Manfred Gerdes (SCED) zur Markteinführung der PlayStation2
Auf der E3 hat Sony Computer Entertainment (SCE) den Veröffentlichungstermin für PlayStation2 in den USA und Europa genannt. Entertainment Markt sprach mit Manfred Gerdes, GF von SCE Deutschland, über die geplante Markteinführung, die Bedeutung von PlayStation.com und die Zukunft von PlayStation1.
EM: Am 27. Oktober startet PlayStation2 in Europa. Was machen Sie mit gleich zwei TV-basierten Konsolen im Markt?
Gerdes: Ganz einfach, verkaufen.
EM: Stellt der Handel denn ausreichend Fläche zur Verfügung?
Gerdes: Ich glaube, wir sind an einem Punkt, an dem der Handel bereit ist, gerade für PlayStation-Produkte Fläche einzuräumen.
EM: Wie wird PlayStation2 beworben?
Gerdes: Das geplante Marketing geben wir zu einem späteren Zeitpunkt bekannt. Taktik und Strategie sind gefragt, da sonst auch unsere Mitbewerber wissen, was wir genau vorhaben.
EM: Steht der Preis schon fest?
Gerdes: Nein, auch einen Preis können wir derzeit nicht nennen. Er wird - abhängig von der Kursentwicklung des Yen - mehr oder weniger aggressiv sein. Wir werden den Preis bekannt geben, sobald wir diesen Faktor einschätzen können. Auf diese Weise nennen wir nur einmal einen Preis, der dann aber auch Gültigkeit haben wird.
EM: Wie viel Ware kann SCED liefern?
Gerdes: Wir wollen bis zum 31. März 2001 weltweit zehn Mio. Units verkaufen. Vier Mio. Units sollen in Japan und je drei Mio. Units in den USA und Europa verkauft werden. Darüber hinaus kann ich Ihnen keine Zahlen nennen. In den Dimensionen, in denen wir uns mit PlayStation2 bewegen, ist eine verbindliche Aussage nicht mehr möglich. Unsere Strategie ist folgende: Wir werden zum Day One mit einer vernünftigen und schnell durchverkaufbaren Stückzahl starten. Ab Day Two konzentrieren wir uns darauf, wie der Durchverkauf in den einzelnen Ländern läuft.
EM: Aber der Warenfluss ist gesichert...?
Gerdes: Ich habe Ihnen unsere augenblickliche Planung beschrieben. Wie der Warenfluss effektiv aussehen wird, kann ich nicht sagen. Die zehn Mio. Units wurden von Ken Kutaragi genannt. Also muss er die Produktionskapazitäten dahinter stellen. Generell ist SCE aber dafür bekannt, dass wir die Zahlen, die wir nennen, auch einhalten.
EM: Der Handel wird sicherlich mehr Einheiten haben wollen, als Sie bereitstellen werden...
Gerdes: Natürlich haben wir derzeit besonders viele Anfragen. Es ist aber niemandem geholfen, wenn ein Händler mehr bestellt, als er durchverkaufen kann. Die bestellte Stückzahl muss in Relation zu der jeweiligen Absatzhistorie des Händlers stehen. Von unseren Key-Accounts erwarten wir ein Verkaufskonzept für unsere Produkte, denn auch uns ist klar, dass nicht aus jedem PlayStation1-Kunden sofort ein PlayStation2-Kunde wird. Wir brauchen deshalb echte Händler und keine reinen Absatzstellen.
EM: Wie sehen die weiteren Pläne für PlayStation1 aus?
Gerdes: Wir werden unsere Werbeaktivitäten zurückfahren, da die Ware in den nächsten Monaten außerordentlich knapp wird. Aufgrund des Wechselkurses des Yen konnten wir im vergangenen Jahr den Preis nicht wie geplant von 249 auf 199 Mark senken. Dies werden wir jetzt auch nicht mehr nachholen. Unsere Marketingaktivitäten für PlayStation1 sind derzeit bis Ende des Jahres geplant. Informationen, die über diesen Zeitraum hinausgehen, können wir Ihnen heute noch nicht geben.
EM: Und im nächsten Jahr?
Gerdes: Das ist noch nicht entschieden. Im Moment konzentrieren wir uns auf die Markteinführung der PlayStation2. Außerdem wird SCED in diesem Jahr umziehen, und wir werden in das europaweite EDV-Netzwerk eingebunden. Dadurch gelingt uns eine wichtige Verknüpfung, die im nächsten Schritt die Vernetzung mit dem Handel zur Folge haben soll. Darüber hinaus investieren wir sehr stark in den Bereich SAP und PlayStation.com.
EM: Warum ist PlayStation.com für Sie so wichtig?
Gerdes: Es geht dabei um die Zukunft unseres Unternehmens. Wir wollen nicht auf dem Frühstücksplan eines Start-up-Unternehmens stehen! Der AOL/Warner-Kauf kam aus heiterem Himmel, kein Mensch hat zuvor an so etwas gedacht. PlayStation.com wird uns wesentlich dabei helfen, das Überleben der Marke und unsere Eigenständigkeit langfristig zu sichern. Ein weiteres Ziel von PlayStation.com ist es, eine engere Verbindung zu den Verbrauchern herzustellen. Der von uns angestrebte aktive Informationsaustausch funktioniert nur über direkten und persönlichen Kontakt. Ein Tool dafür ist PlayStation.com.
EM: Welche Bedeutung hat der Onlineverkauf?
Gerdes: Neben der absoluten Verpflichtung, E-Commerce zu betreiben, ist auch die Entscheidung für den Onlineverkauf bereits gefallen. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Der Umsatzanteil von PlayStation.com soll mindestens gleich hoch liegen wie der unseres stärksten Händlers.
EM: Das wird dem Handel aber nicht gefallen...
Gerdes: Das steigende Marktvolumen wird bis dahin noch um ein Vielfaches gewachsen sein. Aus diesem Grund wird auch kein Händler verlieren, es werden alle gewinnen. Der Handel bekommt lediglich nicht mehr 100 Prozent, sondern zwischen 85 und 90 Prozent vom Kuchen. Wir brauchen dieses Stück Unabhängigkeit aus wirtschaftlichem Interesse, das auch für den Handel wichtig ist. Oder glauben Sie, dass die Vermarktung im Handel genauso betrieben wird, wenn irgendeine Dot-com-Firma kommt und Sony aufkauft?