im nächsten Jahr, also 2002. Ein konkretes Datum gibt es nicht.
GM: Derzeit wird vorbereitet?
Gerdes: Richtig. Ein Teil der Ankündigungen auf der E3 betraf nur den US-Markt. In Europa sind weitere Partnerschaften notwendig. Die Kooperation mit Vodafone ist ein erstes Beispiel dafür. Allerdings unterscheidet sich gerade der europäische Telekommunikationsmarkt auf Grund seiner Vielfalt sehr vom US-Markt. Wir werden deshalb in Europa mit weiteren Telkommunikationsfirmen sprechen. In Deutschland sind Gespräche mit D1 und Eplus notwendig. Auch im Onlinebereich haben wir mit AOL nur einen Teil des Markts abgedeckt. Dort sind Gespräche mit T-Online unausweichlich.
GM: Warum diese Vielfalt bei der Partnersuche?
Gerdes: Im Bereich Connectivity reden wir nicht über Exklusivität, sondern immer über Offenheit - PS2 ist eine offene Plattform. Deshalb müssen wir dem Konsumenten lösungsorientiert entgegenkommen. In der Praxis heißt dass, der Konsument muss auf bestehende Lösungen und Dienste, die er vielleicht schon nutzt, zurückgreifen können. Wir können und wollen ihn nicht zu einem System zwingen - egal ob es sich dabei um einen Telefonanbieter oder um einen Internetprovider handelt.
GM: Sie wollen also die hundertprozentige Abdeckung?
Gerdes: Die letzten fünf Prozent setzen sich immer aus einer Vielzahl kleiner Player zusammen. Es ist deshalb schwer, eine vollständige Abdeckung zu erreichen. Die marktbedeutenden Firmen müssen wir aber ins Boot bekommen.
GM: Ab 2002 ist Connectivity auch bei uns ein Thema. Wie genau soll die Einführung ablaufen?
Gerdes: Der Zeithorizont hängt immer mit dem Entwicklungsstatus der einzelnen Netzwerke zusammen. Im Mobile-Sektor konzentrieren wir uns auf GPRS als Startpunkt. GPRS ist relativ zeitnah. Bei der Breitbandvernetzung sind wir von den Telekommunikationsanbietern abhängig. Diese Firmen sind für den Aufbau der Netze verantwortlich. Es wird keinen "Connectivity-Day" geben, an dem PS2 mit allen Bereichen vernetzt ist. Es ist ein Evolutionsprozess, der über Jahre fortlaufen wird.
GM: Was bedeutet dieser Evolutionsprozess für PS2?
Hardware bleibt technisch unverändert
Gerdes: Wir wollen nur eins zum Ausdruck bringen: Mit der PS2-Technologie sind wir für alle Netztechnologien gerüstet, die in den nächsten fünf, sechs Jahren auf uns zukommen werden. Der Kunde entscheidet aber selbst, ob er nur die "Basics" der PS2 nutzen oder ob er diese technische Evolution mitgehen will.
GM: Es gibt also keine "PS2.1"?
Gerdes:Nein. Wir haben mit der Hardware einen Standard gesetzt, den wir technisch nicht verändern werden. Aber wir werden auf diesen Standard aufbauen. Um es anders darzustellen: Die Hardware ist unsere Basislinie. Von dieser Basislinie gehen verschiedene Kurven aus. Die zentrale Kurve, der wir über den gesamten Lebenszyklus treu bleiben werden, sind Videospiele. Parallel dazu gibt es bereits heute eine zweite Kurve, die nicht von SCE betrieben wird: DVD-Video. Und in Zukunft werden viele weitere Kurven hinzukommen. Eine für GPRS, eine für UMTS, eine für TDSL, eine für Breitband u.s.w.
GM: Wo sehen Sie den Nutzen dieses modularen Systems?
Gerdes: Ich bin von unserem Ansatz absolut überzeugt. Schließlich muss sich der Verbraucher nicht schon heute mit den möglichen Technologien von morgen auseinander setzen. Immer wenn eine neue Technologie ausgereift ist, werden wir einen Stichtag setzen und dann dem Konsumenten die Möglichkeit geben, mit PS2 diese neue Technologie zu nutzen, sofern er dies will. Man könnte also sagen: Wir denken als Konsument.
GM: Derzeit fällt oft das Stichwort Linux in Zusammenhang mit PS2. Wie stehen Sie zu Linux?
Gerdes:Ich sehe Linux als eine weitere mögliche Kurve. Wenn die Zeit dafür reif ist, wird Linux auch für uns ein Thema sein.
Ich möchte aber klar feststellen, dass wir keine Kriegserklärung an den PC planen. Linux offeriert dem Konsumenten nur eine weitere Option, nämlich die Nutzung von Anwendungssoftware.
GM: Alles in allem wird PS2 zu einer Art Wundermaschine...
Gerdes: Inwieweit und wann die einzelnen Optionen Realität werden, werden wir von Zeit zu Zeit verkünden. Ich bin aber der Meinung, dass unsere Ausrichtung die beste Alternative für den Kunden ist. PS2 ist das offenste System im Markt. Und basierend auf den Ankündigungen unserer Mitbewerber, wird PS2 auch das offenste System bleiben. Und die Allianzen, die wir auf der E3 bekannt gaben, machen deutlich, dass nicht nur wir großes Vertrauen in unser System haben.