Microsoft baut 10.000 Stellen ab, auch im Gaming-Bereich
Weltweit 10.000 Stellen sollen bis Ende März bei Microsoft abgebaut werden. Die Bereiche HoloLens, Edge, Marketing und einige Studios aus der Xbox-Familie sollen betroffen sein. CEO Satya Nadella spricht von Veränderungen des Konsumverhaltens der Kunden und der notwendigen Effizienz von Tech-Unternehmen.
Microsoft wird bis Ende März 2023 ungefähr 10.000 Stellen weltweit abbauen, ungefähr fünf Prozent der Belegschaft. Das Unternehmen beschäftigt derzeit rund 221.000 Mitarbeitende, 2019 zählte die Belegschaft noch circa 144.000 Personen, vor allem in der Covid-19-Pandemie wurde sehr viel eingestellt. CEO Satya Nadella erklärt, das Unternehmen werde in "langfristige Wettbewerbsfähigkeit" investieren und gleichzeitig den von den Entlassungen betroffenen Mitarbeitern Unterstützung bieten. Dennoch werde Microsoft "weiterhin Einstellungen in strategischen Schlüsselbereichen vornehmen". Ein Grund für die Entlassungen seien Veränderungen im makroökonomischen Umfeld. Vielmehr sagt Nadella, dass die Kunden "ihre digitalen Ausgaben optimiert" hätten, "um mit weniger mehr zu erreichen". Er schreibt auch, dass sie Abschreibungen in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar in zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres vornehmen wollen. Die Belastung steht in Zusammenhang mit Abfindungskosten, Änderungen am Hardware-Portfolio und "den Kosten für die Konsolidierung von Mietverträgen", um eine höhere Dichte in den Arbeitsbereichen zu schaffen.
Auch der Gaming-Bereich bleibt von der Entlassungswelle nicht verschont. Gegenüber The Verge, Bloomberg und Kotaku haben Personen, die mit Details des Stellenbaus vertraut sind, erklärt, dass folgende Bereiche betroffen wären: HoloLens, Microsoft Edge, Marketing und die Xbox-Studios 343 Industries, Bethesda Game Studios und The Coalition. Konkrete Zahlen wurden, auch auf Nachfrage der besagten Medien, nicht genannt. 343 Industries ist mit der Halo-Reihe betreut. Die Bethesda Game Studios sitzen am Rollenspiel-Schwergewicht "Starfield". Bei The Coalition soll an einer neuen IP und einem weiteren Teil der Gears-of-War-Reihe gearbeitet werden. Bloomberg meldet, dass im Kampagnenteam von 343 Industries sowohl Umstrukturierungen als auch Entlassungen geplant seien. Joe Staten, der 2020 zu 343 stieß, um "Halo Infinite" auf Kurs zu bringen, verlässt zum Beispiel das Studio und wechselt wieder zu Xbox Publishing.
Während sich Nadella nicht genauer zu den Änderungen am Hardware-Portfolio äußert, berichtet The Verge, dass der Umsatz bei Surface-Geräten sowie von Windows OEMs stark rückläufig sei. Außerdem hätte der vom US-Kongress abgelehnte Antrag, das US-Militär mit 6.900 HoloLens-Headsets auszustatten, zu Einschnitten in diesem Geschäftsbereich geführt. Vor wenigen Wochen warnte Nadella in einem Interview mit CNBC, dass Microsoft nicht "immun gegen die globalen Veränderungen" sei und sprach von der notwendigen Effizienz von Tech-Unternehmen. Generell ist Microsoft mit dieser Maßnahme nicht allein. Meta kündigte letztes Jahr knapp 11.000 Entlassungen an, Amazon wird ungefähr 18.000 Mitarbeitende entlassen.
Die Entlassungswelle folgt ungefähr ein Jahr nach der Bekanntgabe der Übernahme von Activision Blizzard durch Microsoft, wobei Activision Blizzard selbst fast 10.000 Mitarbeitende beschäftigt. Die Übernahme hat aktuell noch mit regulatorischen Schwierigkeiten zu kämpfen, in den USA, in Großbritannien und sehr wahrscheinlich auch in Europa. Erst kürzlich hatte Nadella im Rahmen des Weltwirtschaftsforums in Davos die "Kurzsichtigkeit der Kartellbehörden" kritisiert. Er fragte, welches Problem es denn geben würde, "wenn der viertgrößte Anbieter auf dem Markt ein wenig Inhalt" dazubekommen würde. Dennoch hat Microsoft signalisiert, Anpassungen an dem Deal und weitere Zugeständnisse machen zu wollen, damit die Übernahme doch das grüne Licht erhält.