Fünf Jahre PlayStation in Deutschland, das heißt auch fast fünf Jahre Manfred Gerdes an der Spitze von . Entertainment Markt sprach mit  über seine persönlichen Eindrücke der letzten fünf Jahre.

Entertainment Markt: Fünf Jahre PlayStation - wie lautet Ihr Fazit?

Manfred Gerdes: Leider sind es für mich selbst noch keine fünf Jahre, da ich erst drei Monate nach dem Launch der PlayStation bei Sony Computer Entertainment meine Tätigkeit aufgenommen habe. Mein persönliches Fazit aus diesen Jahren ist ziemlich einfach und war übrigens auch ein Punkt, weshalb ich voller Vertrauen in dieses Projekt eingestiegen bin: Sony hat schon oft bewiesen, sehr schnell hohe Marktanteile in Märkten zu erreichen, die augenscheinlich schon besetzt sind! Die besten Beispiele sind PlayStation und sicherlich auch Vaio! Wir glauben an unsere Produkte, sind immer sehr nah am Markt, entwickeln innovative Konzepte und sind zukunftsorientiert. Wobei wir immer auch in den Rückspiegel schauen, um aus der Vergangenheit zu lernen.Wir haben es geschafft, uns gegen dominierende Wettbewerber im Markt durchzusetzen und die Ergebnisse durch unsere Marktposition sogar noch zu toppen. Oder kennen Sie ein Unternehmen, das allein in Deutschland bis heute über vier Millionen Konsolen verkauft hat? Wir haben ein sehr offenes Konzept, weshalb auch andere Unternehmen auf unserer Plattform Erfolg haben. Dieser Punkt ist deutlich bei der Software zu sehen. Hier hat Sony CE mit eigenen Produkten lediglich einen Marktanteil von circa 30 Prozent, bezogen auf die lifetime. 70 Prozent, also mehr als das Doppelte des Softwaremarktes, fließen allen anderen Entwicklern zu! Dies steht in deutlichem Kontrast zu unseren Mitbewerbern im Markt.Über unser Marketing haben wir den Kontakt zu Konsumenten gesucht und gefunden. Im Mittelpunkt unserer Überlegungen steht immer auch die Einschätzung, dass wir es mit einem kritischen Gebraucher unserer Produkte zu tun haben. Mit einer ausgefeilten Preisstrategie, zielgerichteten Marketingkonzepten und einer gesunden Vertriebsstruktur ist unser Markteintritt vor fünf Jahren und unser Auftritt heute zum Erfolg geworden.So wollen wir auch künftig PS-one, PlayStation 2, Software und Zubehör erfolgreich vermarkten.

EM: Was waren für Sie die Höhen dieser fünf Jahre?

Gerdes: Der wohl größte Erfolg war unsere strategisch-taktische Maßnahme zur Markteinführung von N 64, als wir von einem Tag auf den anderen die Preise in ganz Deutschland umgestellt haben. Der zweite Höhepunkt war die Einführung des Value-Packs, da wir mit einem höheren Verkaufspreis und verändertem Lieferumfang einen sehr starken Absatz erzielen konnten. Der dritte Höhepunkt war die Preisreduzierung von 299 Mark auf 249 Mark, an die ich nicht geglaubt habe, da nach allen Erfahrungen nur dann ein wirklicher Absatzsprung eintraf, wenn die bekannten psychologischen Preisstufen eingehalten wurden! Der PlayStation-Konsument hat jede Aktion positiv aufgenommen und es uns durch erhebliche Absatzsteigerungen honoriert.

EM: Und was waren die Tiefen?

Gerdes: Eigentlich gab es keine wirklichen Tiefen. Allerdings danke ich an dieser Stelle auch meinen Mitarbeitern, die schon manchmal ziemlich ausgepowert waren, aber dann immer wieder durchgehalten haben, um keine Tiefen entstehen zu lassen. Wir sind kein normales Unternehmen, bei uns beherrscht ein Höchstmaß an Flexibilität das Alltagsbild - und das 365 Tage im Jahr. Damit verbunden ist die permanente Veränderung und Anpassung an neue Situationen, die nicht immer ganz einfach zu bewältigen sind! Der Schock kam im Herbst 1999, als mein lieber, alter Mitstreiter Thomas Zeitner seine Dreamcast in den Markt einführte und wirklich das erstaunliche Ergebnis erreichte, mit PlayStation gleichzuziehen. Da wird man dann schon heftig nachdenklich!

EM: Was war für Sie die größte Herausforderung in diesem Zeitraum?

Gerdes: Die größte Herausforderung war, auf der Plattform PlayStation mit allen Lizenzpartnern gemeinsam unsere Zukunft sichern zu können und jeden an diesem Erfolg zu beteiligen. Wir sind heute sicherlich ein ganz deutliches Stück weiter als vor fünf Jahren und ich möchte mich sehr herzlich bei meinen Thirdparty-Kollegen bedanken, die uns unterstützt haben, diesen Erfolg zu erreichen. Aus einer anfänglich distanzierten Haltung sind heute zum großen Teil sogar freundschaftliche Beziehungen entstanden - wobei wir uns in der Sache weiterhin immer heftig auseinandersetzen!

EM: Was hätten Sie aus heutiger Sicht in den vergangenen fünf Jahren anders gemacht?

Gerdes: Hinterher ist man sicherlich immer schlauer als vorher. Die Vergangenheit ist nicht für eine Sekunde zu verändern, aber wir wollen aus unseren Fehlern lernen und damit nicht noch einmal die gleichen Fehler machen. Wahrscheinlich würden aber die Entscheidungen auch heute im Rückblick zu mindestens 90 Prozent identisch ausfallen! So schlecht waren die Entscheidungen nicht, da unser Unternehmen sonst nicht dort wäre, wo wir heute stehen.

EM: Und was würden Sie auf jeden Fall wieder tun?

Gerdes: Immer am Ball bleiben, den Wettbewerb weiterhin unter einer großen Lupe laufen lassen und jede Herausforderung annehmen. Ganz gleich, wie viel Veränderung, Flexibilität und auch Zeit es kostet. Wir bekommen keine zweite Chance, sondern müssen immer die erste nutzen.

EM: Ein Jubiläumssatz zu Ihren Handelspartnern und zu den Third-Partys?

Gerdes: Fünf Jahre sind in unserer Branche eine lange Zeit, wir sind vielen Menschen begegnet und wir haben immer für ein offenes und faires Verhältnis zu unseren Handelspartnern und zu den Third-Partys gestanden. Danke für die vertrauensvolle Zusammenarbeit in den letzten fünf Jahren, ohne euch wäre Sony PlayStation nicht zu einem solchen Erfolg geworden. Ich habe das Gefühl, dass diese Meinung auch von den hier Angesprochenen getragen wird, auch wenn wir hier und da unsere Ecken und Kanten haben!

EM: Ein Satz zu Ihren Mitarbeitern?

Gerdes: In der Langform müsste ich mich jetzt wirklich bei jedem einzelnen Mitarbeiter für seine geleistete Arbeit bedanken und die Gelegenheit nutzen, diesen Dank öffentlich zu machen und damit noch zu verstärken! Ich bin sicherlich auch nicht der ideale Chef, da ich eine ziemlich harte Nuss bin, woran man sich die Zähne auch mal ausbeißen kann! Meine Erwartungshaltung ist sehr hoch und ich bin nicht leicht zufrieden zu stellen! Deshalb möchte ich alles in zwei Worten zusammenfassen: Herzlichen Dank! Ich möchte aber auch nicht diejenigen unerwähnt lassen, die heute neue Herausforderungen angenommen haben, auch ihr seid nach wie vor ein Teil unseres Erfolges!

EM: Und einer zu Ihrer Konkurrenz?

Gerdes: Die liebe Konkurrenz gibt es ja eigentlich nicht so richtig. Wir kennen uns alle und sprechen miteinander, was ich für sehr gut halte. Jeder hat seine Vorgaben, seine Ziele und seine Art zu vermarkten. Jeder hat so seine eigene Produktphilosophie und Marketingstrategie. Sony Computer Entertainment hat deutlich gemacht, mit anderen neuen Strategien einen Markt geschaffen zu haben und bin stolz darauf, mit der ältesten im Markt befindlichen Konsole auch heute noch den größten Erfolg zu haben. Obwohl 32 Bit nur die Hälfte von 64 Bit und nur ein Viertel von 2x64 Bit ist! Kleiner Scherz - ich denke, Axel und Thomas verstehen es …

EM: Handel, Third-Partys, Presse, Verbraucher - mit wem war der Umgang am kompliziertesten und mit wem am einfachsten?

Gerdes: Es gibt einen alten Spruch: Beklage dich nicht über deine Kunden, denn sie sind es, die dich am Leben erhalten. Das ist meine persönliche Einstellung zu den Dingen und für alle genannten Bereiche gültig.

EM: Wie viele Stunden haben Sie in den vergangenen fünf Jahren in PlayStation-Meetings verbracht?

Gerdes: Das kann ich wirklich nicht sagen, weil ich im Prinzip immer im PlayStation-Meeting bin, oftmals auch nur mit mir selbst. Zeit ist für mich kein elementarer Faktor; die Herausforderung anzunehmen und dadurch Erfolg zu haben ist der Nervenkitzel.

EM: Wie viele Personen mussten Sie in dieser Zeit überzeugen, damit PlayStation ein Erfolg wird?

Gerdes: Für PlayStation 1 sicherlich sehr viele, aber das ändert sich gerade, da jetzt jeder am Erfolg der PlayStation 2 teilhaben möchte. Es gibt Kunden, die PlayStation 1 nicht so unterstützt haben, wie wir uns das gewünscht haben, deshalb werden wir heute nicht hingehen und unsere Kunden benachteiligen, die maßgeblich am Erfolg der letzten fünf Jahre beteiligt waren.

EM: Hand aufs Herz: Welches Spiel hätte Ihrer Meinung nie für PlayStation erscheinen sollen?

Gerdes: Eigentlich alle, die im deutschen Markt nicht verkäuflich sind, aber auch das geht nicht! Wünschen würde ich mir lediglich zwei Punkte in Bezug auf die Vermarktung von Software: Wir sollten nicht so tun, als ob alle Produkte Triple-A-Titel wären. Damit bauen wir nur unverkäufliche Bestände auf. Der Handel stellt nicht nur Flächen zur Verfügung, sondern auch Personal, um eine gepflegte Warenpräsentation zu gewährleisten und um den Kunden zu informieren und dann die Produkte zu verkaufen.

EM: Welches N64-Spiel und welches Dreamcast-Spiel hätten Sie gerne für PlayStation gesehen?

Gerdes: N64 Zelda und Dreamcasts Crazy Taxy.

EM: Ihre Zukunftsvision: Wie werden die nächsten fünf Jahre im PlayStation-Universum?

Gerdes: Zunächst einmal ein perfekter Launch der PlayStation 2, anschließend schnellstmöglich den optimalen Ausbau der installierten Basis von PlayStation 2, der sicherlich durch die Einführung der integrierbaren Festplatte im nächsten Jahr einen weiteren Schub erhält! Damit wäre unsere Ausgangssituation fundamentiert, um die Markteinführungen von Microsoft und Nintendo in Grenzen zu halten. Mit neuen Service-Angeboten planen wir PlayStation 2 für den Konsumenten noch attraktiver zu machen und zum guten Schluss langfristig die Vorbereitungen für die Markteinführung von PlayStation 3 zu treffen. Insgesamt betrachtet, hoffe ich auf spannende Zeiten und damit verbunden auf die Auseinandersetzung mit starken Mitbewerbern. Wir wollen unseren Entertainment-Kunden mit unseren Produkten die unendlichen PlayStation-Erlebniswelten langfristig und mit adrenalintreibendem Spaß auf Dauer erhalten. Das schönste Ergebnis wäre, wenn wir uns im Wohnzimmer des Konsumenten etablieren würden und PlayStation 2 zum Schlüsselprodukt als Computer Entertainment System geworden ist.

EM: Herr Gerdes, wir danken Ihnen für dieses ausführliche Gespräch.

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