Zu Jahresbeginn hat  die Verlagsprogramme von Systhema/Navigo übernommen und sich damit schlagartig auf der Rangliste der Top-Multimedia-Publisher nach oben bewegt. Entertainment Markt sprach mit Geschäftsführer  über die Integration der neuen Labels und die damit verbundene Neuausrichtung des Vertriebs.

Entertainment Markt: Wie verläuft die Integration der zugekauften Labels und Produkte?

Michael Fleissner: Die Integration ist in sehr kurzer Zeit sehr gut bewältigt worden. Mit Ausnahme der endgültigen Entscheidung über die Vertriebsausrichtung der nicht buchhändlerischen Märkte ist die Eingliederung im Großen und Ganzen abgeschlossen.

EM: Wie ist USM jetzt strukturiert?

Fleissner: Wie Sie schon auf der Milia sehen konnten, haben wir mit der "USM Gruppe", der United Soft Media, eine Dachmarke geschaffen, die die verschiedenen Labels vereint und die das Know-how unserer Firma widerspiegelt. Allerdings betrachten wir es als unternehmerische Herausforderung, die verschiedenen Marken, in die von unseren Vorgängern zum Teil sehr viel Geld investiert wurde, für ihre jeweiligen Themenbereiche stärker zu profilieren und eindeutiger zu positionieren. "Systhema" werden wir zur führenden Marke im Bereich der Lexika und Nachschlagewerke ausbauen, "MultiLingua" wird im Segment Sprachlernsoftware eine noch bedeutendere Rolle spielen, "Navigo" wird für Hochwertiges aus Naturwissenschaft und Unterhaltung stehen, die neue Marke "USM Junior" wird bei Kindersoftware ein Gütesiegel werden, und schließlich haben wir "Romeo" eine komplette Neupositionierung im Bereich der Budget-Jewelcase-Produkte mit unserem Vertriebspartner Rondomedia gegeben.

EM: Wurde durch die Übernahme das Team von USM aufgestockt bzw. ist eine Vergrößerung geplant?

Fleissner: USM war schon immer rank und schlank, und das soll auch in Zukunft so bleiben. Das ist die wirtschaftliche Voraussetzung in dieser Branche, und die muss immer im Auge behalten werden. Eine Vergrößerung unseres Mitarbeiterstamms ist in der Technik am Laufen, also um Mitarbeiter, die die Grundlagen für erfolgreiche Produkte entwickeln.

EM: Es gibt also kein sprunghaftes Wachstum?

Fleissner: Wachstum ist ein Zauberwort. Aus meiner Sicht muss Wachstum auch in diesen Zeiten betriebswirtschaftlich zu rechtfertigen sein. Der Markt für CD-ROM-Produkte hat sich in den letzten Jahren positiv entwickelt und ein attraktives Volumen erreicht. Allerdings gab es zu viele Anbieter im Markt, und das Multimediageschäft ist per se ein schwieriges Geschäft. Wir haben unsere Produkte Jahr für Jahr weiterentwickelt und adäquate Investments getätigt. Durch diese "Schritt für Schritt"-Politik konnten wir eine günstige Gelegenheit abwarten. Und als diese mit Systhema/Navigo gekommen war, haben wir zugegriffen.

EM: Sie sagten, die künftige Vertriebsstruktur steht noch nicht fest. Gibt es bereits Tendenzen, wie sich USM vertrieblich orientieren wird?

Fleissner: Wir werden in jedem Fall eine noch direktere und vor allem engere Verbindung zu den Handelskanälen suchen, die über die Kunden für unsere Produkte verfügen. Das ist nicht zuletzt der Buchhandel, der bei uns einen konstanten Umsatzanteil von rund 25 Prozent hat und sich durch ein solides, wirtschaftlich vernünftiges und partnerschaftliches Miteinander auszeichnet.

EM: Und für die anderen Handelskanäle?

Fleissner: In den anderen Kanälen gestaltet sich die direkte Zusammenarbeit oft schwieriger. Dort können und werden wir uns weiterhin mit Spezialdienstleistern aufstellen. Meiner Meinung nach müsste es aber in einigen Flächenmärkten und Warenhäusern eine ähnlich enge Verzahnung wie beim Buchhandel geben. Im Augenblick erörtern wir mit unseren Vertriebspartnern verschiedene Lösungsmöglichkeiten. Sie können davon ausgehen, dass in Kürze - also noch vor Beginn des Herbstgeschäfts - die neue Vertriebsorganisation für die Gruppe stehen wird.

EM: Haben Sie Pläne mit E-Commerce ?

Fleissner: Kein zukunftsorientierter Verlag kann sich dem Thema E-Commerce verschließen. Auch wir werden weiter ausprobieren und Erfahrungen sammeln. So ist die Abwicklung von Händlerbestellungen über das Internet zweifelsohne für beide Seiten attraktiv. Wichtige Informationen können sehr schnell bereitgestellt werden und die Kommunikation mit dem Handel wird verbessert werden. Unser vertrieblicher Schwerpunkt allerdings sind und bleiben in jedem Fall der stationäre Handel und die Betreuung über den Außendienst. Ein guter Internetauftritt kann mittels einer ansprechenden Produktpräsentation Kaufreize generieren. Aber nennenswerte Direktumsätze, die in der Lage wären, Vertriebskanäle zu ersetzen, sind auf Sicht nicht zu erkennen.

EM: Warum?

Fleissner: Das Internet bietet zwar bei funktionierender Logistik eine bequeme und schnelle Art des Einkaufs, aber es kann nicht das Shoppingerlebnis vermitteln, wie es der Kunde im Fachgeschäft findet. Im Buchhandel beispielsweise sind zwei Drittel aller Käufe Spontankäufe, die im Laden stattfinden. Man muss die Kirche also im Dorf lassen und darf nicht die Bereiche aus den Augen verlieren, in denen das Geschäft wirklich stattfindet.

EM: Der Internetboom wirkt sich ja auch auf die Inhalte der CD-ROMs aus. Wie lautet hier die Strategie von USM?

Fleissner: Nach dem Kauf der Systhema/Navigo-Verlagsprogramme verfügen wir über exzellenten und breitesten Content. Ich denke, jetzt ist Fantasie gefragt, um diesen Content nicht nur im weiterhin attraktiven Offlinemarkt, sondern auch im Onlinemarkt an der richtigen Stelle unterzubringen. Nebenbei investieren wir in Technik, die unsere Inhalte flexibler macht und Aktualisierungen kostengünstig ermöglicht.

EM: Wie könnte eine Onlinevermarktung der Inhalte über die gängigen Internetverweise hinaus aussehen?

Fleissner: Es gibt eine Vielzahl von großen und interessanten URLs, die alle ein Problem haben: Sie brauchen Traffic, und damit Pageimpressions. Diese können nur durch exzellente Inhalte erzielt werden. Wir unterstützen deshalb Firmen wie die Neugründung ECS (eContent Services), die es sich zur Aufgabe gemacht hat, attraktive Inhalte maßgeschneidert Onlineanbietern zu vermitteln.

EM: USM hat den Milia d'Or für die DVD-ROM "Kosmos Weltatlas" erhalten. Was halten Sie von der DVD als Trägermedium?

Fleissner: Trotz unseres Erfolgs auf der Milia sehe ich in der DVD-ROM im Augenblick noch begrenztes Potenzial. Im Videobereich legen Sie eine DVD in den Player, und es funktioniert. Der Ländercode scheint die einzige "Hürde" zu sein, die es bei einer DVD-Video gibt. Im PC-Bereich ist die DVD-Technik hingegen immer noch nicht ausgereift. Es treten Hardwareprobleme auf, die der Software in die Schuhe geschoben werden. Wir stießen anfangs auf Probleme hinsichtlich der Kompatibilität mit Grafik- und Soundkarten und mussten lange am "Weltatlas" feilen, damit er auf den Systemen lief. Unsere Erwartungen sind daher für diese Produktgattung verhalten, obgleich eine solche internationale Auszeichnung natürlich große Beachtung findet.

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